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Finanzstandort Schweiz 2018

Der unabhängige Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat die aktuellen Kennzahlen für 2018 des schweizerischen Finanzstandorts unter die Lupe genommen. Im Folgenden finden Sie die 8 überraschendsten Erkenntnisse.

Das schweizerische Staatssekretariat für internationale Finanzfragen präsentiert zweimal pro Jahr Kennzahlen zum Schweizer Finanzstandort. Basis des Reports bilden unter anderem Zahlen der Schweizerischen Nationalbank SNB.

moneyland.ch hat für Sie die spannendsten Erkenntnisse aus dem Report zusammengefasst und diese mit Daten der Schweizerischen Nationalbank SNB sowie eigenen Interpretationen ergänzt.

1. Markante Abnahme der Wertschöpfung

Die Wertschöpfung der Banken und anderer Finanzdienstleister hat in den letzten Jahren markant abgenommen. Betrug sie 2007 noch 73.8 Milliarden Franken, so sind es 2017 nur noch 59.9 Milliarden Franken.

Gleichzeitig ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) von 576 Milliarden Franken im Jahr 2007 auf 668.6 Milliarden Franken im Jahr 2017 angewachsen.

Die Wertschöpfung der Schweizer Versicherungsfirmen hat im gleichen Zeitraum in absoluten Zahlen leicht zugenommen von 26.8 Milliarden Franken im Jahr 2007 auf 28.9 Milliarden Franken im Jahr 2017.

Der Rückgang zeigt sich am besten prozentual: 2007 betrug die Wertschöpfung der Banken und anderer Finanzdienstleister 8.17% des BIP, diejenige der Versicherer 4.65% des BIP. Zusammen machte der Finanzstandort im Jahr 2007 also rund 12.8% der Schweizer Gesamtwertschöpfung aus.

Im Jahr 2017 betrug die Wertschöpfung der Schweizer Banken und anderer Finanzdienstleister nur noch 4.64%, diejenige der Versicherer 4.32%. Zusammen ist der Schweizer Finanzplatz noch für 9% der Wertschöpfung verantwortlich.

Fazit: Banken werden in der Schweiz wirtschaftlich immer weniger wichtig. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und ausländischer Fintech-Konkurrenten fortsetzen.

2. Banken bauen Arbeitsplätze ab

Während 2008 bei Banken und anderen Finanzdienstleistern noch rund 123'700 Vollzeitstellen besetzt waren, sind es 2018 nur noch ungefähr 105'000 Stellen. Das entspricht einem Rückgang von rund 15% in zehn Jahren.

Bei Schweizer Banken im Inland gab es 2008 noch rund 110'100 Vollzeitstellen, 2017 waren es nur noch ungefähr 93'500 Stellen. Davon sind nur etwas mehr als ein Drittel – nämlich 35'000 Stellen – von Frauen besetzt.

Bei den Versicherungen gab es einen leichten Rückgang von rund 43'500 Vollzeitstellen (2008) auf rund 41'300 Stellen (2018). Mit Berücksichtigung von «verbundenen Tätigkeiten» ist der Schweizer Finanzstandort im Jahr 2018 noch für insgesamt 204'500 Stellen verantwortlich.

3. Anzahl der Banken ist rückläufig

Die Anzahl der Kantonalbanken blieb in den letzten Jahren mit 24 Banken konstant. Abgenommen hat die Zahl der Regionalbanken und Sparkassen von 76 im Jahr 2007 auf noch 62 im Jahr 2017. Von 14 Privatbankiers im Jahr 2007 sind nur noch 6 im Jahr 2017 übriggeblieben.

Markant ist auch die Abnahme der in der Schweiz ansässigen ausländisch beherrschten Banken von 122 Instituten im Jahr 2007 auf nur noch 76 Institute im Jahr 2017.

Fazit: Das Bankensterben betrifft bislang vor allem Auslandbanken, Privatbankiers und kleinere Regionalbanken. Auslandbanken und Privatbankiers sind vor allem aufgrund der letzten Finanzkrise und Neudefinition des Bankkundengeheimnisses verschwunden. Die Anzahl der Regionalbanken und Sparkassen ist aufgrund von Konsolidierungen gesunken.

