Negative Kursbewegungen sind für Anlegerinnen und Anleger in der Regel kein Grund zur Freude. Doch es gibt eine Ausnahme: Wer gezielt auf fallende Kurse setzt, heimst im Falle von Abwärtsbewegungen einen Gewinn ein. In diesem Ratgeber stellt Ihnen moneyland.ch verschiedene Möglichkeiten vor, wie Sie als Anlegerin oder Anleger von fallenden Kursen profitieren können.
Long- und Short-Position
Im Finanzjargon wird zwischen einer Long- und einer Short-Position unterschieden, um die Risikoposition von Anlegerinnen und Anlegern auszudrücken. Geht ein Anleger oder eine Anlegerin eine Long-Position ein, profitiert er oder sie von einer Wertsteigerung eines Finanzinstruments. Andersherum gilt: Wer sich in einer Short-Position befindet, profitiert von Wertverlusten des Basiswerts. In diesem Artikel geht es mithin um die Short-Position.
1. Leerverkäufe
Bei einem Leerverkauf verkaufen Sie einen geliehenen Basiswert, der sich also nicht in Ihrem Eigentum befindet. Bei dem Basiswert kann es sich beispielsweise um eine Aktie oder Obligation handeln. Den Basiswert müssen Sie dem Verleiher am Ende der Laufzeit zurückgeben.
Das Ziel: Sie kaufen den gleichen Basiswert zu einem niedrigeren Kurs zurück – die Differenz zwischen dem ursprünglichen Verkaufs- und dem späteren Ankaufspreis entspricht ihrem Gewinn. Sie hoffen also darauf, dass der Kurs des Basiswerts sinkt.
Steigt der Kurs des Basiswerts hingegen, erleiden Sie einen Verlust. Um dem Verleiher den Basiswert zurückzugeben, müssen ihn zu einem höheren Preis zurückkaufen, als Sie ihn zuvor verkauft haben. Je nach Kursentwicklung können erhebliche Verluste lauern. Rein theoretisch sind unbegrenzte Verluste möglich, da der Preis eines Basiswerts, etwa einer Aktie, quasi unendlich stark steigen kann.
Leerverkäufe werden nur von wenigen Brokern angeboten. Dabei erteilen Sie eine Verkaufsorder für Wertschriften, die sich nicht in Ihrem Besitz befinden. Für die Wertpapierleihe fallen Zinskosten an, die Ihre Rendite schmälern. Doch für unerfahrene Anlegerinnen und Anleger sind Leerverkäufe aber aufgrund des Verlustrisikos ohnehin nicht empfehlenswert – denn diese kommen einer kühnen Wette gleich.
Was ist ein Basiswert?
Ein Basiswert ist das Handelsobjekt, das Anlageprodukten wie Optionsscheine und CFD zugrunde liegt. Beispiele für Basiswerte können Aktien, Aktienindizes, Obligationen oder auch Rohstoffe sein. Häufig definieren Emittenten von Anlageprodukten eigene Basiswerte, zum Beispiel einen selbst zusammengestellten Warenkorb mit verschiedenen Aktien.
2. Short-ETF
Eine für normale Anlegerinnen und Anleger zugänglichere und einfachere Variante stellen Exchange Traded Funds (ETF) dar, über die Sie auf sinkende Kurse setzen können. Diese als börsengehandelten Fonds werden als Short-ETF oder Inverse-ETF bezeichnet. Sie bilden in der Regel spezielle Subindizes ab, welche die Wertentwicklung von bekannten Aktien- oder Anleihenindizes spiegelverkehrt abbilden. Dies bedeutet: Steigt der Index um 0.5 Prozent, fällt der Subindex – und somit auch der ETF – um 0.5 Prozent. Andererseits verzeichnet der ETF Gewinne, sobald der Index Kursverluste ausweist. Der ETF verhält sich also immer umgekehrt zum zugrunde liegenden Index.
Darüber hinaus gibt es gehebelte ETF, welche die Short-Position um einen bestimmten Faktor erhöhen. Die Kursentwicklungen werden also verstärkt. Ein Beispiel: Ein ETF mit doppeltem Hebel steigt gleich um 1 Prozent, wenn der zugrunde liegende Index um 0.5 Prozent nachgibt. Andererseits gehen Sie aber auch ein um den entsprechenden Faktor erhöhtes Verlustrisiko ein.
Zwar werden ETF für langfristig orientierte Anleger und Anlegerinnen gemeinhin empfohlen. Dies gilt aber nur für die weitaus verbreiteteren Long-ETF, bei denen Sie von steigenden Kursen profitieren. Denn in der Vergangenheit wiesen diversifizierte Investitionen in Aktien-ETF bei einem langjährigen Anlagehorizont in aller Regel positive Performances aus. Short-ETF sind für langjährige Investments deshalb eher ungeeignet: Auf lange Sicht verzeichnen quasi alle Short-ETF erhebliche Werteinbussen. Sie sind daher lediglich für kurzfristige Spekulationen geeignet – wenn Ihnen das Verlustrisiko bewusst ist.
