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Splendit: mit Studentenkrediten in Bildung investieren

Die Moneyland-Redaktion befragte den Ökonomen und Splendit-Gründer Florian Kübler (rechts im Bild) zum frisch lancierten Fintech-Startup Splendit, das er zusammen mit dem Anwalt Michel Lalive d’Epinay (links im Bild) gegründet hat.

Moneyland-Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee von Splendit gekommen?

Florian Kübler: Wir, die beiden Gründer Florian und Michel, kennen uns schon seit über 20 Jahren. Wir wollten schon immer ein eigenes Unternehmen gründen und haben über die Jahre unzählige Ideen gewälzt.

Das Thema Crowdfunding beziehungsweise Peer-to-Peer-Lending haben wir vor rund drei Jahren entdeckt. Wir waren von der Innovationskraft dieser disruptiven Technologie begeistert und kamen schnell zum Schluss, dass wir ein Teil dieser Entwicklung sein wollen. So haben wir die Splendit AG gegründet und endlich unseren Traum eines eigenen Unternehmens verwirklicht.

Das Tolle ist, dass wir dieselben Visionen und Werte haben und deshalb früh klar wurde, dass wir die Möglichkeiten dieser neuen Technologie mit einem guten Zweck verbinden möchten. Der Zugang zu Bildung soll allen offen stehen, auch Personen aus weniger privilegierten Verhältnissen.

Während der Ausbildung sollen sich Studenten auf ihr Studium konzentrieren und nicht die hohen Lebenshaltungskosten durch Nebenjobs finanzieren müssen. Wir haben beide während unserem Studium bei einem Pizzakurier gearbeitet. Wir kennen nun die Stadt Zürich zwar etwas besser, dem Studium und unseren Jobaussichten hat unser Nebenjob aber nichts gebracht.

Wir sind zudem überzeugt, dass Anleger vermehrt an nachhaltigen und sinnvollen Investments interessiert sind und diese immer öfters den klassischen Finanzprodukten vorziehen. Splendit bietet diese Möglichkeit. Wir verbinden Studenten mit Investoren, die in den einzigen Rohstoff der Schweiz investieren möchten: Bildung.

Wie funktioniert Splendit?

Splendit ist eine Peer-to-Peer-Lending Plattform zur Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen an Fachhochschulen und Universitäten. Splendit eignet sich sowohl für das Grundstudium als auch für Doktorate, MBA, LLM und weitere Ausbildungen.

Studenten, die an einem Schweizer Bildungsinstitut immatrikuliert sind, legen auf Splendit ein Profil an und stellen einen Darlehensantrag.

Dabei legt der Student die Modalitäten des Darlehens selber fest, das heisst den Betrag, die Laufzeit und den Maximalzins. Nach einer Prüfung durch Splendit publiziert der Student den Darlehensantrag.

Investoren können den Darlehensbetrag anschliessend einsehen und ganz oder teilweise finanzieren. Je besser das Profil des Studenten, desto eher liegt der Zinssatz des Bildungskredits unter dem vom Studenten festgelegten Maximalzins. Der Zins wird im Rahmen eines Auktionsverfahrens unter den Investoren ermittelt.

Kommt der gesamte Betrag zusammen, ist die Auktion erfolgreich. Splendit erledigt dann die Formalitäten, regelt das Vertragliche und wickelt alle Zahlungen zwischen Student und Investoren ab. Dadurch haben wir die Kontrolle über die Zahlungsmoral der Teilnehmer und können bei einem Zahlungsverzug frühzeitig einschreiten und säumige Studenten mahnen. Investoren können sich so auf die Bildungskredite und ihre Geldanlage konzentrieren.

In anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA sind Studenten-Kredite ein grosses Thema. Wie gross ist die Nachfrage nach Studenten-Krediten in der Schweiz?

Die Schweiz lässt sich mit den USA nur begrenzt vergleichen. Während in den USA die hohen Studiengebühren ins Geld gehen, sind es in der Schweiz vor allem die hohen Lebenshaltungskosten, die aber unter dem Niveau der amerikanischen Studiengebühren bleiben.

Entsprechend ist die Nachfrage in der Schweiz kleiner. Die Verschulung des Studienalltags seit der Bologna-Reform lässt aber immer weniger Zeit für Nebenjobs. Stipendien werden nur zurückhaltend vergeben und Banken bieten kaum Ausbildungskredite an.

