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Was die Schweiz alles abschaffen möchte

Der unabhängige Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat im Rahmen einer repräsentativen Umfrage untersucht, welche Pflichten und Institutionen Schweizerinnen und Schweizer am liebsten abschaffen möchten. Resultat: Die Schweizer Bevölkerung spricht sich unter anderem für die Abschaffung von Roaming- und Fremdwährungsgebühren, Massentierhaltung, Zeitumstellung und Krankenkassen-Franchisen aus. Je nach Region, Geschlecht und Alter gibt es Unterschiede.

Auch in der Schweiz wird immer wieder über die mögliche Abschaffung von althergebrachten Dienstleistungen, Pflichten und Institutionen debattiert. Doch was möchte die Schweizer Bevölkerung wirklich abschaffen?

moneyland.ch wollte es genauer wissen und hat im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 1500 Personen in der Deutsch- und Westschweiz die Frage gestellt, ob sie die Abschaffung von verschiedenen Dienstleistungen und Pflichten befürworten. Die Umfrage ist vom Marktforschungsinstitut Ipsos (ehemals GfK) realisiert worden.

Befragt wurden neben Geldthemen auch aktuell kontroverse Abschaffungsthemen aus dem Alltag. Dabei konnten die Befragten differenziert antworten und zwischen 1 (ich befürworte eine Abschaffung ganz und gar nicht) bis zu 10 (ich befürworte eine Abschaffung voll und ganz) wählen.

Resultat: Am stärksten befürwortet die Schweizer Bevölkerung die Abschaffung der Roaming-Gebühren: 84% befürworten eine Abschaffung «eher bis voll und ganz» (das entspricht den Punkten 6 bis 10). Danach folgenden Fremdwährungsgebühren im Banking (74%), Massentierhaltung (72%), Zeitumstellung (71%), Atomkraftwerke (64%), Radio- und Fernsehgebühren (63%), Krankenkassen-Franchisen (52%) und Pauschalbesteuerung (50%).

Weniger als 50% Zustimmung erhält die Abschaffung der Krankenkassen-Prämien (49%), des Eigenmietwerts (48%), des Bankgeheimnisses für ausländische Bürger (45%), der allgemeinen Wehrpflicht in der Schweiz (41%), aller Steuern (34%), des Bankgeheimnisses für Schweizer Bürger (31%), der Tempolimiten auf der Autobahn (29%), der Festnetz-Telefonie (28%), Bussgelder im Verkehr (27%), Privatbesitz (16%), Bargeld (15%) und Kartengeld (Kreditkarte/Debitkarte: 15%), Bankfilialen (14%) und schlussendlich Postfilialen (12%).

Telekom: Ärgernis Roaming-Gebühren

Die Festnetz-Telefonie wird zwar aufgrund des Siegeszugs des Smartphones immer weniger populär. Eine Abschaffung hingegen befürworten nur 28% der Befragten – die jüngste Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen mit 38% deutlich mehr als die älteren Befragten.

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren hingegen ist hoch im Kurs: 84% befürworten eine solche «eher bis voll und ganz». Auch wenn eine Abschaffung der Roaming-Gebühren nach dem letzten Nationalrat-Entscheid vorerst eine Illusion bleiben dürfte, sind die hohen Roaming-Kosten für viele Schweizerinnen und Schweizer offensichtlich ein Ärgernis. In der Westschweiz ist die «Abschaffungsbereitschaft» mit 86% noch etwas höher als in der Deutschschweiz mit 83%. Bei den 18- bis 25-Jährigen befürworten 73% eine Abschaffung, während es bei den älteren Altersgruppen jeweils 86% sind.

Fremdwährungsgebühren im Banking

Die Fremdwährungsgebühren im Schweizer Banking sind den Kunden ein Dorn im Auge: 74% befürworten eine Abschaffung der Fremdwährungsgebühren «eher bis voll und ganz» und nur 15% sind gegen eine Abschaffung. Während die Abschaffungsbereitschaft bei Männer und Frauen sowie  Deutsch- und Westschweizer ähnlich hoch ist, nimmt sie mit steigendem Alter zu.

