Neu bietet die Postfinance als eine der grössten Schweizer Banken wieder passive Vorsorgefonds an. Die Emissionsphase dauert vom 18. August 2025 bis zum 26. September 2025. Die Lancierung der neuen Fonds ist für den 26. September 2025 geplant.
Die Fonds «PF Pension - Passive Fund» werden in vier Varianten mit einem Aktienanteil von 25 Prozent, 50 Prozent, 75 Prozent und 100 Prozent angeboten.
Was fällt bei den Fonds auf?
Mit Ausnahme des Fonds mit 100 Prozent Aktienanteil investieren alle neuen Vorsorgefonds der Postfinance insbesondere in Obligationen und jeweils 7 Prozent in Schweizer Immobilien und 5 Prozent in Gold.
Auffällig ist, dass der Anteil der Investitionen in Schweizer Aktien mit einem Anteil von 2 bis 8 Prozent sehr gering ausfällt. Damit ist der Schweiz-Anteil höher als bei Welt-Indizes (typischerweise rund 2 Prozent), aber auch wesentlich niedriger als bei vielen Schweizer Vorsorgefonds.
Die passiven Vorsorgefonds der Postfinance können die Kundinnen und Kunden ausschliesslich über das E-Banking und der App von Postfinance zeichnen. Postfinance bietet zu den passiven Vorsorgefonds keine Beratung an.
Anders als bei den aktiv verwalteten Vorsorgefonds von Postfinance berücksichtigen die neuen Vorsorgefonds keine ESG- und keine Nachhaltigkeitskriterien.
Was kosten die neuen Postfinance-Fonds?
Postfinance strebt für die neuen Vorsorgefonds eine Total Expense Ratio (TER) je nach Fondsvariante zwischen 0.74 und 0.87 Prozent pro Jahr an. Da die TER jeweils rückwirkend berechnet und ausgewiesen wird, werden die effektiven Kosten erst in der Zukunft bekannt sein.
Wie der Blick auf die Tabelle zeigt, ist die jährliche TER bei den passiven Fonds bis zu 0.43 Prozentpunkte niedriger als bei den aktiven Fonds von Postfinance. Oder anders gesagt: Die aktiven Fonds von Postfinance sind bis zu 54 Prozent teurer als die passiven Produkte.
Was sagt Postfinance zu den neuen Fonds?
Bis Mai 2022 hatte Postfinance bereits passiv verwaltete Fonds angeboten. Diese wurden dann in aktiv gemanagte Vorsorgefonds umgewandelt – was zu einer Verteuerung von fast 30 Prozent führte. Postfinance begründete im Mai 2022, dass bei aktiven Vorsorgefonds eine höhere Rendite möglich sein könnte und die Fonds auch sozialer und nachhaltiger seien.
Auf Anfrage von moneyland.ch teilt Postfinance mit, dass Postfinance im Jahr 2022 dem Kundenbedürfnis nach nachhaltig ausgerichteten Vorsorgefonds entgegengekommen sei. In der Zwischenzeit hätten sich gemäss Postfinance die Bedürfnisse und Ansprüche der Kundinnen und Kunden verändert. «Mit der Erweiterung des Fondsangebots um passive Vorsorgefonds kommt Postfinance dem zusätzlichen Kundenbedürfnis nach kostengünstigen und indexierten Vorsorgefonds entgegen», schreibt Postfinance weiter.
Welche etablierten Banken bieten auch passive Vorsorgefonds an?
Von den wichtigsten traditionellen Schweizer Banken bieten bisher Raiffeisen, UBS und die Zürcher Kantonalbank passive Fonds an. Allerdings ist das Volumen von passiv verwalteten Vorsorgefonds im Vergleich zu aktiv verwalteten Vorsorgefonds noch sehr gering: Bei der UBS sind es per Dezember 2024 knapp unter 5 Prozent, bei Raiffeisen per Juli 2024 rund 14 Prozent. Berücksichtigt wurden dabei jeweils die Anteilsklassen, die den Privatkundinnen und -kunden angeboten werden.
Andere wichtige Schweizer Banken wie die Migros Bank, Bank Cler und Valiant bieten bisher keine passiven Vorsorgefonds an.
Wie schlagen sich die Fonds im Vergleich zu Anlage-Apps?
Anders als die traditionellen Banken setzen Vorsorge-Apps sehr stark auf passive Anlagestrategien. Bei Anbietern wie Frankly, Viac und True Wealth betragen die jährlichen Gesamtkosten weniger als ein halbes Prozent. Die Vorsorge-Apps haben in den letzten Jahren den Markt aufgewirbelt: Pionier Viac kommt inzwischen auf 5 Milliarden Franken Anlagevolumen und Frankly von der ZKB auf über 4 Milliarden Franken.
Die Grafik mit einer vereinfachten Kostenberechnung über zehn Jahre zeigt deutlich, dass passive und indexnahe Vorsorgefonds deutlich günstiger sind als aktiv verwaltete Vorsorgefonds. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern sind sehr gross. Bei der günstigsten Lösung betragen die Kosten über zehn Jahre gerechnet nur rund 1300 Franken, bei der teuersten rund 17'100 Franken.
Einschätzung von Ralf Beyeler, Geld-Experte von moneyland.ch
Grundsätzlich ist bei der Vorsorge eine passive Anlagestrategie einer aktiven Anlagestrategie vorzuziehen. Es ist zwar theoretisch möglich, dass ein aktiver Vorsorgefonds mit Berücksichtigung der Gebühren besser abschneidet als ein passiver. Doch über längere Zeit schaffen es nur wenige Fonds, den Index zu schlagen.
Für Banken sind aktiv verwaltete Produkte attraktiver, da sie mit damit mehr Gebühren verrechnen und mehr Geld verdienen können. Dementsprechend gerne verkaufen die Banken aktiv verwaltete Vorsorgefonds.
Interessant finde ich, dass Postfinance die neuen Vorsorgefonds ihren Kundinnen und Kunden nur über das E-Banking und die App anbieten. Die Fonds richten sich also an ein digitalaffine Kundschaft. Allerdings dürften diese Zielgruppe eine Vorsorge-App mit wesentlich attraktiven Konditionen vorziehen.
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