In Zukunft dürften aufgrund von Konsolidierungen noch deutlich mehr Banken verschwinden. Grund ist unter anderem die zunehmende Digitalisierung der Finanzdienstleistungen.

4. Immer weniger Bankfilialen

Nicht nur die Anzahl der Banken nimmt ab. Auch die Zahl der Bankfilialen in der Schweiz ist seit 1988 rückläufig. Im Jahr 1988 gab es gemäss SNB noch 5555 Sitze und Bankfilialen in der Schweiz, 2008 waren es noch 3488 und 2017 nur noch 2939 Sitze und Filialen.

«Die Anzahl der Bankfilialen wird sich in Zukunft weiter verringern», so Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch. Der Grund sind Konsolidierungen aufgrund der zunehmenden Digitalisierung des Bankgeschäfts. Immer weniger Personen suchen eine Bankfiliale auf.

In Zukunft werden Kunden auch Konto-Eröffnungen, Konto-Wechsel und sogar Beratungsgespräche immer häufiger direkt vom eigenen Computer oder Smartphone aus organisieren können. Dafür werden keine physischen Filialen mehr nötig sein.

5. Aktienkurse von Banken auf tiefem Niveau

Die Aktienkurse von Schweizer Versicherern sind seit 2008 gestiegen und haben den Swiss Performance Index (SPI) sogar noch deutlich geschlagen. Seit 2008 haben sich die Aktienwerte von Schweizer Versicherungen gemäss SNB verdoppelt.

Ganz anders sieht das bei den Schweizer Banken aus. Ihre Aktienkurse sind 2008 stark gefallen und verharrten dann jahrelang auf einem ähnlich tiefen Niveau. 2018 macht der Aktienwert von kotierten Schweizer Banken nur noch rund die Hälfte von 2008 aus.

6. Weniger Lebens- und Rückversicherer

Die Anzahl der Schadenversicherer ist in den letzten Jahren gemäss FINMA-Zahlen konstant geblieben: 2007 gab es in der Schweiz 117 Schadenversicherer, 2017 waren es 118.

Bei den Rückversicherungen gab es einen starken Rückgang von 71 Instituten im Jahr 2007 auf nur noch 55 Institute im Jahr 2017. Während es 2007 noch 26 Lebensversicherer gab, waren es 2017 nur noch 19 Institute.

Interessant ist auch der starke Rückgang der Krankenkassen, die im Zusatzversicherungsgeschäft tätig sind. 2007 waren dies noch 47 Kassen, 2017 nur noch deren 12.

7. Steigende Hypothekarschulden

Das Hypothekenvolumen in der Schweiz ist gewaltig – und immer noch am Wachsen. Ende 2014 betrug das Volumen an Hypotheken von inländischen Kreditnehmern noch rund 897 Milliarden Franken. Ende Juli 2018 waren es gemäss der SNB bereits rund 992 Milliarden Franken. Das ist eine Zunahme von mehr als 10% innerhalb von nur vier Jahren.

Wenn der Trend so weiter geht, könnte die Grenze der ersten Billion Franken an inländischen Hypothekarschulden noch geknackt werden. «Die Angst vor einem Platzen der Hypothekenblase nimmt mit steigendem Volumen aber zu», so Benjamin Manz.

8. Wachsende Wertschriftenbestände

Insgesamt lagerten Ende 2017 rund 3053 Milliarden Franken an Wertschriften von inländischen Depotinhabern bei Schweizer Banken. 2013 war es noch 2350 Milliarden Franken. Zu den inländischen Depotinhabern gehören Schweizer Privatpersonen, Firmen und institutionelle Kunden.

Die Aktienbestände sind von 746 Milliarden Franken (2013) auf 971 Milliarden Franken (2017) angewachsen. Interessanterweise haben in den letzten Jahren aber auch die Obligationen-Depots von Schweizer Kunden von insgesamt 694 Milliarden Franken (2013) auf 730 Milliarden Franken (2017) zugenommen.

Am erstaunlichsten ist vielleicht die starke Zunahme der Kollektivanlagen (wie Anlagefonds) von 845 Milliarden Franken im Jahr 2013 auf hohe 1294 Milliarden Franken im Jahr 2017.

Weitere Informationen:
Schweizer Hypotheken und Kredite im Vergleich
Schweizer Versicherungen im Vergleich
Anlegen und Vorsorgen in der Schweiz

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