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«SBVg, SNB und FINMA sollten gemeinsam im Ausland auftreten»

Die Redaktion befragte Thomas Sutter - Leiter Kommunikation der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) - zum Auftritt des Schweizer Bankenplatzes im Ausland und im Internet.

Nicht nur politisch, sondern auch medial ist der Schweizer Bankenplatz in letzter Zeit weltweit stark unter Druck geraten. Welche Massnahmen unternehmen Sie, um den Schweizer Bankenplatz international zu stärken?

Thomas Sutter, SBVg: Als Vertreter und Stimme des Schweizer Finanzplatzes sind wir auf allen Ebenen aktiv. Wir stellen unsere Positionen in den internationalen Medien dar, aber wir vertreten unsere Interessen auch direkt bei Regierungsvertretern und Parlamentariern. Wir gehörten zum Beispiel zu den Ersten, die international auf Probleme bei der Umsetzung der US-FATCA-Gesetzgebung aufmerksam gemacht haben. Und wir pflegen den Kontakt mit den Schweizer Botschaften vor Ort, der Regierung und den Schweizer Behörden, welche unser Land in internationalen Gremien vertreten.

Die Berichte in internationalen Medien über Schweizer Banken sind teilweise wirtschaftspolitisch gefärbt und nicht immer ohne Eigeninteressen. Die SBVg arbeitet im Ausland vor allem im Bereich der gezielten Ansprache von Entscheidungsträgern. Wären nicht auch gezielte Massnahmen im Rahmen einer internationalen Medienarbeit möglich?

Wir betreiben eine sehr gezielte Medienarbeit in Ländern, die für den Schweizer Finanzplatz besonders wichtig sind. Auf Auslandreisen treffen wir regelmässig nicht nur Politiker, sondern auch Journalisten und erklären unsere Positionen. Dabei müssen wir bei den Journalisten oft zuerst grundlegendes Hintergrundwissen über den Schweizer Finanzplatz aufbauen. Wir sind überzeugt, dass dies längerfristig Wirkung zeigen wird, aber kurzfristig können wir die politisch gefärbte Berichterstattung nicht immer zu unseren Gunsten beeinflussen.

Einige Bankinstitute verfügen zwar über Werbe- und Marketingbudgets, allerdings scheint es an einem konsolidierten Auftreten der Schweizer Institute – wie es zum Beispiel Zürich Tourismus im internationalen Rahmen vorlebt – zu mangeln. Wäre hier ein gegen aussen hin geschlossener Auftritt sinnvoll?

Die einzelnen Banken sind ja auch Konkurrenten, da ist ein Zusammengehen schwieriger als bei Stadt und Kanton Zürich und Zürich Tourismus, wo die Interessen sehr ähnlich gelagert sind. Was wir gerne realisieren würden, ist ein gemeinsamer Auftritt des Finanzplatzes im Ausland – zusammen mit  der Aufsichtsbehörde FINMA und der Nationalbank. Leider besteht bei den beiden Institutionen noch wenig Interesse an einer koordinierten Promotion der Kernwerte des Finanzplatzes.

Das kostengünstige und in Zukunft relevanteste internationale Medium ist das Internet. Sie haben den Trend erkannt und kürzlich einen eigenen Twitter- und Facebook-Kanal lanciert. Welche Social-Media-Ziele haben Sie sich gesetzt?

Mit Twitter wollen wir Meinungsmacher national und international ansprechen, darum betreiben wir den Kanal auf Englisch. Bei Facebook sprechen wir ein breiteres, auch jüngeres, Publikum aus der Schweiz an. Zuerst einmal auf Deutsch. Themensetzung, Imagegewinn und Dialog sind dabei die Hauptzielsetzungen.

In Sachen Social Media sind die Schweizer Banken im Hintertreffen. Welche Gründe sehen Sie für dieses Abseitsstehen?

Mit Twitter, Facebook, Xing oder einem Blog sehen wir uns gar nicht im Hintertreffen. Aber es gibt natürlich die Theorie, dass die traditionelle Vertraulichkeit im Schweizer Bankgeschäft ein Grund dafür sein könnte. Das mag zu einem Teil stimmen, aber es gibt auch konkrete Fragen im regulatorischen Bereich, die zuerst geklärt werden müssen. Darf eine Bank Kunden auf Facebook beraten? Müssen solche Konversationen dokumentiert und aufbewahrt werden? Ich glaube, dass die Schweizer Banken den Weg in die Social Media nun immer schneller gehen werden. Einige gute Beispiele gibt es ja schon.

23. März 2012

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