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Negativzinsen: Verlieren Sie Ihr Geld?

Gerät Ihr Spargeld aufgrund von Negativzinsen in Gefahr? Die Moneyland-Redaktion gibt Auskunft.

Bei einer drohenden Deflation – also einem allgemeinen Preisrutsch – propagieren verschiedene Ökonomen so genannte Negativzinsen. Andere Ökonomen wie Marc Faber sprechen von einer unrechtmässigen «Enteignung» der Bevölkerung.

Banken bekommen in diesem Fall für ihre Guthaben, die sie bei den Noten- und Zentralbanken halten, nominal keinen Zins mehr. Mehr noch: sie müssen den Zentralbanken für die Deponierung ihrer Guthaben Gebühren oder eben Negativzinsen zahlen.

Dieses Szenario ist im Juni 2014 tatsächlich eingetreten: die Europäische Zentralbank EZB verlangt für EZB-Einlagen von Geschäftsbanken Strafzinsen. Der Hintergedanke: Banken sollen einen Anreiz erhalten, das Geld als Kredit an Firmen weiterzugeben, anstatt es bei der Zentralbank zu lagern.

Am 18. Dezember 2014 hat auch die SNB beschlossen, Negativzinsen ab dem 22. Januar 2015 einzuführen, um den starken Schweizer Franken zu schwächen.

Mit der Aufhebung der Euro-Untergrenze durch die SNB am 15. Januar 2015 hat die SNB die Negativzinsen für Geschäftsbanken weiter erhöht.

Negativzinsen für Sparkonto-Inhaber?

Die Banken wiederum könnten nun diese Negativzinsen auf ihre Sparkunden abwälzen. Beispiel: Bei einem negativen Zinssatz von -0.1% pro Jahr müssten Sie Ihrer Bank bei einem Sparguthaben von 50'000 Franken 50 Franken pro Jahr an Gebühren zahlen.

Dass Schweizer Kundinnen und Kunden sogar dafür zahlen müssen, dass sie der Bank Geld leihen, dürfte bei der Mehrheit der Bevölkerung auf Unverständnis stossen. Das sprichwörtliche «Geld unter dem Kopfkissen» würde wieder populärer.

Negativzinsen nicht unbestritten

Ob es zu diesem Szenario kommt, steht aber noch in den Sternen. Denn auch mit der Einführung der Negativzinsen durch die SNB ist noch nicht klar, ob diese auf die inländischen Sparkonto-Kunden abgewälzt oder anderweitig finanziert werden.

So könnten die Gebühren von Privatkonten erhöht oder Gebühren von Sparkonten eingeführt werden. Das wäre marketingtechnisch für Schweizer Banken im Retail-Segment geschickter als die Einführung von Negativzinsen.

Schweizer Privatbanken wie Lombard Odier verlangen für ihre reiche Klientel bereits Negativzinsen von -0.75 ab 100'000 Franken. Die Privatbanken möchten damit auch die Kunden dazu bewegen, möglichst kleine Cash-Bestände zu halten und das Geld im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandats anzulegen.

Inzwischen sind auch bereits Negativzinsen auf Privatkonten im Retailbanking erhoben worden, nämlich von der Alternativen Bank. Es handelt sich aber hier nicht um ein Sparkonto, sondern ein Konto für den Zahlungsverkehr.

Schweizer Banken bereits vorbereitet

Viele Schweizer Retail-Banken halten hingegen die Einführung von Negativzinsen für private Sparerinnen und Sparer immer noch für unwahrscheinlich. Trotzdem ist die Gefahr nicht nur theoretischer Natur.

So haben einzelne Banken wie die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in ihren Geschäftsbedingungen bereits seit längerer Zeit einen Passus eingeführt, dass sie bei «veränderten Marktverhältnissen» Negativzinsen für Sparerinnen und Sparer einführen dürfen.

Was, wenn Negativzinsen von Schweizer Banken zulasten ihrer Sparkonto-Kleinkunden tatsächlich eingeführt würden?

Mehrere Szenarien sind denkbar, darunter eine Flucht ins Bargeld, eine Umschichtung von Spar- auf andere Anlageformen innerhalb der jeweiligen Banken oder eine höhere Wechselquote der Bankkundschaft. Falls der Negativzins nur schwach und vor kurzer Dauer wäre, könnte auch alles beim Alten bleiben.

Flucht ins Bargeld?

Ein Abzug der Spargelder, um es als Bargeld zu horten, dürfte eine erste spontane Reaktion vieler Sparer sein. Allerdings ist auch Bargeld nicht unbedingt kostenlos. So können allfällige Kosten für die sichere Lagerung etwa in einem Tresor oder Bankschliessfach anfallen. Auch das Horten unter dem Kopfkissen ist zumindest dann nicht kostenfrei, wenn man die höhere Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls mit einrechnet.

Umschichtung auf andere Konten oder Banken?

Eine gehäufte Umschichtung der Spargelder auf andere Anlageformen wie Aktien ist eine mögliche Antwort auf Negativzinsen. Auch besteht die Option der Umschichtung des Sparkonto-Vermögens auf andere Konten wie ein gebührenpflichtiges Privatkonto für den Zahlungsverkehr (Girokonto). Wenn nicht alle Banken auf Negativzinsen umstellen, könnte eine Umverteilung der Gelder auf diejenigen Banken, die keine Negativzinsen in Rechnung stellen, die Folge sein.

Negativzinsen in anderen Ländern...

Erfahrung mit negativen Leitzinsen gab es abgesehen vom kürzlichen EZB-Entscheid bisher zum Beispiel bereits in Dänemark. Damit wollte die Notenbank verhindern, dass zu viel Kapital aus der Eurozone ins Land floss. Immerhin: Für Sparerinnen und Sparer gab es Gebührenerhöhungen, allerdings keine negativen Zinsen.

In Deutschland erheben einzelne Banken seit November 2014 sogar Strafzinsen für private Spareinlagen, das heisst besonders grosse Sparbeträge.

...und in der Schweiz

Auch in der Schweiz gab und gibt es Negativzinsen – allerdings in letzter Zeit nur für institutionelle Kunden, die grosse Geldbeträge auf Schweizer Konten transferieren. So genannte Call- und Festgeld-Konten sind bei Schweizer Kleinsparern kaum bekannt und in erster Linie bei grösseren institutionellen ausländischen Investoren gefragt, die für das kurzfristige Parkieren auf einem sicheren Schweizer Konto sogar Negativzinsen in Kauf nehmen.

Ihre Moneyland-Redaktion

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