Hausarzt-Modelle im Schweizer Vergleich

Erfahren Sie jetzt die wichtigsten Informationen rund um Schweizer Hausarzt-Modelle der Krankenkassen-Grundversicherung.

Hausarzt- und Standardmodell sind die meist genutzten Versicherungsmodelle in der Schweiz. Bei jungen Erwachsenen zwischen 19 und 25 Jahren ist das Hausarzt-Modell besonders beliebt.

Bezeichnend ist die Rolle des Hausarztes als so genannter «Gatekeeper», also als erster Ansprechpartner bei gesundheitlichen Problemen. Im Hausarzt-Modell haben Sie keine freie Arztwahl, sondern sind verpflichtet, sich zuerst an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zu wenden. Erst danach werden Sie gegebenenfalls an Spezialisten, Therapeuten oder Spitäler weiterverwiesen.

Wenn sie sich direkt in Behandlung eines Spezialisten begeben, kommt die Krankenkasse nicht für die Kosten auf. Es gibt einige Ausnahmen von dieser Regel. Dazu gehören neben medizinischen Notfällen je nach Kasse auch Behandlungen bei Augen-, Zahn- oder Frauenärzten.

Im Gegenzug gewähren Ihnen die Krankenkassen einen Prämienrabatt. Die Hausarztmodell-Prämie kann über 20 Prozent – im Maximum bis zu 27 Prozent – günstiger sein als die Prämie der Standardversicherung. Mit Leistungseinbussen gegenüber anderen Modellen ist nicht zu rechnen, denn die gesetzlich verankerten Grundleistungen sind bei allen Modellen gleich.

Hausarzt-Modell als beliebtestes Sparmodell

Mit Ausnahme von zehn Versicherern bieten alle Krankenkassen das Hausarzt-Modell an, das heisst 47 der insgesamt 57 Schweizer Krankenversicherer. Zum Vergleich: Das Telmed-Modell wird von 32 und das HMO-Modell gar nur von 22 Versicherern angeboten. Allerdings bieten die 47 Krankenkassen das Hausarzt-Modell nicht in allen Kantonen an.

Es gibt kleinere Regionalversicherer wie beispielsweise die Krankenkasse Turbenthal mit rund 400 Versicherten, die das Hausarzt-Modell nicht im Angebot haben. Auch überregional tätige Versicherer bieten das Hausarzt-Modell nicht immer an. So können die rund 16'500 Versicherten der KLuG Krankenversicherung kein Hausarzt-Modell wählen.

Apotheken-Modell als Spezialfall

Einige Versicherer bieten mehrere Hausarzt-Versicherungen an. So können Sie bei Assura neben dem «normalen» Hausarzt-Modell auch das Assura PharMed-Modell auswählen. Mit diesem verpflichten Sie sich jedoch, Ihre Medikamente nur bei Sun Store, einer Schweizer Apotheken-Kette, zu kaufen. Im Gegenzug profitieren Sie von einer günstigeren Prämie. Noch einen Schritt weiter geht das Modell Medpharm von Swica, bei dem die Apotheke auch den Hausarzt ablöst und für eine Erstkonsultation zur Verfügung steht.

Kombination von Hausarzt- und Telmed-Modell

Wenn Sie bei der Groupe Mutuel versichert sind, können Sie aus zwei verwandten Modellen auswählen: PrimaCare und PrimaTel. Bei PrimaTel, einer Kombination aus Hausarzt- und Telmed-Modell, müssen Sie sich vor jeder Konsultation an das telemedizinische Zentrum Medi24 wenden und sich an dessen Anweisungen halten. Wenn eine medizinische Behandlung nötig ist, überweist Sie Medi24 an Ihren Hausarzt. PrimaCare-Versicherte können direkt ohne telefonische Beratung zum Hausarzt gehen, zahlen dafür aber eine höhere Prämie.

Wenn eine Krankenkasse mehrere Varianten des Hausarzt-Modells anbietet, sollten Sie sich immer genau über die Bedingungen informieren. Allgemein gilt: Je günstiger die Prämie ist, desto mehr Einschränkungen müssen Sie in Kauf nehmen.

Wechsel zum Hausarzt-Modell: was muss ich wissen?

  • Ihre Krankenkasse muss nicht zwingend mit allen Hausärzten in Ihrer Umgebung zusammenarbeiten. Fragen Sie deshalb nach, welche Hausarztpraxen zugelassen sind. Viele Kassen führen eine Ärzteliste, die Sie vorab einsehen sollten.
     
  • Wählen Sie Ihren Hausarzt mit Bedacht. Im Krankheitsfall sind Sie verpflichtet, immer den gleichen Arzt zu konsultieren.

Hausarzt-Modell: Vorteile

  • Sie profitieren je nach Krankenkasse und Variante von deutlichen Prämien-Rabatten. Durchschnittlich sind die Prämien um 13 Prozent günstiger als die Standardprämien (Stand 2016).
     
  • Die Verpflichtung, im Bedarfsfall immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen, kann auch Vorteile für Sie haben: Ihr Hausarzt kennt Ihre Gesundheitsgeschichte und Bedürfnisse oft besser als ein Spezialist. Das kann sich im Endeffekt positiv auswirken.
     
  • Im Gegensatz zum HMO-Modell ist das Hausarzt-Modell auch in den ländlichen Regionen stark verbreitet. Die Chancen, eine Hausarztpraxis in Ihrer näheren Umgebung zu finden, sind gut.

Hausarzt-Modell: Nachteile

  • Die freie Arztwahl ist eingeschränkt: Auch wenn Sie überzeugt sind, dass Sie die ärztliche Behandlung eines Spezialisten benötigen, dürfen Sie diesen im Normalfall nicht direkt aufsuchen. Zuerst müssen Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt vereinbaren, der Sie dann möglicherweise weiterleitet.
     
  • Obwohl das Hausarzt-Modell sehr verbreitet ist kann es vorkommen, dass Ihre Krankenkasse kein Hausarzt-Modell im Angebot hat. In diesem Fall ist ein Wechsel des Modells nur möglich, wenn Sie auch Ihre Krankenkasse wechseln. Auch ist es möglich, dass Ihr bestehender Hausarzt nicht auf der Ärzteliste der gewünschten Krankenkasse steht.
     
  • Für Ihre gesundheitlichen Probleme ist grundsätzlich Ihr Hausarzt zuständig. Zweitmeinungen von anderen Ärzten werden in der Regel nicht von der Krankenkasse bezahlt.

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