christoph kueng

Anwaltswahl: «Es fehlt an Transparenz»

moneyland.ch sprach mit Christoph Küng, CEO von SKUANI und Co-Founder der Swiss Legaltech Association, über Fehler bei der Anwaltswahl, Rechtsschutzversicherungen und die digitale Zukunft der Anwaltswesens.

moneyland.ch: Herr Küng, was sind die häufigsten Fehler bei der Wahl des Anwalts?

Christoph Küng: Fehlende Transparenz und Vergleichbarkeit führen zu einer Fehlallokation.

Wir unterscheiden zwischen der Mandatierung durch einen Sachverständigen (etwa einen General Counsel) und einem Laien. Der General Counsel weiss genau, worauf er schauen muss, weshalb es kaum zu Fehlallokationen kommt.

Anders sieht es beim Laien aus. Er verlässt sich oft auf Empfehlungen von Kollegen. Diese Empfehlungen sind freilich sehr subjektiv und basieren auf den Erfahrungen des Rechtsfalls dieser Kollegen mit einem Anwalt. Hier erfolgt tendenziell eine Fehlallokation. Wir glauben, dass es bei ungefähr der Hälfte der Mandatierungen durch Laien zu einer falschen Anwaltswahl kommt.

Was muss man bei der Wahl des richtigen Anwalts beachten?

Es gibt Primär- und Sekundärkriterien für die Auswahl des passenden Anwalts.

Zu den Primärkriterien gehören Expertise des Anwalts, Branchenkenntnisse und Segmentierung. Die Segmentierung des Anwalts definiert seine Beratungsausrichtung.

Die Sekundärkriterien sind Sympathie, Region und Sprache.

Falls die Primär- und Sekundärkriterien bei der Wahl des Anwalts oder Beratungsexperten nicht berücksichtigt werden, besteht ein erhöhtes Risiko einer Fehlallokation.

Dies hat zur Folge, dass die Leistung des Anwalts für den Beratungssuchenden zu teuer ist, der Beratungssuchende sich nicht gut beraten fühlt oder der Anwalt den Ansprüchen des Auftraggebers nicht genügt. Daraus resultieren unzufriedene Klienten.

Wie erkennt man denn schlechte Anwälte?

Indem man Anwaltsleistungen vergleichbar macht. In naher Zukunft wird man auch sehen, welche Anwälte unternehmerisch denken und ein tiefes Kundenverständnis entwickeln. Rechtsberatungssuchende werden diese Anwälte favorisieren.

Mit welchen Anwaltskosten muss ich in der Schweiz rechnen?

Die Spannbreite ist sehr gross und reicht von 100 Franken bis über 1000 Franken pro Stunde. In den Ballungszentren wie Zürich oder Genf sind die Kosten tendenziell höher, in ländlichen Gebieten tendenziell tiefer. Spezialisierte Anwälte verlangen mehr, Allgemeinpraktiker eher weniger.

Wie hoch ist das Sparpotenzial?

Durch die Wahl des passenden Anwalts lassen sich nicht immer Kosten reduzieren. Mit dem passenden Anwalt wird aber die Zusammenarbeit angenehm und effizient, der Klient fühlt sich aufgehoben und verstanden. Und vor allem: Das Beratungsergebnis entspricht den Erwartungen des Klienten.

Gibt es eine Versicherung, die meine Anwaltskosten deckt?

Mit einer Rechtsschutzversicherung werden je nach Ausprägung juristische Beratung, Anwalts-, Gerichts- und Verfahrenskosten sowie Prozessentschädigungen von einer Versicherung gedeckt.

Lohnen sich Schweizer Rechtsschutzversicherungen?

Die einzelnen Rechtsschutzversicherungen haben sehr unterschiedliche Versicherungsbedingungen, die es als Vertragsnehmer zu verstehen gilt. Man muss im Voraus klar wissen, was gedeckt ist und was nicht. Nicht selten wird die Übernahme von Rechtsfällen und -kosten durch die Versicherung bei Eintreten eines Rechtsfalles abgelehnt, weil der konkrete Fall und die Umstände, wie es dazu kam, gemäss Versicherungsbedingungen nicht versichert sind. Soweit aber die Versicherungsbedingungen für den Vertragsnehmer klar und verständlich sind, kann eine Rechtsschutzversicherung unter Umständen sinnvoll sein.

