Kreditkarten im Ausland: in welcher Währung bezahlen?

Soll im Ausland in der Landes- oder der Kartenwährung bezahlt werden? Der Hintergrundartikel beleuchtet die dynamische Währungsumrechnung (DCC).

Das Bezahlen mit der Kreditkarte im Ausland kann teuer werden – schuld daran sind die Fremdwährungsgebühren. Je nach Schweizer Kreditkarte können Fremdwährungszuschläge von 0.9 bis 2.5 Prozent plus Fremdwährungsumrechnungsgebühren von bis über 3 Prozent verrechnet werden. Die Fremdwährungsumrechnungsgebühren, also die Aufschläge gegenüber dem Interbankenkurs, variieren dabei je nach Kreditkartenherausgeber und können täglich ändern.

Abgerechnet wird dabei in der Regel nicht nach dem Währungskurs des Transaktionstags (also dem Tag, an dem der Kauf mit der Kreditkarte im Ausland erfolgt ist), sondern nach dem Kurs eines darauf folgenden Tags. Abzuraten ist von Bargeldbezügen in Fremdwährungen: da kommen zusätzlich happige Bargeldbezugsgebühren sowie mögliche externe Bankgebühren dazu.

Einkäufe im Ausland in Schweizer Franken

Immer mehr Geschäfte, Hotels und Restaurants (in der Fachsprache Merchants, also Händler genannt) bieten die Möglichkeit an, auch im Ausland mit Visa- und MasterCard-Kreditkarten direkt in Schweizer Franken zu bezahlen. Möglich gemacht wird dies durch die so genannte dynamische Währungsumrechnung DCC (Dynamic Currency Conversion), die sowohl an Zahlstationen beim Händler als auch an Bankomaten und im Internet Verwendung findet. Kundinnen und Kunden haben dank DCC die Wahlmöglichkeit, neben der Landes- alternativ in der Kartenwährung zu bezahlen.

Vorteil des DCC-Verfahrens: Kundinnen und Kunden sehen den Kaufbetrag inklusive Gebühren automatisch umgerechnet in der gewohnten Kartenwährung und nicht in der Landeswährung, die vielleicht ungewohnt ist. Schweizerinnen und Schweizer mit einer Visa- oder MasterCard-Kreditkarte in Schweizer Franken können also an entsprechenden DCC-Zahlstationen den finalen Kaufpreis direkt in Schweizer Franken sehen.

Nachteil des DCC-Verfahrens: Bei der dynamischen Währungsumrechnung werden Gebühren fällig, welche sich durchaus auf über 3 Prozent des Kaufbetrags belaufen können. Dadurch kann der Kauf im Ausland in Schweizer Franken teurer zu stehen kommen, als wenn direkt in der Landeswährung bezahlt würde.

Dynamic Currency Conversion als Geschäftsmodell

Bei der Zahlung im Ausland in der Landeswährung kommt der Umrechnungskurs des Kreditkartenherausgebers zur Anwendung. Es ist auch der Herausgeber (so genannter «Issuer», in der Schweiz sind dies beispielswiese Viseca, UBS, Swisscard AECS, Cembra Money Bank oder Cornèrcard), der in diesem Fall in erster Linie von den Fremdwährungsgebühren profitiert.

Bei der Zahlung im Ausland in der Kartenwährung hingegen sind es in erster Linie die Zahlungsabwickler sowie die Händler, die vom Umrechnungszuschlag profitieren. Dabei erhalten die Händler von den Zahlungsabwicklern Rückvergütungen (Kickbacks), wenn Kundinnen und Kunden bei ihnen per DCC-Verfahren in der Kartenwährung bezahlen.

Die Zahlungsabwicklung nehmen dabei die so genannten «Acquirer» vor (in der Schweiz beispielsweise Aduno und SIX Payment Services). Im Fall von DCC-Anbieter können weitere spezialisierte DCC-Abwickler wie Fexco, Monex, Travelex oder Global Blue dazukommen.

Vereinfacht gesagt haben also die Kreditkartenherausgeber das Interesse, dass Kundinnen und Kunden im Ausland in der Landeswährung bezahlen, während die Zahlungsabwickler und teilnehmenden Händler im Ausland ein Interesse daran haben, dass die Kunden per DCC-Verfahren in der Kartenwährung zahlen.

Beispiel: Zahlung im Wert von 1'000 Euro mit der Kreditkarte in Deutschland

An einem vereinfachten Beispiel kann der Unterschied der Kreditkartenabrechnung  in Landes- und Kartenwährung verdeutlicht werden. Der Umrechnungskurs von Euro in Schweizer Franken betrage beim Herausgeber der Kreditkarte 1.10 (CHF/EUR), der Interbanken-Wechselkurs betrage zum selben Zeitpunkt 1.09 (CHF/EUR).

