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Niedrigzinsen: «Schweizer Anleger scheuen Risiko»

Die Moneyland-Redaktion befragte Pascal Mischler von Goldman Sachs zum Schweizer Investitionsverhalten im Niedrigzinsumfeld.

Pascal Mischler ist Head of Third Party Distribution Switzerland bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM).

Moneyland-Redaktion: Herr Mischler, Sie haben das Investitionsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer untersucht. Welches war Ihre Methodik?

Pascal Mischler: Goldman Sachs Asset Management hat das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest mit einer repräsentativen Studie beauftragt, die das Investitionsverhalten von Schweizer Anlegern im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld untersucht.

Für die Umfrage wurden in der Schweiz telefonisch 1’020 Personen über 16 Jahren befragt. Die Voraussetzung war, dass sie nach eigener Einschätzung über verschiedene Geldanlageformen gut informiert sind. Die Erhebung wurde im September 2014 durchgeführt.

Wie reagieren Schweizer Anleger auf das derzeitige Niederigzinsumfeld?

Die Mehrheit der befragten Anleger hat überhaupt nicht auf die Niedrigzinsphase reagiert. Trotz der historischen Tiefstände der Zinsen haben im Schnitt rund 60 Prozent ihr Investment in den einzelnen Anlageklassen weder erhöht noch verringert.

Dies lässt sich dadurch erklären, dass Schweizer Anleger Risiken um jeden Preis vermeiden möchten. Im momentanen Niedrigzinsumfeld kann dies allerdings eine kostspielige Entscheidung sein, da somit nicht einmal die Inflation ausgeglichen wird und langfristig die Kaufkraft geschwächt wird.

Wir denken, dass es auch unter Berücksichtigung einer geringen Risikobereitschaft die Möglichkeit attraktiver Renditen gibt. Zum Beispiel, indem private Investoren die Diversifizierung über verschiedene Assetklassen stärker berücksichtigen und professionell verwaltete Fonds in ihr Portfolio aufnehmen.

Welche Kriterien sind Schweizer Privatanlegern am wichtigsten?

Sicherheit steht für knapp drei Viertel der Befragten (73,7 Prozent) an erster Stelle der Anlagekriterien. Eine viel geringere Rolle spielen hingegen die sofortige Verfügbarkeit des angelegten Geldes (13,1 Prozent) sowie hohe Renditen (11,3 Prozent).

Dies spiegelt sich auch in der Wahl der Anlageform wider, wo eine Mehrheit der Anleger Assetklassen mit den geringsten Risiken bevorzugen, auch wenn die Erträge sehr niedrig sind.

Wo sehen Schweizerinnen und Schweizer die grössten Risiken bei der Geldanlage?

Schweizer Anleger sehen zur Zeit vor allem die wirtschaftlichen Risiken (41,4 Prozent) als grössten Risikofaktor für die eigene Geldanlage.

Politischen Risiken (17,4 Prozent) und Inflation (16 Prozent) werden demgegenüber eine geringere Bedeutung beigemessen. Staatsverschuldung und Deflation spielen für Schweizer Privatanleger eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Wie häufig investieren Schweizer Privatanleger ihr Geld in die verschiedenen Anlageklassen wie Immobilien, Bargeld oder Sparkonten, Anleihen, Aktien und Fonds?

Ein wesentliches Ergebnis der Umfrage ist der starke Fokus der Schweizer Anleger auf sichere und quasi risikolose Investitionen. Dadurch lässt sich erklären, dass Sparkonto, Tages- und Festgeldkonten mit 44 Prozent die beliebtesten Anlageformen sind.

Rund ein Drittel ist in Immobilien investiert. In Aktien hat ebenfalls jeder Dritte Geld angelegt, in Fonds sind nur ein Fünftel der befragten Schweizer Privatanleger investiert.

Was unterscheidet Schweizer Anleger von Privatinvestoren in anderen Ländern?

Wir haben in verschiedenen Ländern wie Deutschland, Italien und Grossbritannien ähnliche Ergebnisse und Trends beobachtet. Speziell für die Schweiz ist allerdings die starke Ausrichtung auf den Heimatmarkt.

Der Schweizer Franken wird im Vergleich zum Euro, britischen Pfund und US-Dollar als sicherste Währung genannt. Interessanterweise steht der Franken auch für Anleger aus Deutschland an erster Stelle der sichersten Währungen, mit einem knappen Vorsprung vor dem Euro.

Welche Ergebnisse Ihrer Umfrage haben Sie am meisten überrascht?

Die Konzentration von Privatanlegern auf Assetklassen mit geringem Risiko ist vielleicht für sich genommen nicht allzu überraschend. Überraschend in diesem Zusammenhang ist allerdings, dass eine Mehrheit von 69,8 Prozent der Anleger dennoch sehr zufrieden oder zufrieden mit dem Ertrag ihrer Geldanlage sind.

Trotz der historisch niedrigen Zinsen sind Aktien und Fonds bei der Mehrheit der Schweizer Anleger nicht sehr beliebt. Auf die Frage, wie Anleger hypothetisch 100‘000 Franken in verschiedenen Anlageklassen investieren würden, legen die Schweizer 59 Prozent in Sparkonten, Immobilien und Staatsobligationen an.

53,9 Prozent der Befragten geben an, nicht in Fonds investieren zu wollen und 31,3 Prozent würden Aktien meiden. Momentan bieten aber vor allem Fonds, Aktien und die Schwellenländer noch attraktive Renditen – davon könnten Privatanleger mit einem ausgewogenen und breiter diversifizierten Portfolio profitieren.

November 2014, Moneyland-Redaktion

Zum grossen Schweizer Sparkonto-Vergleich

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