manuel heyden

ayondo: «Traden ist ein Knochenjob»

Wir befragten Manuel Heyden, CEO und – zusammen mit Julian Handte – Gründer des Finanz-Startups ayondo.

ayondo ist eine Online-Trading-Plattform, auf der Anleger zertifizierten Tradern folgen und damit deren Handelsaktivitäten automatisch mittels so genannten Differenzkontrakten (CFDs) nachbilden können. ayondo selbst ist kein Broker – die von den zertifizierten Tradern ausgehenden Handelssignale werden von Partner-Brokern ausgeführt.

Welches ist die Grundidee von ayondo?

Manuel Heyden: ayondo wurde für den aktiven Anleger entwickelt. Die Grundidee besteht darin, einem Portfolio von bis zu fünf zertifizierten Tradern zu folgen und so das Risiko zu diversifizieren. Bei ayondo agiert der Nutzer ähnlich wie ein Fussballtrainer, der am Spielfeldrand steht und die aktuell besten Trader ein- und auswechselt. Wenn einer der Trader in einer schlechten Phase steckt, wird er meist schnell ersetzt, so dass am Ende eine durch den Nutzer selbst gemanagte, aggregierte Portfolio-Kapitalkurve resultiert, die im Optimalfall geglättet ist. Das heisst: Gewinne summieren sich oder Gewinne und Verluste gleichen sich aus.

Daytrading ist grundsätzlich mit einem hohen Risiko verbunden. Eignet sich ayondo also vor allem für Spielernaturen?

Von ayondo-Fans habe ich die treffende Beschreibung gehört, dass sie «die Trader traden». Es handelt sich aber nicht um Spielernaturen, sondern um seriöse Trader. Beim seriösen Trading geht es darum, eine Marktüberrendite – ein so genanntes Alpha – zu generieren. Viele der ayondo-Trader schlagen den deutschen Aktienindex DAX deutlich – und das bei einer geringeren Volatilität. Daran arbeiten die Trader von ayondo jeden Tag. Und glauben Sie mir, das ist ein Knochenjob.

Wie viele erfolgreiche Trader gibt es? Folgt die Mehrheit der User nur einer Handvoll von «Vorzeige-Tradern»?

Auf ayondo gibt es mittlerweile knapp 180 zertifizierte Trader. Über 500 Trader befinden sich momentan im Zertifizierungsprozess. Der überwiegende Teil der Nutzer folgt allerdings rund zehn herausragenden Händlern. Einige von ihnen haben in den letzten Monaten die dreifache Performance des DAX erzielt – und das bei rund einem Fünftel der Volatilität des diesbezüglichen Benchmarks, des so genannten Volatilitätsdax (VDAX).

Die Mehrheit der aktiv und auf eigene Faust handelnden Laien-Anleger erleidet Verluste – weil Sie «irrational» handeln, wie Sie sagen. Ein weiterer Faktor ist aber die Zufälligkeit aller Börsengeschehnisse: Auch die in der Vergangenheit erfolgreichsten Trader können keine sicheren Gewinne in der Zukunft garantieren. Sonst hätten sie ja bereits ausgesorgt.

Genau so ist es. Oft hören wir diese Märchen von niemals endenden Gewinnen und raten dann dringend von solchen Angeboten ab. Früher oder später gerät jedes Finanzprodukt, jeder Trader und jeder Hedgefonds-Manager in eine Verlustphase. Die Händler mit dem besten Money- und Risk-Management kommen als Gewinner aus solchen Verlustphasen heraus. Es geht also vornehmlich darum, das Risiko in Verlustphasen herauszunehmen, um dann erneut ein höheres Risiko einzugehen, wenn die Strategie in einem sich ändernden Marktumfeld wieder funktioniert.

Wie können Trader solche Verlustphasen erkennen?

Verlustphasen zu erkennen und sich zurückzuhalten, ist eine der schwierigsten Übungen im Trading. Viele Händler scheitern daran, weil sie die Verluste rasch wieder wett machen möchten und dafür unglücklicherweise das Risiko frühzeitig erhöhen. Das führt oftmals zu einem Totalverlust. Bei ayondo handeln viele der Follower sehr klug und tauschen Trader, die in eine Verlustphase rutschen, umgehend gegen Trader aus, deren Strategie gerade sehr gut funktioniert.

