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Standard & Poor’s: «Ist die vergangene Performance wichtig?»

Frank Luo ist Vice President und Head of Global Research and Design bei Standard & Poor’s.

Moneyland-Redaktion: Wie vielen Top-Fonds gelingt es, ihre Performance auch in Zukunft konsistent beizubehalten?

Frank Luo: Dies gelingt nur sehr wenigen Fonds. Wie schwierig es ist, ein konsistenter Top-Performer zu sein, kann ich an zwei Beispielen erläutern:

Von 716 Fonds, die sich im März 2010 mit ihrer Performance im obersten Viertel positionieren konnten, haben sich in den folgenden drei Jahren jeweils nur 29 Fonds im obersten Viertel halten können.

Von 535 Fonds, die sich im März 2008 im obersten Viertel positionieren konnten, haben sich in den folgenden fünf Jahren sogar nur 5 Fonds im obersten Viertel halten können.

Im Rahmen der Persistenz-Berechnungen begrenzen Analysten ihre Auswahl häufig auf diejenigen Fonds, die während der ganzen untersuchten Zeitperiode existieren. Die S&P berücksichtigte in ihren Berechnungen aber alle Fonds, unabhängig davon, ob es diese am Ende der untersuchten Zeitperiode noch gab. Weshalb?

Mit der Berücksichtigung aller am Anfang der untersuchten Zeitperiode vorhandenen Fonds vermeiden wir den so genannten «Survivorship Bias». Wenn wir unser Sample bloss auf diejenigen Fonds beschränkt hätten, die während der ganzen untersuchten Zeitperiode existierten, hätten wir die liquidierten oder fusionierten Fonds fälschlicherweise nicht berücksichtigt. Damit wären wir der anfänglichen Ausgangslage für einen Anleger, der auch die später fusionierten oder liquidierten Fonds zur Auswahl hatte, nicht gerecht geworden.

Haben Sie den Einfluss von Fondsgebühren in Ihrer Analyse berücksichtigt?

In der untersuchten Fondsperformance sind die Gebühren nicht mit einbegriffen.

Sie haben sich auf die Analyse von US-Aktienfonds beschränkt. Verfügen Sie über ähnliche Resultate für nicht-amerikanische Aktienfonds oder Fonds anderer Anlagekategorien?

Unsere Studie «S&P Persistence Scorecard» untersucht nur US-amerikanische Aktienfonds. In einer weiteren Studie, der «S&P Index Versus Active Funds (SPIVA) Scorecard», dehnen wir unsere Analyse auch auf internationale Aktienfonds und Fonds mit weiteren Anlageklassen wie Anleihen aus.

Unterstützen Sie denn die allgemeine Aussage, dass die vergangene Performance kein Indikator für die zukünftige Performance darstellt?

Durchaus. Unsere Studien liefern überzeugende empirische Beweise für die Aussage, dass es keinen konsistenten Zusammenhang zwischen vergangener und zukünftiger Performance gibt.

Sind demnach auch erfolgreiche Anleger wie Warren Buffett nur zufällig erfolgreich?

Das glaube ich nicht. Warren Buffett ist erfolgreich, weil er aussergewöhnlich gut ist darin, was er tut. Unsere Studien zeigen, dass Investieren eine äusserst herausfordernde Tätigkeit ist, die nur von sehr wenigen Anlegern überzeugend beherrscht wird. Allerdings gibt es durchaus auch unter Anlegern Ausnahmetalente. Warren Buffett hat es selbst am besten ausgedrückt mit seiner Aussage, dass er genetisch dafür programmiert sei, Kapital anzulegen. Das Problem mit gewöhnlichen Anlegern ist, dass sich alle für Warren Buffett halten.

Was ist für Sie das erstaunlichste Resultat der «S&P Persistence Scorecard»?

Am meisten erstaunt hat mich die Tatsache, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Fonds mit einer sehr guten Performance diese konsistent in den folgenden Jahren halten kann. Es ist schlicht unrealistisch, dass ein Fonds Jahr für Jahr zu den besten zählt.

18. Juni 2012

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