luzi stamm

Gold-Initiative: «Gold wird immer Gold wert sein»

Die Moneyland-Redaktion befragte Nationalrat und Initiant Luzi Stamm zur aktuellen Gold-Initiative.

Der studierte Jurist und Ökonom Luzi Stamm ist SVP-Nationalrat und betreibt seine eigene Anwaltskanzlei. Zusammen mit Lukas Reimann und Ulrich Schlüer lancierte er die Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold», die am 30. November 2014 zur Abstimmung kommt.

Die Gold-Initiative verlangt bezüglich der Goldreserven der SNB drei Verfassungsänderungen:
1) Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sollen unverkäuflich sein.
2) Die Goldreserven der SNB sind in der Schweiz zu lagern.
3) Der Goldanteil darf 20 Prozent nicht unterschreiten.

Moneyland-Redaktion: Welches sind Ihre Hauptanliegen?

Luzi Stamm: Unser Hauptanliegen ist, dass die Schweiz zur bewährten Goldpolitik zurückkehrt, die unser Land bis Ende der 90er-Jahre verfolgte.

Aus welchen Überlegungen heraus kam die Gold-Initiative zustande?

Zustande kam die Idee der Initiative, als wir feststellen mussten, dass die Nationalbank unser Gold verkauft. Leider wurde in wenigen Jahren mehr als die Hälfte verschleudert. Damit keine kopflosen Gold-Verkäufe mehr vorkommen können, braucht es ein «Ja» an der Urne.

Handelt denn die Schweizerische Nationalbank nicht bereits jetzt auch ohne detaillierte Vorschriften im Interesse aller Schweizerinnen und Schweizer? Anders gefragt: Welche Fehlanreize können denn die Handlungen der SNB beeinflussen?

Es besteht die offensichtliche Gefahr, dass die Nationalbank auf Anweisung des Auslands respektive von ausländischen Zentralbanken agiert. Ein «Ja» stärkt die Unabhängigkeit der Nationalbank vor ausländischem Druck.

Die Goldreserven dürfen gemäss Initiative nur noch in der Schweiz gelagert werden. Momentan liegen bereits jetzt 70 Prozent in der Schweiz, 20 Prozent in England und 10 Prozent in Kanada.

Ich sehe nicht den geringsten Grund, weshalb wir auch nur einen Teil unseres Goldes im Ausland lagern sollten. Wer lagert denn sein «Familiensilber» auswärts? In einer wirklichen Krise würden wir das Gold nie und nimmer in die Schweiz zurückholen können.

Gold unterliegt – wie andere Anlageklassen auch –  grossen Wertschwankungen. In den letzten zwei Jahren hat Gold beispielsweise ungefähr einen Drittel an Wert verloren. Wieso kann Gold Ihrer Meinung nach trotzdem Stabilität garantieren?

Gold mag Schwankungen unterliegen. Aber man braucht nicht Ökonom zu sein, um voraussagen zu können, dass Gold auch in 20, 50 oder 100 Jahren im wahrsten Sinne Gold wert sein wird. Was hingegen Papierwährungen wert sein werden, weiss kein Mensch. Auch die bestbezahlten Experten nicht.

Der Goldstandard ist schon seit über 40 Jahren Geschichte. Möchten Sie einen solchen wieder einführen?

Nein. Es geht bei der Initiative um eine Golddeckung, nicht um eine Goldbindung oder einen Goldstandard. Eine bestimmte Golddeckung ist notwendig und im grössten Interesse unseres Landes.

Weshalb fordern Sie einen fixen Mindestanteil von 20 Prozent?

Als wir die Initiative starteten, entsprachen 20 Prozent dem Status Quo. Nur weil die Nationalbank seit 2011 die Bilanz enorm «verlängert» (im Klartext Geld gedruckt) hat, wäre sie nun bei Annahme der Initiative gezwungen, Gold zu kaufen. Sie wäre bei heutiger Berechnungsart gezwungen, ziemlich genau diejenige Menge wieder zu kaufen, welche sie leider in den letzten Jahren verkauft hat.

Gleichzeitig verlangen Sie, dass die Goldreserven der SNB unverkäuflich sind. Das heisst dass die SNB je nach zukünftiger Bilanz- und Wertentwicklung zwischenzeitlich zwangsläufig einen viel höheren Goldanteil als 20 Prozent halten muss, auch wenn das möglicherweise unerwünscht wäre, da die SNB kein Gold mehr verkaufen dürfte. Die Handelsfähigkeit wäre eingeschränkt.

Wieso sollte die Handlungsfähigkeit eingeschränkt sein, wenn die Vorschrift bestünde, in beschränktem Umfang Gold zu kaufen? Wenn die Nationalbank zum Beispiel schon 1999 die Auflage gehabt hätte, ihre damaligen 2‘590 Tonnen zu behalten, wäre das super gewesen!

Falls die Goldinitiative angenommen würde, könnten Gold-Spekulanten weltweit davon profitieren. Es wissen ja dann alle, dass die SNB immer mindestens 20 Prozent in Gold halten muss.

Ob gewisse Spekulanten profitieren würden, ist für mich sekundär. Entscheidend ist für mich, dass unser Land profitieren würde, insbesondere die Nationalbank. Alle Nationalbanken, die noch Gold haben, würden von einem allfällig höheren Goldpreis profitieren.

Zudem könnte der Franken nicht mehr so erfolgreich wie bisher vor Währungsspekulationen geschützt werden.

Diese Behauptung stimmt in keiner Art und Weise. Weshalb sollte die Frage, wie viele Tonnen die Nationalbank im Keller liegen hat, irgendetwas mit der Möglichkeit zu tun haben, sich gegen Währungsspekulationen zu wehren? Die Nationalbank behält bei einem «Ja» alle ihre Freiheiten.

10. November 2014, Moneyland-Redaktion

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