Wie stark korreliert die vergangene Performance der besten Trader auf ayondo mit ihrer zukünftigen Performance?

Viele der Top-Trader schaffen es, bis zu einem Jahr auf einem aussergewöhnlichen Level zu handeln. Einige wenige sogar noch länger. Das ist bei der grossen Anzahl an Trades – teilweise über 3’000 Trades pro Jahr – und der Tatsache, dass sich Märkte und somit die Umweltvariablen heutzutage innerhalb von wenigen Tagen fundamental ändern können, ein sehr gutes Ergebnis.

Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben?

Ein Top-Trader hat von Mai 2010 bis Sommer 2011 eine fulminante Performance erzielt. Anschliessend wurde er durch die EU-Schuldenkrise und die damit einhergehenden Marktschwankungen kalt erwischt. Und obwohl er seine Strategie, die ihm zuvor ein Jahr lang tolle Ergebnisse beschert hatte, diszipliniert weiter verfolgte, generierte er fünf Verlustmonate in Folge. Viele seiner Follower sind ihm über Monate gefolgt und haben insgesamt tolle Gewinne erzielt, da sie ihn in seiner Verlustphase im Sommer 2011 entweder gegen einen anderen Händler ausgetauscht oder ihre so genannte «Loss Protection» bei steigendem Gewinn nachgezogen hatten.

Wie verdient ayondo Geld?

Damit ein Nutzer Top-Tradern folgen kann, benötigt er ein Konto bei einem unserer Partnerbroker. ayondo vermittelt – als so genannter «Introducing Broker» – den Nutzer zu einem der Partnerbroker und erhält dafür eine Kommission für jeden realisierten Trade. Diese Kommission teilt sich ayondo mit den jeweiligen Top-Tradern, die je nach Gewinn- oder Verlust-Trade unterschiedlich partizipieren.

Mit eToro ist ein weitere Online-Trading-Plattform mit Following-Funktion am Markt. Welches sind die Unterschiede zu ayondo?

Im Wesentlichen hat sich ayondo – anderes als andere Marktteilnehmer – von Beginn an auf Risikomanagement-Funktionen fokussiert. Damit meine ich nicht nur die Schutz-Funktionen für Follower, sondern auch das «Risiko-Framework», nach welchem Trader handeln und sich zertifizieren müssen.

Loyal3 soll diesen Juni mit einer kostenlosen Aktienhandels-Möglichkeit mittels Social Media starten. Was halten Sie davon?

Ich bin mir sicher, dass in Zukunft noch einige neue Unternehmen im Bereich Finance 2.0 auf den Markt kommen werden. Am Ende des Tages profitiert der Kunde davon – durch günstige, faire und transparente Produkte. Es wird Zeit, dass vertriebsorientierte Geschäftsmodelle im Banking gegen neue Lösungen, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen, ausgetauscht werden.

Sie sind jetzt seit 2009 aktiv – welches waren die bisherigen Meilensteine?

Die gesamte Entwicklung von ayondo war bislang durch die konsequente Umsetzung unserer Wachstumsstrategie gekennzeichnet. Dazu zählt neben der Akquise von weiteren Partnerbrokern wie AVAFX, ActivTrades, Alpari und Gekko Global Markets der Länder-Rollout in Italien. Noch dieses Jahr startet ayondo in vielen weiteren Sprachen und mit einer ganz neuen Version 3.0. Es bleibt also spannend.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen – wo steht ayondo in 5 Jahren?

Wir haben eine klare Vision bei ayondo: «Alpha für jedermann, zu einem erschwinglichen Preis.» Wir möchten, dass jeder Mensch, ganz gleich ob er in Indien, Australien oder Deutschland lebt, bereits ab einem Konto von 100 Euro eine Marktüberrendite bekommt, wie sie bislang nur vermögenden Personen – zum Beispiel über Hedgefonds – vorbehalten war. Diese Vision werden wir in den kommenden fünf Jahren weltweit umsetzen und ayondo zu einem globalen Unternehmen ausbauen.

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22. Mai 2012

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