Was muss ich bei Rechtsschutzversicherungen beachten?

Zu achten ist sicher auf das sogenannte freie Wahlrecht des Anwaltes. Ist dies nicht Bestandteil des Versicherungsvertrags, wird die Versicherung ohne Rücksprache mit dem Versicherungsnehmer den Anwalt auswählen und zuweisen. Dies birgt wiederum das Risiko einer Fehlallokation.

Zurzeit besteht zudem eine Tendenz, dass die Versicherungen versuchen, gewisse Rechtsfälle mit eigenen Inhouse-Anwälten zu behandeln. An diesen Business Case glaube ich nicht. Die Banken haben auch versucht, Kunden mit eigenem Rechts- und Steuerrechtspersonal zu beraten und hatten damit keinen Erfolg. Sowohl Versicherungen als auch Banken sollten sich auf externe Experten verlassen.

Für KMU kann sich vor allem ein guter Inkassorechtsschutz lohnen. Bei Privaten sind Rechtsschutzversicherungen, die in einer Krankenkasse-Zusatzversicherung inkludiert sind, oft vorteilhafter als Einzelpolicen.

Sie haben selbst ein Startup im Bereich der Anwaltswahl gegründet. Was ist der Vorteil von SKUANI?

SKUANI ist ein Internetportal, das als Eingangstor für Beratungssuchende in den Bereichen Recht, Steuern, Treuhand, Vorsorge und Accounting genutzt wird. Auf SKUANI finden Kunden sehr schnell die passenden Experten für ihre Bedürfnisse. Das Portal ist international und mehrsprachig.

Zudem hat SKUANI als erstes Portal eine Segmentierung eingeführt, damit der Rechtssuchende alle Primärkriterien für die Mandatierung zuverlässig abfragen kann. Die Sekundärkriterien für die Mandatierung sind mit Ausnahme der Sympathie selbstverständlich auch ersichtlich. Das Kriterium Sympathie werden wir mittelfristig auch anbieten.

SKUANI bietet dem Beratungsexperten die Möglichkeit, sein Profil, seine Expertise, seine Beiträge und seine Beratungsangebote (sei es traditionelle Beratung oder in Form von neuartigen Produkten) auf einer Plattform mit hoher Frequenz zu zeigen und zu vermarkten.

Für grosse Unternehmen oder Branchenorganisationen bieten wir SKUANI als B2B-Produkt zudem im White-Label-Format an. Wir passen SKUANI den individuellen Bedürfnissen dieser Unternehmen oder ihren Legal-, Tax- und Compliance-Abteilungen an. Die Inhouse-Berater oder Mitarbeiter können dann über eine individualisierte SKUANI-Seite sehr effizient und kostengünstig zu den passenden externen Experten gelangen und mit diesen interagieren.

Was verändert sich Ihrer Meinung nach in Zukunft bei der Mandatierung eines Anwalts?

Der Anwalt wird in Zukunft vermehrt die Funktion eines Coaches und Problemlösers einnehmen, der zu Pauschalpreisen oder im Rahmen von Projekten tätig wird. Die Rechnungsstellung nach vereinbarten Stundensätzen wird unter Druck geraten. Die Anwaltsleistung bemisst sich in Zukunft nach dem Wert der Output-Leistung des Anwalts und nicht mehr nach den Stunden, die der Anwalt für die Problemlösung aufgewendet hat.

Ferner führen die technologischen Entwicklungen dazu, dass die Klienten höhere Anforderungen haben an die Erreichbar- und Verfügbarkeit des Anwalts. Ein Teil der Mandatierungs- und Kommunikationsprozesse wird sich auf Online-Kanäle verlagern.

Moneyland-Redaktion, 3. Oktober 2016

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