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30 Jahre KVG: Was hat sich verändert?

Seit der Einführung der obligatorischen Grundversicherung in der Schweiz im Jahr 1996 ist viel passiert. Kurz vor der Bekanntgabe der neuen Krankenkassenprämien hat moneyland.ch analysiert, was sich in den ersten 30 Jahren der Krankenversicherungspflicht verändert hat.

Es ist nun 30 Jahre her, dass in der Schweiz das KVG eingeführt wurde. Das Gesetz führte zu zahlreichen Neuerungen: Jede Bewohnerin oder Bewohner muss eine Grundversicherung haben. Die Krankenkassen sind verpflichtet, in der Grundversicherung alle Menschen unabhängig von Alter und Gesundheitszustand zu versichern. Zudem haben die Kundinnen und Kunden das Recht, die Krankenkasse zu wechseln.

moneyland.ch hat analysiert, was sich in dieser Zeit verändert hat.

Massive Prämienerhöhungen in einigen Städten

Laut Statistiken des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) betrug die durchschnittliche Krankenkassenprämie für die Grundversicherung im Jahr 1996 128 Franken und im Jahr 2026 393 Franken. Das entspricht einem Anstieg von etwas mehr als 207 Prozent. Bemerkenswert ist, dass der Verbraucherpreisindex zwischen 1996 und 2026 nur um knapp 20 Prozent gestiegen ist. Dies bedeutet, dass die Inflation bei der Krankenversicherung mehr als zehnmal so hoch war wie bei den Verbraucherpreisen insgesamt.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass in die vom BAG angegebene Durchschnittsprämie sämtliche Versicherungsmodelle, Altersgruppen und Regionen einfliessen. Um ein anschaulicheres Bild davon zu vermitteln, wie die Kosten seit 1996 gestiegen sind, hat moneyland.ch die Prämien der grössten Krankenkassen für Erwachsene in zehn Schweizer Städten zusammengestellt. Die Prämien beziehen sich auf das Standardmodell mit der niedrigsten Franchise, einschliesslich Unfalldeckung.

Wie die obige Grafik zeigt, sind die Kosten für das Standardmodell mit der niedrigsten Franchise weitaus stärker gestiegen als die Prämien insgesamt. Von den zehn analysierten Städten verzeichnete Aarau die grössten Prämiensteigerungen: Die durchschnittliche Prämie kletterte dort von durchschnittlich 134 Franken 1996 auf 576 Franken im Jahr 2026 - eine Erhöhung von um knapp 329 Prozent. Auch die Einwohnerinnen und Einwohner von St. Gallen müssen mittlerweile deutlich mehr bezahlen – die Prämien sind dort von durchschnittlich 134 Franken 1996 auf 572 Franken im Jahr 2026. Das ist eine Erhöhung von knapp 326 Prozent. Der durchschnittliche Anstieg aller in die Auswertung einbezogener Angebote beträgt 238 Prozent.

«Die Auswertung zeigt, dass für die Einwohner einiger Städte die realen Kosten für die Grundversicherung mit der niedrigsten Franchise weitaus stärker gestiegen sind, als es der durchschnittliche Prämienanstieg vermuten lässt», bemerkt Daniel Dreier, Redaktor bei moneyland.ch.

Weniger Krankenkassen

Im Jahr 1996 waren in der Grundversicherung 145 Krankenkassen auf dem Markt. Seitdem ist diese Zahl drastisch zurückgegangen. Im Jahr 2026 gibt es nur noch 34 Anbieter der Grundversicherung. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 76 Prozent.

«Neben der Marktkonsolidierung durch Fusionen und Übernahmen haben auch Gesetzesänderungen zu diesem Rückgang beigetragen», kommentiert Daniel Dreier. «Die Zahl der Schweizer Krankenversicherer war allerdings bereits vor der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung rückläufig, nachdem sie in den 1950er-Jahren mit über 1000 verschiedenen Anbietern ihren Höchststand erreicht hatte.»

Kostenbewusste Einwohner wählen immer häufiger die höchste statt einer der mittleren Franchisen

Eine der wichtigsten Neuerungen des KVG war die Vereinheitlichung der Franchisen.

Im Jahr 1996 wählten fast 66 Prozent der Einwohner die niedrigstmögliche Franchise. Bis 1999 nutzten etwas mehr als 55 Prozent der Einwohner die niedrigste Franchise. Seitdem ist dieser Anteil relativ stabil geblieben. Im Jahr 2024, dem letzten Jahr, für das Statistiken vorliegen, entschieden sich insgesamt 54.4 Prozent der Bevölkerung für die niedrigste Franchise.

Mittlere Franchisen werden hingegen zunehmend unbeliebter.

Zwischen 2013 und 2024 ging der Anteil der Versicherten mit einer mittleren Franchise von 32.9 Prozent der Einwohner auf nur noch 14.1 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil der maximalen Franchise von 14.4 Prozent im Jahr 2013 auf 31.5 Prozent im Jahr 2024.

«Die Statistiken zeigen, dass die Verlagerung hin zur höchsten Franchise vor allem bei den Menschen stattfindet, die bereits zuvor bereit waren, mehr aus eigener Tasche zu bezahlen», merkt Daniel Dreier an. «Der Anteil der Einwohner mit der niedrigsten Franchise ist relativ stabil geblieben.»

Alternative Versicherungsmodelle sind zur neuen Norm geworden

Ebenfalls auffällig ist der Trend weg vom Standardmodell ohne Einschränkungen, hin zu eingeschränkten alternativen Versicherungsmodellen (Managed-Care-Modelle).

Statistiken zeigen, dass 1996 mehr als 98 Prozent der Bevölkerung das Standardmodell wählten. Dabei ist es möglich, Termine bei allen Hausärzten und Spezialisten zu vereinbaren, ohne zuvor eine vertraglich definierte Erstanlaufstelle aufsuchen zu müssen.

Nach den neuesten Statistiken nutzen heute rund 20 Prozent der Einwohner das Standardmodell. Rund 80 Prozent nutzen ein Managed-Care-Modell, das den direkten Zugang zu Ärzten und Fachärzten einschränkt.

«Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Einwohner zunehmend bereit sind, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, um die Versicherungskosten bezahlbar zu halten», sagt Daniel Dreier, Redaktor bei moneyland.ch.

Der Anteil der Empfänger von Prämienverbilligungen ist stabil geblieben

Etwas mehr als 1.65 Millionen Einwohner erhielten 1996 eine Prämienverbilligung. Das entspricht 23 Prozent der damaligen Bevölkerung der Schweiz. Diese Zahl stieg bis 2023 – dem letzten Jahr, für das Statistiken vorliegen – auf etwas mehr als 2.45 Millionen. Doch während die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger deutlich gestiegen ist, liegt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung mit 27.5 Prozent nur moderat höher.

Der durchschnittliche Anteil über alle Jahre, für die Statistiken vorliegen, liegt bei etwas mehr als rund 29 Prozent.

«Die Bevölkerung der Schweiz ist seit 1996 erheblich gewachsen. Der Anteil der Begünstigten von Prämienverbilligungen ist trotz der steigenden Prämien relativ stabil geblieben», stellt Daniel Dreier von moneyland.ch fest.

Redaktor Daniel Dreier
Daniel Dreier ist Redaktor und Experte für Geldthemen bei moneyland.ch.