Hanspeter Rhyner: «Hypotheken sind bald vollständig digitalisiert»

Wie schreitet die Digitalisierung des Schweizer Hypothekarmarkts voran? Welchen Einfluss hat das derzeitige Tiefzinsumfeld? Interview mit Hanspeter Rhyner, CEO der Glarner Kantonalbank.

Hanspeter Rhyner gehört seit 2009 der Geschäftsleitung der Glarner Kantonalbank (GLKB) an, seit 2013 amtet er als Geschäftsführer.

Die heutige Tiefstzinslage ist historisch einmalig. Wie gehen Sie als Hypothekargeber damit um?

Hanspeter Rhyner: Das Niedrig- und Negativzinsumfeld der letzten Jahre hat zu einem prosperierenden Hypothekargeschäft beigetragen. Viele Kundinnen und Kunden ergreifen die Chance der tiefen Zinsen, um sich den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Bankseitig gilt es die aktuelle Situation mit einem aktiven Bilanzstrukturmanagement und den damit verbundenen Zinsänderungsrisiken umsichtig zu steuern. 

Welches Vorgehen empfehlen Sie Interessenten, die sich an einem Zeithorizont von einem, fünf oder zehn Jahren orientieren?

Die Wahl der Laufzeit hängt von der Präferenz des Kunden ab. Möchte er vom tiefsten Zins profitieren, wählt er eine kurze Laufzeit. Möchte er Planungssicherheit, entscheidet er sich für möglichst lange Laufzeiten. Oftmals empfiehlt es sich, kurze mit längeren Tranchen zu kombinieren, um ein Optimum an Flexibilität und Planbarkeit zu erzielen.

Sie bieten neu auch Laufzeiten bis zu 20 Jahre an. Solche langen Laufzeiten waren früher vor allem bei Versicherungen erhältlich. Weshalb haben Sie sich zu dieser Angebotserweiterung entschieden?

Mit den längeren Hypothekarlaufzeiten profitieren die Kunden von einer noch höheren Planungssicherheit – und es lohnt sich finanziell: Mit den längeren Laufzeiten können sich die Kunden die hervorragenden Konditionen länger sichern. Die Abschlusszahlen in den langfristigen Laufzeiten bestätigen uns, dass das neu lancierte Angebot ein Kundenbedürfnis darstellt.

Eine lange Laufzeit hat den Nachteil, dass ich mich als Hypothekarnehmer entsprechend lange an den Hypothekarvertrag binde. Was passiert, wenn ich trotzdem vorzeitig aussteigen möchte?

Die Glarner Kantonalbank hat für solche Fälle eine günstige, pauschale Ausstiegsprämie von 1000 Franken eingeführt. Im Fall eines vorzeitigen Immobilienverkaufs kann der Kunde gegen Bezahlung dieser Ausstiegsprämie – unabhängig der Restlaufzeit – aus der laufenden Hypothek aussteigen. Das ist unseres Wissens einmalig in der Schweiz und ermöglicht es Hypothekarnehmern, bei überschaubarem Risiko von langen Laufzeiten zu günstigen Konditionen zu profitieren.

Sie haben die Online-Hypothek Hypomat 2012 lanciert. Was ist Ihr bisheriges Fazit?

Wir konnten seit der Lancierung sehr wichtige Erkenntnisse zur Vergabe von Online-Hypotheken sammeln und haben durchs Band positive Erfahrungen gemacht. Diese Expertise lassen wir ebenfalls unseren Lizenznehmern – der Freiburger Kantonalbank und Tessiner Kantonalbank – zukommen, welche erfolgreich die Software unserer Online-Hypothek einsetzen.

Der Online-Hypothekarmarkt ist am Wachsen: Wo sehen Sie die zukünftigen Marktanteile von Schweizer Online-Hypotheken am Gesamtmarkt? Kaufen wir bald alle unsere Hypothek online ein?

Unserer Einschätzung nach wahrscheinlich nicht, denn Online-Hypotheken eignen sich für Kunden, die ihre Finanzgeschäfte selber in die Hand nehmen möchten. Ein Grossteil der Kunden wird nach wie vor vom Know-how und der ganzheitlichen Betrachtung eines Kundenberaters profitieren wollen.

Die Glarner Kantonalbank ist in Sachen Fintech vorne mit dabei. Welches sind Ihrer Meinung nach die spannendsten zukünftigen Trends im Bereich Online-Hypotheken?

Der Weg zur vollständigen Online-Hypothek ist nicht mehr so weit entfernt, so viel können wir verraten. Viele involvierte Parteien wie Grundbuchämter, Notare und Betreibungsämter sind daran, ihre Dienstleistungen in digitale Lösungen zu transformieren. Dies und die aktuelle Entwicklung in Bezug auf die digitale Identität werden es möglich machen, schon bald komplett digitale Bankgeschäfte anzubieten.

Weitere Informationen zur Online-Hypothek der GLKB (Hypomat)

6. Januar 2017

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