Zuschläge für Kreditkarten-Zahlungen im Vergleich

Grössere Händler verlangen weiterhin happige Zuschläge für Kreditkarten-Zahlungen, wie eine Umfrage von moneyland.ch zeigt.

Saftige Aufschläge in Geschäften, Online-Shops sowie bei Fluggesellschaften und Reiseanbietern für Zahlungen mit der Kreditkarte sind für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten seit vielen Jahren ein Ärgernis.

Mit dem Entscheid der Wettbewerbskommission WEKO, die so genannten Interchange Fees per 1. August 2015 auf 0.7% und per 1. August 2017 schliesslich auf 0.44% zu senken, hat sich der Bund bessere Konditionen für Konsumenten erhofft. Mit der Senkung der Interchange Fees sollten die Händler und schlussendlich auch die Konsumenten entlastet werden. Die Idee dahinter: Die Händler sollten auf Aufpreise für Kreditkarten-Zahlungen verzichten und allfällige Einsparungen über vergünstigte Produkte an die Konsumenten weitergeben.

Diese Rechnung ist allerdings bis heute nicht aufgegangen. Dafür gibt es drei Gründe.

Erstens gibt es eine Reihe von grösseren Händlern, die weiterhin einen Zuschlag für Kreditkarten-Zahlungen verlangen.

Das Problem: Die Zahlungsabwickler wie SIX oder Aduno, also die so genannten Acquirer, die zwischen den Händlern und den Kreditkarten-Herausgebern (Issuern) stehen, sind zwar auch für ein Verbot der Zuschläge. Sie kontrollieren die Händler aber kaum. Schliesslich sind die Händler auch gleichzeitig die zahlenden Kunden der Acquirer.

Zweitens ist es unwahrscheinlich, dass Händler, die bereits vor der Senkung der Interchange Fees keinen Aufpreis für Kreditkarten-Zahlungen verlangt haben, die neuen Gebührenersparnisse plötzlich über Produktvergünstigungen weitergeben.

Und drittens erhöhen Schweizer Kreditkarten-Herausgeber laufend die Gebühren für Kunden, wie Erhebungen von moneyland.ch zeigen. Dies nicht zuletzt auch wegen den Senkung der Interchange Fees. Indirekt trifft es also wieder die Konsumentinnen und Konsumenten.

Bekämpft werden die Zuschläge für Kreditkarten-Zahlungen auch von den grossen Lizenzgebern wie Visa und MasterCard. Aber natürlich nicht aus uneigennützigen Motiven. Schliesslich verdienen Visa und MasterCard dann am meisten, wenn möglichst viele Zahlungen mit Kreditkarten abgewickelt werden.

Happige Aufpreise für Kreditkartenzahlungen

Eine Umfrage von moneyland.ch zeigt, dass mehrere grössere Online-Shops, Reiseveranstalter und Airlines auch 2016 noch happige Aufpreise für Kreditkartenzahlungen verlangen:

Brack: Kein Zuschlag
Digitec: 2% (Visa, MasterCard) – 3% (Diners)
Easyjet: 2%
Ebookers: 8 bis 15 Franken (ausser Visa)
Ex Libris: Kein Zuschlag
Galaxus: 2% (Visa, MasterCard) – 3% (Diners)
Hotelplan: 20 Franken
LeShop: Kein Zuschlag
Media Markt (Online): 2%
Melectronics: Kein Zuschlag
Microspot: 2%
Nettoshop: 1.6%
Ricardo: Kein Zuschlag
Siroop: Kein Zuschlag
SWISS: je nach Flug 6 bis 22 Franken bis 31.5.2016. Ab Juni 2016: 1.65%, maximal 30 Franken
TUI: 1.5% (Hotels, Badeferien) / 25 Franken (Ferienwohnungen); keine Gebühren für Viseca-Karten

Die Begründung der Händler ist häufig ähnlich: Kreditkarten-Zahlungen würden weiterhin höhere Kosten als andere Zahlungsarten verursachen, deshalb möchten sie diese auch verursachergerecht abrechnen. Ohne Aufpreis von Kreditkarten-Rechnungen müssten andere Kunden über höhere Preise die Kunden mit Kreditkarten «quersubventionieren».

Kleinere Händler zahlen am meisten

Tatsächlich haben Acquirer wie SIX und Aduno die Gebühren für Händler zwar gesenkt. Diese sind aber für Kreditkarten immer noch erstaunlich hoch und können gerade bei kleineren Händlern durchaus 2% des Umsatzes ausmachen. Dazu kommen bei Händlern mit einem Geschäft zusätzliche Kosten für die Zahlterminals. Insgesamt liegt die Gebühr der Acquirer oft weit über der Interchange Fee, die sie den Kreditkarten-Herausgebern abgeben müssen.

Grössere Unternehmen haben gegenüber kleineren Händlern den Vorteil, dass sie aufgrund von grösseren Umsätzen deutlich weniger als 2% für Kreditkarten-Zahlungen abgeben müssen. Aufpreise in der Höhe von 2% für Kreditkartenzahlungen sind also im Fall von grösseren Händlern kaum zu rechtfertigen. 

Kleinere Händler leiden aber besonders unter den weiterhin hohen Gebühren der Acquirer. Trotzdem verlangen gerade kleinere Online-Shops meistens keine Aufpreise für Kreditkarten-Zahlungen, weil sie damit Kunden abschrecken würden, auf die sie nicht verzichten können.

Tipp für kleine Händler: Die Gebühren der Acquirer sind verhandelbar. In der Regel gilt: Je grösser der Umsatz, desto tiefer ist die prozentuale Gebühr. Sobald sich der Umsatz erhöht, lohnt es sich, die Gebühren neu zu verhandeln. Ausserdem empfiehlt es sich, mehrere Offerten von verschiedenen Anbietern wie SIX, Aduno, ConCardis und B+S Card Service einzuholen. Die kleineren Acquirer offerieren häufig die günstigeren Konditionen.

Tipp für Konsumenten: Bezahlen Sie beim Händler mit einem Zahlungsmittel ohne Aufpreis, zum Beispiel per Banküberweisung. Auch Zahlungen mit Debitkarten – etwa von Maestro – können günstiger sein. Wählen Sie ausserdem für Ihre anderen Käufe eine möglichst günstige Kreditkarte.

Weitere Informationen:
Kreditkartenvergleich
Senkung der Interchange-Fee
Was ist eine Interchange Fee?

Über das Moneyland-Magazin

Das Moneyland-Magazin informiert Sie kompetent über eine Vielzahl von Finanzthemen. Neben Hintergrundartikeln und Interviews mit Experten finden Sie diverse praktische Hilfestellungen, um sich im täglichen Finanzdschungel zurecht zu finden.

  • Radio 24
  • Radio 1
  • Tages-Anzeiger
  • Cash
  • SRF
  • NZZ
  • Handelszeitung
  • 20 Minuten
  • Bilanz
  • Finews