Hypothek: Versicherung oder Bank?

Neben Schweizer Banken bieten auch Versicherungen Hypotheken an. Sollte sich der Hypothekarnehmer eher für eine Bank oder Versicherung entscheiden? Die Moneyland-Redaktion zeigt die Unterschiede auf.

Wer in der Schweiz eine Hypothek aufnimmt, entscheidet sich meist für eine Fest-Hypothek oder Libor-Hypothek. Selten wird auch eine variable Finanzierungsform in Betracht gezogen. Bei der Entscheidungsfindung für die richtige Hypothek spielt aber nicht nur das Modell, sondern auch die Wahl des Anbieters eine wesentliche Rolle. Denn der Preis und die Art der Beratung variieren von Anbieter zu Anbieter.

Waren Hypotheken ursprünglich eine reine Domäne der Banken im Rahmen des Zinsdifferenzgeschäfts, drängen seit einigen Jahren wieder vermehrt Versicherungen in den lukrativen Hypothekenmarkt. Versicherungen können so die Prämien der Kunden langfristig und gewinnbringend investieren, in dem sie diese in Form von Hypokrediten an Hypothekarkunden weitergeben. Das bringt eine konstante und gut berechenbare Rendite.

Im derzeitigen Zinsumfeld ist das für viele Versicherungen attraktiver, als auf tiefe Anleihen-Zinsen oder unsichere Aktien-Renditen zu setzen. Zudem bieten Hypotheken für Versicherungsfirmen nicht nur eine Anlagemöglichkeit, sondern auch neue potenzielle Kunden für verschiedene Versicherungsbereiche.

Aus in diesem Grund haben in der Schweiz unter anderem Allianz Suisse, Axa Winterthur, Generali, Helvetia, Swiss Life und Zürich Versicherungen Hypotheken im Angebot. Darüber hinaus ist die Baloise Bank SoBa zu erwähnen, die zum Baloise-Versicherungskonzern gehört. Bei Versicherungsinstituten sind vor allem Lebensversicherungsinstitute im Hypothekengeschäft tätig. Institute mit Spezialgebiet Schadensversicherungen sind anfälliger auf plötzliche finanzielle Grossereignisse und deshalb seltener im Hypothekenbereich aktiv.

Die Bank ist zwar für viele Schweizerinnen und Schweizer immer noch der erste Ansprechpartner für die Finanzierung im Privatkundengeschäft. Die Versicherungen sind aber nicht mehr vernachlässigbar. Ein Blick auf die Verteilung der Hypothekarvolumen in der Schweiz zeigt das: Von insgesamt rund 920 Milliarden Franken im Jahr 2014 haben die Banken geschätzte 870 Milliarden Franken vergeben, die Versicherungen rund 32 Milliarden und Pensionskassen 15 Milliarden Franken. Axa Winterthur hat unter den Versicherern das grösste Hypothekarvolumen, gefolgt von Swiss Life und Baloise.

Für den Hypothekarnehmer stellt sich die Frage, ob für den Hypothekarkredit eine Bank oder eine Versicherung die bessere Wahl ist. Die Unterschiede zwischen Banken und Versicherungen zeigen sich in den folgenden Punkten:

  • Während Schweizer Banken unter anderem mit Online-Hypotheken für kürzere Laufzeiten bis 10 Jahre häufig die günstigeren Angebote offerieren, stechen Versicherungen wie die Swiss Life die meisten Banken bei den langfristigen Laufzeiten aus. Für Laufzeiten von mehr als 10 Jahren sind meistens Hypotheken von Versicherungen günstiger. Ein unabhängiger Hypothekenvergleich lohnt sich in jedem Fall.
     
  • Online-Hypotheken: mit Ausnahme des Angebots von Swiss Life werden alle Internet-Hypotheken von Banken angeboten. Online-Hypotheken bieten nur ein Minimum an Beratung, sind aber häufig von allen Angeboten am günstigsten, wie der unabhängige Hypothekarzinsvergleich von moneyland.ch zeigt. Allerdings sind Online-Hypotheken gewöhnlich auf Laufzeiten bis maximal 10 Jahre beschränkt.
     
  • Bei Terminhypotheken (Forward-Hypotheken) bieten manche Versicherungsanbieter im Gegensatz zu Banken sogar Zinssätze ohne Aufschlag an.
     
  • Versicherungen sind bei der Hypotheken-Vergabe etwas konservativer als Banken. Das zeigt sich unter anderem bei den angebotenen Hypothekarmodellen, der Bewertung, der Tragbarkeit und der Belehnung.
     
  • Auswertungen haben ergeben, dass Versicherungsgesellschaften eine Liegenschaft generell konservativer bewerten als Banken.
     
  • Das Angebot der Versicherungsgesellschaften ist meistens auf Festhypotheken und variable Hypotheken beschränkt. Die Libor-Hypothek wird von Versicherungen aufgrund ihres kurzfristigen Charakters in der Regel nicht angeboten.
     
  • Tragbarkeit: Hier sind Versicherungen in der Regel etwas strenger als Banken, bei denen Sie oft auch mit nicht-optimaler Bonität noch Hypotheken erhalten können. Die jährlich fälligen Hypothekarzinsen dürfen bei Versicherungsinstituten im Allgemeinen nicht höher sein als 33 Prozent des Haushaltseinkommens.
  • Die Belehnungsgrenze beträgt bei Versicherungen zwischen 65 und maximal 80 Prozent.
     
  • Die Bestätigungsantwort nach dem Einreichen eines vollständigen Hypothekargesuchs erfolgt bei Banken im Allgemeinen innerhalb von 24 Stunden. Bei Versicherungen kann es unter Umständen etwas länger dauern.
     
  • Bei manchen Banken sind für Hypothekarnehmer weitere Bankdienstleistungen Pflicht («Hauptbank-Beziehung»). Bei Versicherungsfirmen sind Hypothekarverträge ohne den Abschluss weiterer Versicherungsprodukte möglich. Oft werden allerdings Produkte wie Lebensversicherungen vergünstigt angeboten.

Ihre Moneyland-Redaktion

Weiterführende Informationen:
Hypotheken: grosser Zinsvergleich
Online-Hypotheken in der Schweiz
Hypothek: was kostet ein vorzeitiger Ausstieg?
Lebensversicherungen: Vergleich

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