Bevölkerung befürwortet Abschaffung der Massentierhaltung

«Schweizerinnen und Schweizer sprechen sich mehrheitlich gegen eine Massentierhaltung aus», so Benjamin Manz, Geschäftsführer vom unabhängigen Online-Vergleichsdienst moneyland.ch. 72% befürworten die Abschaffung «eher bis voll und ganz», nur 17% befürworten eine Abschaffung «nicht bis weniger». Deutlich ist der Geschlechterunterschied: Frauen sprechen sich zu 78% gegen eine Massentierhaltung aus, bei den Männern sind es nur 66%. 75% der 18- bis 25-Jährigen sprechen sich für eine Abschaffung aus, bei den 26- bis 49-Jährigen sind es 72% und bei den 50- bis 74-Jährigen 70%. 73% der Deutschschweizer befürworten eine Abschaffung, in der Westschweiz sind es 70%.

Schweiz befürwortet Abschaffung der Zeitumstellung

«Schweizerinnen und Schweizer befürworten eine Abschaffung der Zeitumstellung deutlich», wie Analyst Silvan Wehrli feststellt. 71% befürworten die Abschaffung «eher bis voll und ganz», nur 19% befürworten eine Abschaffung «nicht bis weniger». In der französischen Schweiz ist die Bevölkerung noch etwas «abschaffungswilliger» als in der Deutschschweiz (Abschaffungsbereitschaft von 72% gegenüber 70% in der Deutschschweiz). Männer möchten die Zeitumstellung etwas eher als Frauen abschaffen (72% gegenüber 69%), die Landbevölkerung eher als die Stadtbevölkerung (73% gegenüber 69%). Erstaunlicherweise gibt es grosse Altersunterschiede: Nur 50% sprechen der 18- bis 25-Jährigen sprechen sich für eine Abschaffung aus, bei den 26- bis 49-Jährigen sind es 73% und bei den 50- bis 74-Jährigen sogar 76%.

Grosse Skepsis gegenüber Atomkraftwerken

Gross ist auch die Skepsis gegenüber Atomkraftwerken: 64% der Schweizer Bevölkerung befürwortet eine Abschaffung, nur 23% befürworten eine Abschaffung «gar nicht bis weniger». In der Atomfrage gibt es einen kleinen Röstigraben: In der Romandie befürworten 70% eine Abschaffung, in der Deutschschweiz sind es hingegen «nur» 62%. Noch signifikanter ist der Geschlechterunterschied in der Atomfrage: 72% der Frauen befürworten eine Abschaffung, bei den Männern sind es hingegen nur 57%. Hingegen gibt es keine grossen Unterschiede zwischen den Generationen: Alle Altersgruppen beurteilen eine Abschaffung von Atomkraftwerken ähnlich.

Radio- und Fernsehgebühren

Unter den Befragten sprechen sich 63% «eher bis ganz und gar» für eine Abschaffung von Radio- und Fernsehgebühren aus, 26% befürworten eine Abschaffung «gar nicht bis weniger». Die relativ hohe Abschaffungsbereitschaft mag erstaunen, ist doch die No-Billag-Initiative 2018 bachab geschickt worden. Allerdings ist in der jetzigen Umfrage auch nicht auf die Leistungen der Radio- und Fernsehmedien hingewiesen worden.

Unbeliebte Krankenkassen-Franchisen

Franchisen in der Krankenkassen-Grundversicherung werden aufgrund des Kostenwachstums tendenziell weiter angehoben werden. 52% der Bevölkerung möchten die Franchisen aber am liebsten ganz abschaffen – nur 33% sprechen sich gegen eine Abschaffung aus. In der Romandie ist der Abschaffungswille noch ausgeprägter als in der Deutschschweiz. Unklar ist, ob sich die Befragten auch bewusst sind, dass ohne Franchisen auch die Prämien angehoben werden müssten.

Pauschalbesteuerung und Privatbesitz

Die Abschaffung «aller Steuern» befürworten nur 34%. Offensichtlich ist der Mehrheit der Befragten klar, dass Steuern auch einen Zweck erfüllen. Die Abschaffung einer Pauschalbesteuerung befürworten mit 50% allerdings deutlich mehr Befragte – bei den Frauen sind es 51%, bei den Männern 49%. Den Privatbesitz möchten 16% «eher bis voll und ganz» abschaffen – 72% sind gegen eine Abschaffung.