Umrechnung durch Kreditkartenherausgeber
Betrag in Euro: 1000.
Betrag nach Interbanken-Wechselkurs in CHF: 1090.
Nach Umrechnung in CHF durch Herausgeber: 1100.
Total nach Bearbeitungszuschlag von 1.75% in CHF: 1119.25.
Total der Gebühren: CHF 1119.25 – CHF 1090 = CHF 29.25.

Dynamische Umrechnung (DCC) durch Zahlungsabwickler
Betrag in Euro: 1000.
Betrag nach Interbanken-Wechselkurs in CHF: 1090.
Nach Umrechnung durch Zahlungsabwickler (Aufschlag von 3.5%): CHF 1128.15.
Total der Gebühren: CHF 1128.15 – CHF 1090 = CHF 38.15.
Davon erhalte der Händler (Kickback von 0.5%): CHF 5.45 (bzw. den Betrag in Euro).
Davon erhalten die Zahlungsabwickler: CHF 32.70 (bzw. den Betrag in Euro).

Achtung: Die Gebühren für DCC-Zahlungen können noch höher ausfallen, wenn Ihre Kreditkarte auch für Zahlungen im Ausland in Schweizer Franken eine Bearbeitungsgebühr verlangt.

Landeswährung oder Kartenwährung?

Theoretisch kann je nach Höhe der Kreditkarten- und DCC-Gebühren sowie je nach Währung und Wechselkurs die Bezahlung per dynamischer Umrechnung in die Kartenwährung teurer oder günstiger sein als die Bezahlung in der Landeswährung. Im Idealfall müsste also der Käufer an der Zahlstation die angezeigten Acquirer-Gebühren mit den anfallenden Kreditkartengebühren des Herausgebers vergleichen und sich dann entscheiden – was allerdings nicht zuletzt aufgrund der täglich schwankenden Währungskurse und der unterschiedlichen Abrechnungstage kaum praktikabel ist.

Wenn die Fremdwährungsgebühren vom Kreditkarten-Herausgeber einigemassen moderat sind, ist es allerdings häufig so, dass man mit der Abrechnung in der Landeswährung deutlich günstiger fährt.

Als Faustregel gilt also: Zahlen Sie im Ausland in der Landeswährung, nicht der Kartenwährung. Mit einer Schweizer Kreditkarte in Schweizer Franken sollten Sie also im Ausland nicht in Schweizer Franken zahlen. Das gilt auch für Käufe im Internet, etwa auf Amazon.de. Ebenfalls wichtig: Wählen Sie eine für die Auslandnutzung günstige Kreditkarte.

Achtung vor Bearbeitungsgebühren von Auslandzahlungen

Aufpassen sollten Sie bei Kreditkarten, die bei einer Zahlung im Ausland auch in Schweizer Franken eine Bearbeitungsgebühr verlangen. Mit solchen Karten sollten Sie nie dynamisch per DCC bezahlen, da die Bearbeitungsgebühr dann noch zusätzlich zu den DCC-Gebühren dazukommt. Dazu gehören so genannte «Gratis-Kreditkarten» wie die Migros Cumulus-MasterCard von Cembra Money Bank oder die Coop Supercardplus MasterCard / Visa der Swisscard AECS, welche in diesem Fall einen Aufschlag von 1.5% verlangen. Die Visa Bonus Card verlangt sogar 2%. Auch bei Viseca-Karten fallen ab 1. Juli 2016 1.75% an.

Richtlinien von Visa und MasterCard

Damit die Bezahlung per dynamischer Umrechnung (DCC) geordnet verläuft, haben Visa und MasterCard weltweite Richtlinien für die Zahlungsabwickler und Händler festgelegt, auch wenn deren Einhaltung nur schwierig zu kontrollieren ist. Dazu gehört, dass alle Händler den Kunden transparent über die Umrechnung und die genauen Gebühren informieren und dem Kunden die Wahl lassen, in einer anderen Währung als der Kartenwährung zu bezahlen.

Wichtig: Sie können als Kunde darauf bestehen, in der Landeswährung zu bezahlen – auch wenn der durch Kickbacks beeinflusste Händler etwas anderes behaupten sollte.

Tipps für Vielnutzer im Ausland

Bei häufigen Käufen in einer Fremdwährung kann es sich lohnen, eine entsprechende Kredit- oder Prepaid-Karte in der gewünschten Fremdwährung zu beziehen – zum Beispiel eine Karte, die in Euro oder US-Dollar abrechnet (auf moneyland.ch unter Filterkriterien auf der Kreditkarten-Resultatseite einstellbar). Damit können die Zahlungen direkt in der Landeswährung beglichen werden, ohne dass Fremdwährungsgebühren anfallen.

Weiterführende Informationen:
Umfassendster Kreditkarten-Vergleich der Schweiz
Fremdwährungsgebühren bei Schweizer Kreditkarten

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