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Do-it-yourself-Investieren: «Selbst ist der Anleger»

Antonio Zinnà ist Gründer und Geschäftsführer von DOITInvesting. Das Schweizer Finanz-Startup lanciert ein Musterportfolio sowie abonnierbare Trendsignale.

Weshalb haben Sie DOITInvesting gegründet?

Antonio Zinnà: Die klassische Vermögensberatung und Vermögensverwaltung erfüllt nicht mehr alle Ansprüche der Anleger. Der Trend geht Richtung Do-it-yourself-Anlegen: Ich habe festgestellt, dass Privatinvestoren beim Investieren das Ruder vermehrt selbst in die Hand nehmen wollen. DOITInvesting unterstützt Privatinvestoren, die selbstständig in Schweizer Aktien investieren wollen.

DOITInvesting bietet automatische Trendsignale für Anleger im Rahmen eines Abo-Modells an. Im Unterschied zu einer Vermögensverwaltung muss der Anleger allerdings die vorgeschlagene Anlagestrategie selbst umsetzen. Sind die Anleger bereit, diesen Aufwand auf sich zu nehmen?

Nehmen Sie das Beispiel Tourismusbranche. Noch vor zehn Jahren war es nicht vorstellbar, dass eines Tages eine breite Bevölkerungsschicht Ferienreisen über das Internet buchen würde. Heute ist dies eine Selbstverständlichkeit. Wer verreisen will, nimmt den zeitlichen Aufwand gerne auf sich, zumal das massgeschneiderte Ferienerlebnis einfach und selbstständig gebucht werden kann.

Im Finanzbereich wird es ähnlich sein: Do-it-yourself-Anlegen ist im Trend. DOITInvesting schlägt für interessierte Privatinvestoren eine Brücke zwischen Informationsbeschaffung und Anlegen. Unsere Strategien sind mit einem geringen zeitlichen Aufwand über eine Depotbank umsetzbar.

Wo sehen Sie die Unterschiede zur klassischen Vermögensverwaltung?

Wir verfolgen eine so genannte Value- und Timing-Strategie. Unser Dienstleistungsangebot umfasst dabei unser «TOP Suisse Musterportfolio» sowie ein Trendsignal via SMS. Für Kleinanleger empfehlen wir eine ETF-Strategie mit Trendsignal. Im Unterschied zur klassischen Vermögensverwaltung gibt es nur geringe Gesamtkosten, da weder Management- noch Performancegebühren anfallen. Auch ist unsere Beratung mit unserem Abonnement-Geschäftsmodell unabhängig. Zu guter Letzt legen wir den Fokus auf reine Kapitalerhaltung respektive Minimierung von Verlusten, was die Bereitschaft nötig macht, längere Zeit nicht in Aktien investiert zu sein.

Bei einer häufigen Umschichtung fallen entsprechende Transaktionsgebühren an, die sich auf die Performance negativ auswirken – sind diese in Ihrem Modell berücksichtigt?

Bei der Performanceberechnung berücksichtigen wir weder Dividendenzahlungen noch Transaktionskosten. Letztere fallen aber kaum ins Gewicht. Hätte man unsere Strategie von 2003 bis 2011 umgesetzt, wäre das «TOP Suisse Musterportfolio» fünf Mal gekauft und fünf Mal verkauft worden. Die durchschnittliche Haltefrist hätte 349 Kalendertage betragen. Wenn die Transaktionen über eine Online-Bank umgesetzt werden, sind die Transaktionsgebühren tief. Entscheidend ist jedoch, dass unsere Value- und Timing-Strategie in unsicheren Börsenzeiten wie beispielsweise während der Finanzkrise empfohlen hätte, «Kasse zu halten» und somit grosse Börsenverluste vermieden hätte.

Für Anleger mit einem Anlagebetrag von mindesten 100'000 Franken empfehlen Sie als Value-Investor eine aktive Anlagestrategie. Diverse wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass passives Investieren aktiven Anlagestrategien längerfristig überlegen ist. Was antworten Sie den Kritikern?

Die Vorteile des passiven Anlegens beispielsweise via ETF liegen in der einfachen Handelbarkeit der Produkte sowie der Sicherheit, immer zu 100 Prozent investiert zu sein. Passiv investieren bedeutet, dass man einen Index genau repliziert und somit mit der Indexperformance rechnen kann. Genau hier liegen jedoch die Nachteile der passiven Anlage. Die Gewichtung der einzelnen Aktien, die im Index enthalten sind, basiert auf der Marktkapitalisierung der entsprechenden Unternehmen. Dies bedeutet, dass steigende Aktien immer höher, und fallende Aktien immer tiefer gewichtet werden. Passiv investieren impliziert somit bei steigenden Kursen, Wertpapiere zu kaufen und bei fallenden Kursen zu verkaufen. Unsere Value-Strategie verfolgt genau das umgekehrte Ziel, nämlich günstige Aktien zu kaufen und diese solange zu halten, bis unsere Trendanalyse ein Verkaufssignal errechnet hat.

Für Kleinanleger mit einem Anlagebetrag unter 100'000 Franken empfehlen Sie eine passive ETF-Strategie mit Trendsignalen zum Kaufen oder Verkaufen der ETF-Produkte. Gehört es nicht zum Prinzip von passiven Produkten, dass diese über eine lange Zeit im Portfolio gehalten werden müssen?

Die Erfahrung der letzten 10 Jahre hat gezeigt, dass die Buy-and-Hold-Strategie nicht erfolgreich war. Der SMI-Index befindet sich heute fast unverändert auf dem Niveau von 2002. Zwischenzeitlich hatten wir in 2007 jedoch das Allzeithoch von über 9500 Indexpunkten erreicht, um bereits im Jahr 2009 bis auf 4250 Indexpunkte zu fallen. Der Einsatz von Trendsignalen ermöglicht uns eine Vogelperspektive, um solche bedeutende Indexschwankungen zu Gunsten unserer Abonnenten zu nutzen.

Sie sind mit Ihren Trendsignalen auf den Schweizer Anlagemarkt konzentriert – sind Ausbauschritte in weitere Märkte geplant?

Der Fokus liegt heute klar auf dem Schweizer Aktienmarkt. Zu einem späteren Zeitpunkt sind Ausbauschritte mit weiteren Dienstleistungen im Rahmen des Do-it-yourself-Anlegens durchaus denkbar.

29. Oktober 2012

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