Wie hoch sind die Kreditzinsen von Splendit?

Die Kreditzinsen werden wie in einem Auktionsverfahren ermittelt. Je besser das Profil eines Studenten, das heisst je besser seine Noten und Zukunftsaussichten, desto tiefer fällt der Kreditzins aus. Erfahrungsgemäss liegen die Zinssätze zwischen 3% und 6% pro Jahr. Splendit lässt keine Zinsen über 8% zu.

Splendit hat das Gebührenkonzept bewusst so gewählt, dass es vom Zinsniveau eines Bildungskredits unabhängig ist. Wir haben also kein Interesse an einem hohen, sondern an einem fairen Zins.

Splendit verlangt vom Studenten eine Pauschalgebühr von 10 Franken pro Monat, und zwar nur während der Laufzeit des Bildungskredits. Diese Gebühr ist als Entschädigung für die Verwaltung des Kredits und die Abwicklung der Zahlungen zu verstehen.

An welche Investoren richtet sich Ihre Plattform?

Splendit richtet sich ausschliesslich an private Anleger. Typischerweise handelt es sich um Personen, die mit ihrem Geld eine nachhaltige Investition tätigen wollen. Sind es Alumni der Hochschulen, die sich mit der Situation der Studenten gut identifizieren können.

Eine Schwierigkeit für Investoren ist das mögliche Ausfallrisiko – wie hoch schätzen Sie diese Gefahr ein und wie minimieren Sie diese?

Gemäss einer Erhebung des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2013 haben rund zu rund 95% der Studienabgänger der Schweizer Universitäten und der ETH ein Jahr nach Masterabschluss eine Anstellung. Bei Fachhochschulen sind es sogar 97%. Je nach Fachrichtung beträgt der Medianlohn zwischen 54’000 und 83’200 Franken pro Jahr. Das Risiko, dass ein Studienabgänger den Bildungskredit nicht zurückzahlen kann, erachten wir deshalb als gering.

Jeder Bildungskredit wird bei Splendit in einer Stückelung von 20 Einheiten angeboten. Beispiel: Sucht ein Student 40'000 Franken, beträgt das Investment 2'000 Franken oder ein Vielfaches davon. Ein Investor kann also sein Risiko diversifizieren, indem er Teile seine Anlage auf mehrere Studenten verteilt und Teile verschiedener Bildungskredite finanziert.

Darüber hinaus überwacht Splendit alle Zahlungen und führt ein striktes Mahnwesen. Bezahlt ein Student nach wiederholter Mahnung nicht, bleibt der Weg der Betreibung. Zu diesem Zweck unterzeichnet jeder Student beim Abschluss eines Bildungskredits eine Schuldanerkennung.

Wie verdient Splendit Geld?

Die Gebühren sind bei Splendit einfach und zu transparent. Studenten bezahlen eine monatliche Plattformgebühr von 10 Franken während der Laufzeit des Bildungskredits. Investoren bezahlen auf jedem Investment eine einmalige Gebühr von 2 Prozent des ausgeliehenen Betrags.

Was zeichnet Splendit gegenüber herkömmlichen Privatkredit-Anbietern in der Schweiz aus?

Splendit bietet ausschliesslich Kredite zur Bildungsfinanzierung an. Die Immatrikulation oder ein anderer Ausbildungsnachweis ist eine notwendige Voraussetzung. Wir haben einen innovativen, effizienten und kostengünstigen Finanzierungsprozess, der sowohl Studenten als auch Investoren zugute kommt.

Wir sind vollkommen transparent und haben kein Interesse an einem hohen Kreditzins. Das Kreditverhältnis kommt direkt zwischen Studenten und Investoren zustande, zwischen den Parteien steht also keine Bank. Dadurch können wir Kosten sparen und den Vorteil direkt an Studenten und Investoren weitergeben.

Wo steht Splendit in fünf Jahren?

In fünf Jahren sind wir der führende Anbieter für Bildungsfinanzierung und nachhaltige Investments in der Schweiz.

Weiterführende Informationen:
Zur Website von Splendit
Grosser Vergleich von Schweizer Privatkrediten

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