sentitrade

SentiTrade: «Forenbeiträge sind unseriös»

Stefan Kupferberg ist Gründer und Geschäftsführer von SentiTrade. SentiTrade erfasst und analysiert Wirtschafts- und Finanznachrichten und leitet daraus die Marktstimmungen – so genannte «Sentiments» - ab.

Herr Kupferberg, welche Finanznachrichten werten Sie aus?

Unsere Analyse bezieht sich auf Indizes wie den DAX oder Dow Jones sowie den Bond- und Ölmarkt. Dabei bewerten wir keine einzelnen Werte wie Apple, BMW oder Samsung. Wir werten ausschliesslich Wirtschafts- und Finanznachrichten von vertrauenswürdigen Quellen aus. Beiträge in Foren oder auf Twitter bleiben im Rahmen unserer Sentiment-Analyse unberücksichtigt.

Welche Messmethoden wenden Sie an?

In Echtzeit berechnen wir das Verhältnis zwischen positiven und negativen Nachrichten – den so genannten SentiTrade-Quotienten. Dieser Wert liegt immer zwischen Null – wenn 100 Prozent der Meldungen negativ sind – und Eins – bei 100 Prozent positiven Meldungen. Mit Hilfe des SentiTrade-Quotienten lassen sich dann quantitative Handelsmodelle über verschiedene Trading-Plattformen wie NinjaTrader, TradeStation oder MultiCharts programmieren.

Die algorithmenbasierte Sentimentanalyse steht vor der Schwierigkeit, dass alltagssprachliche Sätze mit ihren kontextabhängigen Bedeutungen und Unzulänglichkeiten durch den Computer noch nicht zureichend interpretiert werden können. Überprüfen Sie Ihre Analysen aus diesem Grund auch manuell?

Ja, wir überprüfen unsere Analysen stichprobenweise. Wir haben uns bewusst auf Finanznachrichten beschränkt, damit wir eine hohe Qualität in der Sentiment-Analyse erhalten. Unsere Software besteht aus einem lernenden Algorithmus, der sowohl regel- als auch stichwortbasiert arbeitet. Die Genauigkeit unserer Sentiment-Analyse liegt bei über 80 Prozent.

Nicht alle Nachrichtenquellen sind gleich relevant. Die wohl relevantesten «Insider» kommunizieren unter Umständen gar nicht oder erst verspätet in der Öffentlichkeit. Wie berücksichtigen Sie diese Asymmetrien?

Wir berücksichtigen bei unserer Sentiment-Analyse ausschliesslich vertrauenswürdige Quellen, so genannte Trusted Sources. Forenbeiträge werten wir nicht aus, da wir sie für unseriöse Quellen halten und diese unserer Meinung nach keinen Einfluss auf den Aktienmarkt besitzen.

Wie können Investoren Ihre Sentiment-Analysen nutzen? Können diese für Kauf- oder Verkaufsentscheide herangezogen werden?

Vermögensverwalter können zum einen unseren Datenfeed über Handelsplattformen abonnieren. Zum anderen stellen wir auch individuelle Schnittstellen zur Verfügung. Der SentiTrade-Quotient kann so für eigene Handelsstrategien verwendet werden.

Welches ist das Geschäftsmodell von SentiTrade?

Unser Geschäftsmodell ist dreiteilig: Erstens können Kunden unsere Datenfeeds für eine begrenzte Zeit abonnieren, um eigene Handelsmodelle programmieren zu können. Zweitens lizenzieren wir Handelsmodelle. Drittens stellen wir Finanzverlagen Widgets zur Verfügung, die den aktuellen SentiTrade-Kurs anzeigen sowie wöchentliche Reports, welche die Märkte aus einer Behavioral-Finance-Perspektive interpretieren.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Wo steht SentiTrade in fünf Jahren?

Unser Ziel ist es, einen oder mehrere SentiTrade-Fonds aufzulegen. Wir werden uns ganz auf die Entwicklung von quantitativen Handelsmodellen auf Grundlage unseres Sentiment-Indikators konzentrieren.

19. April 2012

Über das Moneyland-Magazin

Das Moneyland-Magazin informiert Sie kompetent und unabhängig über eine Vielzahl von Finanz- und Geldthemen. Neben Hintergrundartikeln und Interviews mit Experten finden Sie zahlreiche praktische Geldratgeber.