Robo Advisors: digitale Vermögensverwalter

Was machen eigentlich Robo Advisors? Welches sind die Unterschiede zu traditionellen Vermögensverwaltern?

Die Digitalisierung der Finanzwelt ist seit einigen Jahren in aller Munde. Neben Bereichen wie Payments, Personal Finance Management oder Kredite ist auch die Digitalisierung der Vermögensverwaltung ein Thema, das immer mehr Banken und Finanzstartups beschäftigt.

Anlegen 2.0

Rund um das weite Feld der Themen Anlegen und Trading gibt es neben neuen Software-Lösungen eine Vielzahl von Fintech-Startups, die direkt im Kontakt mit den Endkunden stehen.

Dazu gehören etwa Social-Trading-Plattformen wie ayondo, wikifolio oder eToro, Trading-Apps wie Robinhood oder Loyal3, Informationsanbieter wie 2iQ Research, Crowdsource-Tools wie StockPulse, Sentifi, sharewise oder estimize, Mirroring-Anbieter wie Covestor oder AlphaClone und viele mehr.

Vermögensverwaltung 2.0

Seit einigen Jahren nimmt auch die Zahl der Fintech-Startups zu, welche die Anlageberatung und Vermögensverwaltung durch digitale Plattformen ersetzen möchten.

In der Regel funktionieren elektronische Vermögensverwalter wie folgt:

In einem ersten Schritt werden einige Angaben vom Nutzer verlangt, die zur Erstellung seines Kundenprofils inklusive Risikoprofil – also der Risikotoleranz und Risikofähigkeit – benötigt werden. Hier ist der Prozess im Wesentlichen derselbe wie beim traditionellen Anlageberater, findet aber einfach am Bildschirm statt.

In einem zweiten Schritt wird auf der Basis des Risikoprofils und allfälliger individueller Wünsche automatisch ein Portfolio auf der Basis von kostengünstigen «passiven» ETF-Produkten erstellt. Traditionelle Vermögensverwalter hingegen investieren häufig «aktiv» auf der Basis von ausgewählten Einzelprodukten.

In einem dritten Schritt werden die erstellen Portfolios laufend überwacht (Monitoring) und der neuen Marktlage angepasst (Rebalancing). Hier ist der Automatisierungsgrad im Unterschied zum traditionellen Vermögensverwalter in der Regel höher.

Im Fall der Online-Vermögensverwalter werden die Portfolios über kooperierende Banken oder Online-Broker auch tatsächlich umgesetzt und gekauft. Reine Online-Anlageberater erstellen hingegen nur die Anlagevorschläge, wobei der Kunde selbst für die Umsetzung zuständig ist.

Das Ziel der Online-Vermögensverwaltung ist es, möglichst viele Vorteile der traditionellen standardisierten Vermögensverwaltung zu erhalten und gleichzeitig deren grössten Nachteile zu reduzieren (einen Überblick über die Vor- und Nachteile der althergebrachten Vermögensverwaltung finden Sie hier).

Vorteil Nummer 1: Zeitersparnis

Die neuen digitalen Vermögensverwalter sollen wie auch Vermögensverwalter aus Fleisch und Blut möglichst viel Aufwand abnehmen. Als Vermögensverwaltungs-Kunde möchte man sich schliesslich möglichst wenig mit Finanzfragen und administrativen Aufgaben herumschlagen müssen. Für alle, die selber in Finanzfragen entscheiden möchten, gibt es schliesslich bereits etablierte Online-Trading-Portale.

Das bedingt zum einen, dass die Online-Plattform möglichst einfach und gut verständlich funktioniert. Zum anderen muss der Online-Vermögensverwalter nicht nur ein Monitoring anbieten, sondern zugleich auch die Ausführung der Anlagevorschläge sowie das Rebalancing automatisch durchführen können.

Digital: 1 vs. traditionell: 1

Vorteil Nummer 2: Finanz-Expertise

Die Dienstleistungen eines Vermögensverwalters nimmt man nur in Anspruch, wenn man von seiner Expertise in Geldfragen überzeugt ist.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass passive Anlagestrategien gegenüber aktiven Methoden längerfristig vorzuziehen sind. Bezüglich Produktpalette sind die passiv investierenden Online-Vermögensverwalter den vorwiegend aktiv wirtschaftenden traditionellen Anbietern also überlegen.