Alternativ können sich Short-ETF als Bestandteil einer Hedging-Strategie eignen. So können Sie einen Teil Ihres Vermögens in Short-ETF investieren, um Ihr Portfolio gegen Verluste abzusichern.
3. Put-Warrants
Mit Put-Optionsscheinen, überwiegend als Put-Warrants bekannt, erwerben Sie das Recht, einen Basiswert innert einer bestimmten Frist zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Um eine Rendite zu erzielen, muss der tatsächliche Preis des Basiswertes am Ende der Frist unterhalb des Verkaufspreises liegen. Wer in Put-Warrants anlegt, hofft also in aller Regel auf Kursverluste des Basiswertes. Das Gegenstück zu einem Put-Warrant ist ein Call-Warrant.
Beispiele für Basiswerte können einzelne Aktien, ganze Aktienindizes oder auch Rohstoffe sein. Der Handel mit Warrants setzt eine hohe Risikobereitschaft sowie profunde Kenntnisse über den Basiswert voraus – und selbst dann lassen sich künftige Wertentwicklungen nie sicher voraussagen. Optionsscheine gleichen folglich einer Wette, von der unerfahrenen Anlegerinnen und Anlegern eher abzuraten ist. Wenn Sie sich für Put-Warrants interessieren, sollten Sie das hohe Verlustrisiko im Hinterkopf behalten.
Der Handel mit Optionsscheinen ist nicht bei allen Schweizer Brokern möglich. Um herauszufinden, welche Anbieter den Handel mit Warrants anbieten, können Sie den Trading-Vergleich von moneyland.ch nach Ihren Bedürfnissen filtern: Wählen Sie unter «Spezialisierte Tradingklassen» einfach «Warrant» an.
4. Short-Mini-Futures
Ein Terminkontrakt (Future) ist im Allgemeinen ein Vertrag, bei dem sich ein Investor oder eine Investorin dazu verpflichtet, einen definierten Basiswert zu einem bestimmten Zeitpunkt und Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Ein Mini-Future ist eine spezielle Form des Futures.
Es handelt sich um gehebelte Wertpapiere, mit denen Anlegerinnen und Anleger auf Kursbewegungen eines Basiswertes spekulieren können. Unterschieden wird zwischen Long- und Short-Mini-Futures – wer also auf einen fallenden Kurs wetten möchte, setzt auf die Short-Variante.
Im Gegensatz zu klassischen Futures verfügen Mini-Futures über kein festgelegtes Ablaufdatum. Stattdessen ist eine Verlustbegrenzung (Stop-Loss) eingebaut, welche die Auflösung des Mini-Futures zur Folge hat. Der Mini-Future wird automatisch aufgelöst, wenn der Kurs des Basiswerts einen bestimmten Betrag erreicht hat.
Mini-Futures sind transparent aufgebaut, und der eingebaute Stop-Loss begrenzt die Verlustrisiken. Allerdings: Sind Sie an einer Investition in Mini-Futures interessiert, sollten Sie sich allerdings über die Hebelwirkung im Klaren sein – diese verstärken die Kursbewegungen des Basiswerts um ein Vielfaches, und Sie haben so vergleichsweise hohe Verlustrisiken zur Folge.
5. CFD
Auch mit Differenzkontrakten (CFD) können Sie auf die Wertentwicklung eines Basiswerts spekulieren, ohne ihn selbst zu besitzen. Sie zahlen bei CFD nur einen Bruchteil des Basiswerts ein. Dieser Betrag wird auch als Margin oder Sicherheitsleistung bezeichnet. Durch den eingebauten Hebel sind je nach Kursentwicklung des Basiswerts innert kürzester Zeit hohe Gewinne möglich – aber auch herbe Verluste.
Für unerprobte Anlegerinnen und Anleger sind CFD deshalb eher ungeeignet. Wenn Sie sich dennoch für CFD interessieren, sollten Sie nur Geld einsetzen, auf das Sie problemlos verzichten können. Hinzu kommt, dass beim Investieren in CFD relativ hohe Gebühren anfallen.
Um herauszufinden, bei welchen Brokern Sie mit CFD handeln können, wählen Sie im Trading-Vergleich von moneyland.ch unter «Spezialisierte Tradingklassen» das Feld «CFD» aus.
Hinweis: Der Artikel ist keine Anlageberatung und dient lediglich der Information. Angaben ohne Gewähr.
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