robertdarlington

Robert Darlington: «Familienkonflikte sind keine Seltenheit»

Interview mit Robert Darlington, Director Wealth Adivsory bei Barclaytrust (Suisse) SA. Er gibt Auskunft über den eben veröffentlichten Bericht «The Transfer of Trust: Wealth and Succession in a Changing World».

Die Redaktion befragte Robert Darlington, Director Wealth Adivsory bei Barclaytrust (Suisse) SA, zum publizierten Bericht «The Transfer of Trust: Wealth and Succession in a Changing World».

Moneyland-Redaktion: Nur 49 Prozent der vermögenden Schweizer trauen der nächsten Generation zu, ihr vererbtes Vermögen zu erhalten. Damit sind die Schweizer Vermögenden im Vergleich zu Wohlhabenden anderer Länder wenig zuversichtlich. Woran mag das liegen?

Robert Darlington: Die Weitergabe von Erbschaften, Werten und Vermögen steht im Mittelpunkt der Finanzplanung. Dabei nimmt die Komplexität der Auswahlmöglichkeiten mit wachsendem Vermögen zu, wenn es um mögliche Wertübertragungen an die nächste Generation geht.

Insbesondere bei den Schweizern stellten wir ein hohes Mass an Misstrauen und sogar interfamiliäre Konflikte aufgrund dieser wachsenden Komplexitäten fest. Wer frühzeitig die Möglichkeiten einer Nachfolgeplanung erkennt, kann solche Ängste früh genug thematisieren und mögliche Konflikte im Voraus verhindern.

Schweizer Vermögende sehen für die kommende Generation eine Reihe von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Welches sind für die Schweizer Reichen die schwierigsten kommenden Herausforderungen?

Die alternde Bevölkerung ist gemäss den befragten vermögenden Schweizern die grösste Herausforderung für die kommende Generation. Dies widerspiegelt die Tatsache, dass das durchschnittliche Alter eines Europäers aktuell bei 40 Jahren liegt und der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung gemäss Prognosen bis 2030 auf 23% anschwellen wird. Auch wirtschaftliche Turbulenzen, Inflation und steigende Steuern sowie der zukünftige Arbeitsmarkt werden als wichtige kommende Herausforderungen gesehen.

High-Net-Worth-Individuals (HNWI) sind ausserdem darüber besorgt, wie sie die nächste Generation auf die Zukunft vorbereiten sollen. Um die Kinder bestmöglich auf die unsichere Zukunft vorzubereiten, werden sie geschult sowie mit Vermögens- und Familienwerten ausgerüstet. Weltweit antworteten 60% der Befragten, dass sie professionelle Beratung benötigen, wenn es um die Gestaltung eines Erbschaftsplans für die Kinder und Stiefkinder geht.

Mehr als ein Viertel der vermögenden Schweizer haben schon familiäre Streitigkeiten aufgrund des Familienvermögens erlebt. Welches sind die häufigsten Ursachen für solche Zwiste?  

Ein unglücklicher Nachteil von Reichtum ist das mit ihm einhergehende Konfliktpotenzial – im Kontext der Nachfolgeplanung handelt es sich um Familienkonflikte. Unser Bericht zeigt auf, dass nahezu 28% der vermögenden Schweizer bereits interfamiliäre Konflikte aufgrund des Familienvermögens ausgetragen hatten, wobei Personen mit einem grösseren Vermögen häufiger in solche Familienkonflikte verwickelt waren.

Einer der möglichen Gründe für solche Familienkonflikte sind vielschichtige Familienstrukturen. So können Zweit- und Drittheiraten zu Konflikten nicht nur unter den Kindern verschiedener Ehefrauen, sondern auch zu Konflikten zwischen den Kindern und Ehefrauen führen. Die Komplexität des modernen Familienlebens bringt es mit sich, dass Familienmitglieder, Familieneigentum und Familienunternehmungen unterschiedlichen Rechtsordnungen unterstellt sein können. Das kann zu Spannungen aufgrund unterschiedlicher Ansprüche führen.

Trotz dieser Konfliktpotenziale zeigt unser Bericht jedoch auf, dass die Vermögenden weltweit nach wie vor gewillt sind, ihre Vermögenswerte an die nächste Generation zu vererben. Nur 4% der Schweizer Vermögenden sprachen sich gegen eine Erbschaft an ihre Kinder aus.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das eigene Vermögen der kommenden Generation zu vermachen. Eines der häufigsten Instrumente ist das Testament, von dem 70% der Schweizer Vermögenden Gebrauch machen. Es ist allerdings wichtig, dass ein Testament auch nach der Erstellung regelmässig überprüft wird. Nahezu ein Viertel der Schweizer Befragten hatten ihr Testament bereits mindestens einmal, 10% sogar mehr als dreimal überarbeitet. Der weltweit häufigste Grund für eine Überarbeitung des Testaments ist ein Anstieg des Vermögens.

In Ihrem Bericht halten Sie fest, dass für finanzielle Zufriedenheit nicht das ererbte, sondern das selbst verdiente Geld entscheidend sei. Können Sie das erläutern?

Die meisten Leute sind skeptisch gegenüber der Vorstellung, dass Geld glücklich machen kann. Neue Studien zeigen allerdings klar, dass Geld und Zufriedenheit direkter im Zusammenhang stehen als bisher angenommen. Interessanterweise ist der Zusammenhang zwischen verdientem Geld und Zufriedenheit stärker als die Korrelation zwischen geerbtem Geld und Zufriedenheit. Sich sein Vermögen selbst zu erarbeiten macht glücklicher, als sein Vermögen einfach zu erben.

Über das Moneyland-Magazin

Das Moneyland-Magazin informiert Sie kompetent und unabhängig über eine Vielzahl von Finanz- und Geldthemen. Neben Hintergrundartikeln und Interviews mit Experten finden Sie zahlreiche praktische Geldratgeber.