Im Fall der Asset Allocation allerdings kommen auch passive Anleger nicht um aktive Entscheidungen herum. Hier ist auch beim Online-Vermögensverwalter entscheidend, wie fundiert die Anlageentscheidungen für die jeweiligen Risikoprofile der Kunden sind.

Dabei werden immer mehr der Asset-Allocation-Entscheidungen im Fall von Online-Vermögensverwaltern von automatisierten Algorithmen gefällt. Man spricht deshalb auch von «Robo Advisors» oder «Algo Banking».

Digital vs. traditionell: noch nicht entschieden

Vorteil Nummer 3: Integriertes Angebot

Vermögensverwalter verfügen im Idealfall nicht nur über eine Anlagekompetenz, sondern sind auch Ansprechperson für eine Reihe von weiteren Finanzfragen. Dazu können zum Beispiel Steuerangelegenheiten gehören. Auch persönliche Spezialwünsche der Kunden werden im Rahmen der so genannten individuellen Vermögensverwaltung berücksichtigt.

Hier können die meisten Online-Vermögensverwalter ihren traditionellen Wettbewerbern noch nicht das Wasser reichen, zumal die Beratung aus Kostengründen auf ein Minimum reduziert wird. Allerdings bieten auch Banken ihre individuellen Services nur sehr reichen Kunden (so genannten HNWI und UHNWI) an. Die übrigen Kunden müssen mit einer standardisierten Vermögensverwaltung vorlieb nehmen.

Digital: 0 vs. traditionell: 1

Vorteil Nummer 4: Information

Der Kunde von heute möchte zwar möglichst wenig Zeit mit Geldfragen verschwenden, aber trotzdem jederzeit informiert sein. Mit dem Siegeszug der Smartphones muss der moderne Vermögensverwalter jederzeit auch mobile präsent sein. Die eigenen Portfolios sollten jederzeit auf dem aktuellsten Stand einzusehen und verschiedene Alerts abonnierbar sein.

Auch traditionelle Vermögensverwalter bieten vermehrt Online- und Mobile-Lösungen mittels spezialisierter Software am. Als Beispiel kann das Vermögensberatungsangebot UBS Advice erwähnt werden. Trotzdem sind Online-Vermögensverwalter bezüglich Informationsverarbeitung als digitale Vorreiter grundsätzlich im Vorteil.

Digital: 1 vs. traditionell: 0

Kostenvorteile von «Robo Advisors»

Der grösste Nachteil der traditionellen Vermögensverwaltung sind ihre hohen Gebühren. Dabei wird Einfluss der Kosten auf den Anlageerfolg von den meisten Kunden unterschätzt.

Hier sind die neuen Robo-Angebote ganz klar im Vorteil. So verlangen zum Beispiel die Schweizer Anbieter TrueWealth mit 0.5% oder Investomat der GLKB mit 0.6% an jährlichen Gebühren deutlich weniger als klassische Anbieter.

Im internationalen Bereich sind die Gebühren noch tiefer: So verlangen beispielsweise SigFig und Wealthfront nur 0.25% pro Jahr plus ETF-Gebühren von durchschnittlich 0.15%. Für Transaktionen werden keine zusätzlichen Gebühren verlangt.

Die Kosten-Vorteile schätzt auch der Internet-Unternehmer und Fintech-Investor Marc P. Bernegger als markant ein: «Durch die schlanken Strukturen sind Robo-Advisors in der Lage, auf der passiven Investment-Seite vergleichbare Services wie traditionelle Privatbanken zu einem Bruchteil der Kosten anzubieten. Das ist für die etablierten Anbieter in Zukunft eine grosse Herausforderung.»

Die Gebühren sind zwar immer noch etwas höher als handelsübliche Multi-Asset-ETFs, dafür muss der Kunde den ETF-Einkauf nicht selber tätigen.

