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Mehr Lohn? Die besten Tipps vom Experten

moneylandch sprach mit dem Lohn-Experten Tobias Egli über die wichtigsten Schweizer Lohnfaktoren und die wertvollsten Lohntipps.

Tobias Egli ist Lohn-Experte, Online-Marketing-Spezialist und Gründer des Portals Lohncheck.

Moneyland-Redaktion: Herr Egli, welches sind die wichtigsten Lohnfaktoren in der Schweiz?

Tobias Egli: Der wichtigste Lohnfaktor ist die Produktivität, also der Umsatz pro Mitarbeiter. Die wichtigsten Faktoren für die Ermittlung der Produktivität wiederum sind Branche und Funktion.

Löhne sind ausserdem stark abhängig vom Angebot am Arbeitsmarkt. Je schwieriger es für Arbeitgeber ist, Personen mit einem gewünschten Jobprofil zu finden, desto höher wird die mögliche Entlohnung ausfallen.

Mit welcher Ausbildung verdiene ich am meisten?

Mit einer Ausbildung an einer Hochschule oder Fachhochschule – also einer so genannten tertiären Ausbildung – verdienen Sie als Schweizer Arbeitnehmer klar am meisten. Jedoch nur dann, wenn Sie durch Ihre Ausbildung auch an besser bezahlte Stellen kommen.

Wenn sich zwei Bewerber mit einer unterschiedlichen Ausbildung – aber sonst gleichen Voraussetzungen – um eine Stelle bewerben, ist der zu erwartende Lohnunterschied nur marginal.

Interessant ist zudem, dass sich eine Ausbildung an einer Schweizer Universität bezüglich Lohn nicht wesentlich von einem Lehrgang an einer Fachhochschule unterscheidet.

Wie relevant ist die Spezialisierung?

Spezialisten verdienen im Durchschnitt bis zu 1500 Franken pro Monat mehr als nicht-spezialisierte Arbeitnehmer. Diese Spezialisierung ist aber oft auch abhängig von zusätzlichen Ausbildungen, das heisst die Faktoren Ausbildung und Spezialisierung sind eng miteinander verknüpft.

Wie unterscheiden sich die einzelnen Schweizer Branchen bezüglich Lohn?

Die Branche ist ein wesentlicher Lohnfaktor. In einer Branche mit einer hohen Produktivität – zum Beispiel im Bankwesen – verdient man in derselben Funktion wesentlich mehr als in einer Branche mit geringerer Produktivität wie zum Beispiel der Hotellerie.

Die Auswahlkriterien in Branchen mit einer hohen Produktivität sind aber in der Regel auch wesentlich härter als in solchen mit geringer Produktivität. Sie können also als Marketingleiter eines Hotels nicht unbedingt erwarten, dass Sie mit einem Wechsel zu einer Bank eine ähnliche Position innehaben können.

Hat auch die Anzahl Mitarbeiter einer Firma einen Einfluss auf den Lohn?

Ja. Grössere Firmen haben durch ihre stärkere Marktmacht eine höhere Produktivität. Eine grössere Firma kann deshalb auch höhere Löhne bezahlen.

Lohnverhandlungen sind eine leidige Sache. Worauf kommt es an?

Wichtig ist eine gute Vorbereitung. Sie sollten gute Argumente in das Gespräch einbringen und sich selbst vermarkten können.

Das wichtigste Argument ist sicherlich die eigene Leistung. Sie sollten also darlegen können, wieso Sie wichtig für Ihre Firma sind.

Ein weiteres wichtiges Argument betrifft den aktuellen Vergleich mit marktüblichen Löhnen für Ihre Position. Lohncheck-Tools können Ihnen hier einen unabhängigen Referenzwert liefern.

Was verstehen Sie unter Selbstmarketing?

Selbstmarketing meint nichts anderes, als die eigene Person zu verkaufen. Es geht darum, dass Sie Ihren Marktwert kennen und diesen selbstbewusst verkaufen. Bei einem Lohngespräch geht es vor allem darum aufzuzeigen, wie Sie zusätzlichen Umsatz für die Firma bringen beziehungsweise Kosten einsparen könnten.

Wann ist der günstigste Zeitpunkt für eine Lohnverhandlung?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Wichtig ist, dass eine Lohnverhandlung vor der Budgetphase stattfindet, damit der Arbeitgeber noch Einfluss auf die Personalkostenplanung nehmen kann. Am besten führen Sie eine Lohnverhandlung dann, wenn Sie neue stichhaltige Gründe für eine Lohnerhöhung nennen können. Das kann eine abgeschlossene Ausbildung oder die erfolgreiche Realisierung eines wichtigen Projekts sein.

Was gilt es bei Lohnverhandlungen auf jeden Fall zu vermeiden?

Sie sollten nicht mit rein privaten Gründen argumentieren. Das Argument, dass Ihre Wohnungsmiete gestiegen ist, und Sie deshalb einen höheren Lohn brauchen, ist zwar nachvollziehbar, aber für die meisten Arbeitgeber irrelevant. Versuchen Sie stattdessen, sich in die Situation des Arbeitgebers zu versetzen. Dieser sollte ja dafür sorgen, dass niemand in der Firma aus privaten Gründen bevorzugt behandelt wird.

Was soll ich antworten, wenn ich im Bewerbungsgespräch nach dem gewünschten Lohn gefragt werde?

Klären Sie vor dem Gespräch mit einem Lohncheck ab, welcher Lohn für die neue Position möglich wäre. Überlegen Sie sich einige gute Argumente, wieso der gewünschte Lohn gerechtfertigt ist. Ein Ausgangspunkt kann beispielsweise der Lohn Ihrer letzten Anstellung sein.

Ein weiterer guter Tipp: Nennen Sie nicht einfach eine konkrete Zahl, sondern besser eine Spannweite Ihres Wunschlohns. Damit stellen Sie den Personalverantwortlichen nicht vor vollendete Tatsachen.

Weitere Informationen:
Lohncheck: Schweizer Löhne im Vergleich

Moneyland-Redaktion, 24. Oktober 2016

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