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Vermögensverwaltung: «Bessere Qualität für Privatanleger»

Wir befragten Carina Schaurte zur publizierten Studie «Redefining Asset Management in New Realities». Carina Schaurte ist Project Manager im Competence Center Asset und Wealth Management bei Roland Berger Strategy Consultants.

Bezüglich der Zukunft der Vermögensverwaltung erachtet Roland Berger das Szenario der «profitablen Stagnation» am wahrscheinlichsten. Was ist darunter zu verstehen?

Carina Schaurte: Unter «profitabler Stagnation» verstehen wir das Szenario, in dem einerseits die Wachstumszahlen auf der Vermögensseite in den nächsten Jahren stagnieren, wobei wir zwischen dem nach wie vor anhaltenden aber rückläufigen Wachstum in Industriestaaten und dem weiterhin etwas stärkeren Wachstum in den Emerging Markets unterscheiden. Andererseits rechnen wir damit, dass die Margen mehr oder weniger konstant bleiben, sofern sich die Vermögensverwalter richtig aufstellen und ihre Kernkompetenzen optimal nutzen.

Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen für die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche ein?

Die Konsolidierungswelle, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, wird sich vermutlich weiter fortsetzen. Dabei wird es unserer Meinung nach vermehrt zu einer Spezialisierung kommen. Vermögensverwalter müssen sich darüber klar werden, wo ihre Stärken liegen – sei dies beispielsweise ein spezifischer Management-Ansatz oder ein vertieftes Kundenverständnis – und diese sodann ausbauen.

Unter europäischen Vermögensverwaltern nimmt die Konkurrenz zu. Rechnen Sie folgerichtig mit einer steigenden Dienstleistungsqualität und sinkenden Kosten für die Kunden?

Hier müssen wir klar zwischen einem privaten Anleger und einem institutionellen Investor unterscheiden. Private Anleger werden vermutlich von sinkenden Kosten profitieren.  So werden beispielweise Ausgabe-Aufschläge auf Fonds immer seltener verlangt. Im institutionellen Geschäft sind die Ertragsmargen bereits gesunken. Wir gehen nicht davon aus, dass es hier zu einem weiteren Rückgang kommen wird. Mit der erwähnten Fokussierung auf die Kernkompetenzen sollte natürlich auch eine Qualitätssteigerung einhergehen.

Sie rechnen damit, dass die unabhängigen Vermögensverwalter in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Welche Entwicklungen unterstützen Ihrer Meinung nach diese These?

Wenn Sie unter unabhängigen Vermögensverwaltern Unternehmen verstehen, die sich auf das Anlegen von Geldern spezialisieren und nicht noch über eine Bank mit Kredit- oder Investment-Banking-Geschäft verfügen, ja. Wir gehen davon aus, dass es entlang der Wertschöpfungskette zu einer verstärkten Spezialisierung kommen wird. So haben in Europa einige grössere Banken Teile ihres Asset Managements bereits verkauft.

Vermögensverwaltungskunden sind besser informiert und kritischer als in der Vergangenheit – daraus resultieren vermutlich höhere Wechselquoten. Führt dies Ihrer Meinung nach auch zu einem neuen Akquise-Verhalten seitens der Vermögensverwalter? Wie würden Sie die Rolle des Internets als potenziellen Akquise-Kanal für neue Kunden einschätzen?

Vermögensverwaltung ist nach wie vor ein beratungsintensives Geschäft, in dem die persönliche Beziehung und das damit verbundene gegenseitige Vertrauen eine wesentliche Rolle spielen. Wenn man sich den Erfolg von Online-Plattformen anschaut, sieht man, dass der Markt dafür begrenzt zu sein scheint. Viele Anbieter sind inzwischen wieder verschwunden oder wurden aufgekauft. Daher rechnen wir eher damit, dass das Internet als Informationsbeschaffungs-Kanal eine wichtige Rolle spielt, die Kunden in den nächsten Jahren aber weiterhin eine persönliche Beziehung wünschen werden. 

Gemäss Roland Berger sind die europäischen Vermögensverwalter gezwungen, ihre Strategien und Geschäftsmodelle zu überdenken. Welches sind Ihre wichtigsten Ratschläge an die Vermögensverwalter?

Vermögensverwalter sollten sich auf ihre Kernkompetenzen und ein effizientes, aber flexibles Setup konzentrieren. Dabei können sie Ausschau nach Wachstumsopportunitäten halten, aber immer unter Berücksichtigung der Profitabilität. 

Beispielsweise sollte eine Expansion nach Asien gut geplant werden: Neben Chancen wie ein grösseres Wachstum sollten auch Risiken wie nötige Investitionen gut bedacht werden, zumal sich die Marktgegebenheiten stark von denen in der Schweiz und Europa unterscheiden. Auch Europastrategien, so hat die Vergangenheit gezeigt, sind nicht in allen Fällen erfolgreich. Es gilt also gut abzuwägen, wie Wachstum mit Profitabilität kombiniert werden kann.

27. Januar 2012

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