Vermögensverwaltung: «Mainstream wird es schwer haben»

Wir befragten Dr. Leo Th. Schrutt und Markus Walliser von FS Associates zu den neusten Trends in der Schweizer Vermögensverwaltung.

Dr. Leo Th. Schrutt und Markus Walliser sind Executive Consultants des Beratungsunternehmens FS Associates, eines internationalen Netzwerks von Experten, welches sich auf den grenzüberschreitenden Know-how-Transfer im Bereich Asset Management konzentriert. Das Beratungsunternehmen FS Associates hat im Rahmen mehrerer Studien die Trends in der Vermögensverwaltung – unter anderem in der Schweiz und den USA – untersucht. 

Es sind keine einfachen Zeiten für Schweizer Vermögensverwalter – welches sind in Ihren Augen die schwierigsten zukünftigen Herausforderungen?

Wir sehen drei besonders dringliche Herausforderungen. Erstens die Kundenloyalität – sie wird deutlich sinken, wenn der Vermögensverwalter nicht klar aufzeigen kann, worin der Mehrwert besteht, wenn der Kunde bei ihm bleibt. Zweitens die sinkenden Margen. Das gilt für die nicht-spezialisierten, allgemein angebotenen Dienstleistungen von Vermögensverwaltern und Banken. Spezialitäten werden auch in Zukunft ihren Preis haben – und bekommen, sofern der Erfolg eintritt. Drittens der Regulierungsdruck, der ansteigen wird. Daran hat sich die Branche aber mittlerweile gewöhnt.

Sie kennen sowohl den amerikanischen als auch den Schweizer Vermögensverwaltungsmarkt. Welches sind die markantesten Unterschiede?

Zunächst gibt es sehr viel mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick annehmen würde. Aber auch markante Unterschiede gibt es: In den USA ist der Anteil ausländischer Kunden viel geringer und das unternehmerische Denken viel ausgeprägter als in der Schweiz. Aufgrund der in vergleichbaren Verhältnissen höheren «Eintrittsschwelle» in die Branche ist es der Vermögensverwalter in den USA eher gewohnt, in Businessplänen zu denken und den langfristigen Unternehmenswert im Auge zu behalten. In der Schweiz gibt es noch – viel häufiger als man meint – Vermögensverwalter, deren wichtigstes Arbeitsinstrument die persönliche Agenda ist. Alles andere liefern dann die Banken.

Die Konkurrenz in der Vermögensverwaltung ist international am Aufholen. Wären hier nicht koordinierte internationale Marketing-Aktionen sinnvoll?

Solche Aktionen wären sicher sinnvoll. Die Schweiz hat aber im Markt für Privatkunden immer noch einen ausgezeichneten Ruf – wenn Werte wie Stabilität, Kontinuität und Zuverlässigkeit gefragt sind. Diese sind – wenn überhaupt – nur zum Teil und schwierig örtlich verschiebbar, sondern mit dem Standort Schweiz verbunden. Internationale Kooperationen bieten sich aber in der Tat an. FS Associates weiss aus eigener Erfahrung, dass dafür vermehrt ein Bedürfnis besteht. Aber auch hier gilt: Der Zeitaufwand für sorgfältige Planung und Evaluation darf nicht unterschätzt werden.

Wie hat sich Verhalten von Schweizer und ausländischen Kunden von Banken und unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltern in den letzten Jahren verändert?

Geblieben ist der Wunsch nach Kontinuität in der Kundenbetreuung – damit sind unabhängige Vermögensverwalter grundsätzlich in einer ausgezeichneten Ausgangslage. Verändert haben sich Offenheit und Transparenz in finanziellen Angelegenheiten und das Wissen über Finanzprodukte. Die Folge ist, dass die Performance – und zwar netto und nach Steuern – einen grösseren Stellenwert hat und der Kunde weniger von seinem Vermögensverwalter «abhängig» ist.

Seit Jahren spricht man von einer zu erwartenden Konsolidierung in der Schweizer Vermögensverwaltung – eine solche ist bis anhin allerdings nicht eingetreten. Ist eine Konsolidierung in den kommenden Jahren bei unabhängigen Vermögensverwaltern oder im Private Banking wahrscheinlich?

Bei den unabhängigen Vermögensverwaltern ist die Antwort klar ja – allein schon aus demografischen Gründen: In den kommenden Jahren müssen in der Schweiz über 1'000 Vermögensverwalter eine Nachfolgelösung finden. Im Private Banking liegen die Dinge weniger klar. Boutiquen, die einen nachvollziehbaren Mehrwert bieten, werden attraktive Chancen vorfinden. Der «Mainstream» geht hingegen schwierigen Zeiten entgegen.

Dezember 2011

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