Seit einiger Zeit ist das kostenlose Handeln mit Wertschriften im Gespräch. Was ist vom Trend zu halten? Ist kostenloses Trading auch bald in der Schweiz möglich? Die Moneyland-Redaktion hat recherchiert.

Im internationalen Wertschriftenhandel geraten die Preise zunehmend unter Druck. Dafür sind auch einige Fintech-Startups verantwortlich, die den Markt mit kostenlosen Trades neu aufmischen möchten.

Neben Loyal3 ist seit einiger Zeit vor allem die App Robinhood im Gespräch. Mit Robinhood sollen Wertschriften gratis handelbar sein – allerdings zu Beginn nur in den USA kotierte Aktien und ETF. Beim Verkauf von US-Aktien werden rund 0.02 US-Dollar an Börsengebühren in Rechnung gestellt, was allerdings kaum ins Gewicht fällt.

Der Handel mit Wertschriften, die ausserhalb der USA kotiert sind, kostet die Nutzer hingegen bis zu 50 Dollar pro Trade.

Die Robinhood-App ist vorerst nur für Kunden in den USA nutzbar. Dort sind die üblichen Trading-Gebühren mit rund 10 Dollar pro Transaktion unabhängig von der Betragsgrösse bereits deutlich kostengünstiger als in der Schweiz. Trotzdem scheint das Interesse an Robinhood gross zu sein, wobei hier die «Magie des Kostenlosen» die Hauptrolle spielen dürfte.

Wie sind kostenlose Trades möglich?

Wie verdient Robinhood Geld, wenn die Transaktionen doch mehrheitlich kostenlos sind?

Robinhood ist noch ein junges Startup. Im Silicon Valley stehen bei typischen Internet-Startups am Anfang der Kundennutzen und das entsprechende Marketing im Zentrum. Dank grossen Investoren wie Index Ventures und Andreessen Horowitz ist es möglich, dass das Geschäftsmodell erst Jahre später richtig greift.

Sobald man dann eine genügend grosse User-Base hat, kann mit Cross- und Up-Selling begonnen werden, so die Idee. Robinhood sieht beispielsweise in Zukunft die nicht unproblematische Möglichkeit vor, auf Kredit zu traden. Für diesen so gennanten «Margin Account» wird dann eine Gebühr in Rechnung gestellt.

Auch verlangt Robinhood eine Kommission für die Cash-Bestände, die nicht in Wertschriften investiert sind. Diverse weitere zukünftige Ertragsquellen sind natürlich möglich, darunter kostenpflichtige Premium-Accounts mit speziellen Trading-Features.

Aufschlussreich ist das Engagement des prominentesten Investors in Robinhood: Google Ventures. Der Internet-Imperator Google investiert immer mehr in Industrien, die vor der Digitalisierung stehen, darunter auch die Finanzwelt. Damit baut Google längerfristig neben der Hauptertragsquelle der Online-Werbung weitere Standbeine auf.

Trades in der Schweiz eher teuer

Schweizer Trading-Plattformen gehören im internationalen Vergleich eher zu den teureren Angeboten. Das wird mit den höheren Regulierungs- und Betriebskosten in der Schweiz begründet.

Das hohe Preisniveau im Aktien- und Wertschriftenhandel ist in der Schweiz in den letzten Jahren nur in wenigen Einzelfällen etwas gesunken. Dafür verantwortlich waren jeweils neue Markteilnehmer, welche mit etwas tieferen Gebühren auf sich aufmerksam gemacht haben.

Auch 2015 steht voraussichtlich der Eintritt eines neuen Anbieters auf dem Programm: Der CFD-Broker IG Bank möchte sich auch als Schweizer Plattform für Aktienhandel etablieren.

Schweizer Banken als Garant für Sicherheit

Trotz den höheren Transaktionspreisen gibt es immer mehr ausländische Kunden, die ihr Trading-Konto in der Schweiz eröffnen. Die Schweiz zieht als wirtschaftlich und politisch sicherer Finanzplatz eben immer noch.

Umgekehrt gilt auch, dass nur wenige Schweizer Trader bei günstigeren internationalen Brokern ihre Wertschriften handeln. Wie überall, wo es um Geld geht, ist auch beim Online-Trading Sicherheit oberstes Gebot.

Kostenlose Trades in der Schweiz?

Was bedeutet der neue Free-Trading-Trend nun für die Schweizer Banken und Broker? Werden «kostenlose» Trades auch in der Schweiz bald zum Standard gehören?

Aus den erwähnten Gründen sind kostenlose Trades in der Schweiz in den nächsten Jahren kaum zu erwarten.

Kommt hinzu, dass amerikanische oder internationale Apps eine ungleich grössere potenzielle Reichweite aufweisen und damit pro Kunde mit deutlich weniger Umsatz auskommen.

Robinhood etwa hatte bereits im März 2015 nach eigenen Angaben über 700'000 Interessenten auf der Warteliste. Dagegen wird in der Schweiz gerade einmal von rund 400'000 Trading-Kunden ausgegangen, wovon etwa die Hälfte bei Swissquote handeln.

Depotgebühren und Courtagen im Schweizer Vergleich

Zwar sind die Depotgebühren bei einigen Schweizer Anbietern wie CornèrTrader oder PostFinance kostenlos. Dazu kommen hingegen immer kostenpflichtige Transaktionsgebühren dazu, auch Courtagen genannt. Die Courtagen variieren je nach Anbieter, Wertschriftentyp, Börse, Betragshöhe und Volumen markant.

Achtung vor Lockvogelangeboten wie etwa «nur 5 Franken pro Trade». Solche Angebote beziehen sich auf die jeweils günstigste Courtagen-Variante, wobei weitere Gebühren dazukommen können. Ein individueller Vergleich, wie er passgenau auf moneyland.ch möglich ist, muss also immer alle Gebühren berücksichtigen.

Kostenlos sind hingegen Test-Kontos, wie sie etwa bei CornèrTrader oder TradeDirect möglich sind. Es kann sich lohnen, vor dem richtigen Handeln einen solchen Test-Account gratis zu eröffnen.

Ihre Moneyland-Redaktion

Weiterführende Informationen:
Trading-Vergleich
CFD-Trading
Forex-Trading
Depotgebühren im Vergleich
Kosten im Online-Trading
Tipps für den Aktienhändler

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