Umstrittener Eigenmietwert

Die Abschaffung des Eigenmietwerts wird seit Jahren kontrovers diskutiert und hat sich in letzter Zeit konkretisiert. Es handelt sich um eine verhältnismässig technische Diskussion, die ausschliesslich Hausbesitzer direkt betrifft. Entsprechend haben sich hier viele der Befragten (nämlich rund 20%) der Stimme enthalten. Von den übrigen Befragten befürworten 48% eine Abschaffung «eher bis voll und ganz», 29% «nicht bis weniger» und «23%» sind unentschieden. In der Deutschschweiz befürworten 46% eine Abschaffung, in der Romandie sind es 52%. Die Landbevölkerung befürwortet die Abschaffung zu 50%, in den Städten sind es 47%.

Allgemeine Wehrpflicht umstritten

41% der Bevölkerung spricht sich «eher bis ganz und gar» gegen die allgemeine Wehrpflicht in der Schweiz aus, 46% hingegen «nicht bis weniger» an einer Abschaffung interessiert. Interessant: Westschweizer (45%) befürworten eine Abschaffung eher als Deutschschweizer (39%), die Stadtbevölkerung (43%) eher als die Landbevölkerung (35%). Frauen und Männer beurteilen die allgemeine Wehrpflicht allerdings ähnlich.

Bevölkerung gegen eine Abschaffung des Bankgeheimnisses im Inland

Während das traditionelle Bankkundengeheimnis gegenüber dem Ausland bereits fallengelassen worden ist, existiert das Bankkundengeheimnis für inländische Kunden weiterhin. «Gemäss der Umfrage von moneyland.ch möchte die Schweizer Bevölkerung am Bankgeheimnis im Inland festhalten», so Benjamin Manz. Nur 31% der Befragten befürworten eine Abschaffung des Bankgeheimnisses für Schweizer Bürgerinnen und Bürger «eher bis voll und ganz», 55% sprechen sich gegen eine Abschaffung aus. Die jüngste Altersgruppe lehnt eine Abschaffung deutlicher ab als die älteren Befragten: 58% der 18- bis 25-Jährigen sind gegen eine Abschaffung, bei den 26- bis 49-Jährigen sind es 53% und bei den 50- bis 74-Jährigen 56%. Frauen sprechen sich stärker gegen eine Abschaffung des inländischen Bankgeheimnisses aus als Männer, Deutschschweizer stärker als Westschweizer.

Bussgelder und Tempolimiten: Männer befürworten eine Abschaffung eher als Frauen

In Verkehrsfragen urteilt die Schweizer Bevölkerung in der vorliegenden Umfrage mehrheitlich realistisch. Nur 27% befürworten eine Abschaffung der Bussgelder im Verkehr und nur 29% eine Abschaffung der Tempolimiten auf Autobahnen. Bezüglich Bussgeldern im Verkehr befürworten 32% in der Westschweiz gegenüber 24% in der Deutschschweiz eine Abschaffung, bei den Männern sind es 30% gegenüber 24% bei den Frauen. Bezüglich Tempolimiten sehen die Verhältnisse ähnlich aus: 31% befürworten eine Abschaffung in der Westschweiz gegenüber 28% in der Deutschschweiz, bei den Männern sind es 36% gegenüber nur 22% bei den Frauen.

Bevölkerung lehnt Abschaffung von Bargeld deutlich ab

«Trotz Digitalisierung und immer mehr Mobile-Zahlungen spricht sich die Schweizer Bevölkerung auch in dieser Umfrage klar für das Bargeld aus», so Analyst Wehrli. Nur 15% befürworten eine Abschaffung von Bargeld, 77% sind gegen eine Abschaffung. Deutschschweizer (79% sind gegen eine Abschaffung) lehnen eine Abschaffung noch stärker ab als Westschweizer (74%), Frauen (81%) stärker als Männer (73%), die Landbevölkerung (81%) stärker als die Stadtbevölkerung (76%), die Älteren stärker als die Jüngeren (50- bis 74-Jährige 80%, 26- bis 49-Jährige 77%, 18- bis 25-Jährige 74%).

Bevölkerung hängt an ihren Bank- und Postfilialen

Die fortschreitende Digitalisierung wird zu einem Rückgang von Bank- und Postfilialen führen. Von einer Abschaffung der Filialen möchte die Schweizer Bevölkerung allerdings nichts wissen. Im Gegenteil: 74% sind gegen eine Abschaffung der Bankfilialen und sogar 80% gegen eine Abschaffung der Postfilialen. Die Romands sind gegenüber einer Abschaffung der Filialen etwas offener als die Deutschschweizer, die Männer etwas offener als die Frauen und die Städter etwas offener als die Landbevölkerung.

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