Digital: 1 vs. traditionell: 0

Geschäftsmodell von «Robo Advisors»

Online-Vermögensverwalter verlangen in der Regel für Konto- und Depotführung sowie Transaktionen keine zusätzlichen Gebühren. Auch Retrozessionen sind nicht verbreitet. Robo Advisors leben also in erster Linie von der verlangten Verwaltungsgebühr.

Aufgrund der geringeren Gebühren verlangt das Geschäftsmodell wie auch bei anderen Internet-Modellen ein höheres Kundenvolumen zur Erreichung der Rentabilität. Schweizer Anbieter gehen von rund 1 Milliarde Franken an Assets under Management (AUM) aus, die zur Profitabilität akquiriert werden müssen.

Das ist eine hohe Hürde: «Aus Investoren-Sicht ist das Thema Robo-Advising sehr anspruchsvoll, da sich langfristig wohl nur wenige Player mit einer substantiellen Profitabilität durchsetzen werden», so Fintech-Investor Bernegger.

Trotzdem ist Bernegger überzeugt, dass Robo Advisors einen nachhaltigen Einfluss auf das Private Banking haben werden, vergleichbar mit den Veränderungen, die ETFs auf die aktiven Fonds haben.

Robo Advisors in den USA und Europa

In den letzten Jahren haben eine Vielzahl von neuen Online-Vermögensverwaltern auf sich aufmerksam gemacht. Dazu gehören etwa Wealthfront, Sigfig, Betterment oder FutureAdvisor in den USA. Die meisten der Anbieter bieten zudem automatisierte Steueroptimierungen (Tax Loss Harvesting) an.

In Europa sind unter anderem die folgenden Robo Advisors in Rampenlicht getreten: Nutmeg (Grossbritannien), Moneyfarm (Italien), Swanest (Europa), Fiverady (Grossbritannien), Cashboard (Deutschland), Money on toast (Grossbritannien), Ginmon (Deutschland), Vaamo (Deutschland), Quirion (Deutschland), Whitebox (Deutschland), Easyfolio (Deutschland), Indexacapital (Spanien), Marie Quantier (Frankreich), Feelcapital (Spanien) und Easyvest (Belgien).

Andere Anbieter wie Personal Capital (USA) haben sich auf eine besonders anspruchsvolle und vermögende Kundschaft spezialisiert und offerieren zusätzliche persönliche Beratungen und Services.

Auch sind immer mehr Software-Anbieter wie Jemstep auf dem Markt, die entsprechende Online- und Mobile-Lösungen für Vermögensverwalter anbieten.

Robo Advisors in der Schweiz

Die als Online-Vermögensverwalter konzipierte Nettobank wurde mit dem Aus der Mutterbank Wegelin 2012 wieder eingestellt. Am Markt sind noch die Online-Bank Swissquote mit ihrer e-Private Banking-Lösung sowie neuerdings die Glarner Kantonalbank mit ihrem Online-Angebot Investomat. Als unabhängiger Anbieter ist kürzlich TrueWealth lanciert worden.

Fazit

Online-Vermögensverwalter haben mit ihren geringeren Kosten und der passiven Anlagephilosophie zwei starke Vorteile gegenüber der traditionellen (aktiven) Vermögensverwaltung vorzuweisen.

Längerfristig werden sich Online-Anbieter immer stärker durchsetzen - sei es bei Banken oder aber als unabhängige Dienstleister. Banken haben aufgrund der drohenden Kannibalisierung der teureren herkömmlichen Vermögensverwaltung aber vorerst keinen grossen Anreiz, kostengünstige Online-Angebote zu bewerben.

Kurz- und mittelfristig wird die Kundenakquise für Online-Anbieter aufgrund der geringeren Bekanntheit und des fehlenden persönlichen Kontakts die grösste Herausforderung sein.

Vielversprechend sind deshalb auch Mischformen, welche die Vorteile der Online-Plattformen mit zusätzlichen persönlichen Services wie telefonischer Beratung verbinden.

Ihre Moneyland-Redaktion, März 2015

Weiterführende Informationen:
Aktives und passives Anlegen im Vergleich
Online-Broker-Vergleich
Private-Banking-Vergleich
Vor- und Nachteile der Vermögensverwaltung
True Wealth: Anbieterinformationen und gratis Demo-Konto
Investomat

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