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Bankkonto für Ausländer in der Schweiz

Ausländische Staatsbürger können – je nach Aufenthaltsbewilligung – nicht bei allen Schweizer Banken ein Konto eröffnen. Die Banken kennen für unterschiedliche ausländische Kundengruppen eine Reihe von Restriktionen, wie Recherchen von moneyland.ch ergeben haben.

In Deutschland sind zurzeit Bankkonten für Flüchtlinge ein grosses Thema. Ohne Konto gibt es keine Wohnung und keinen Job. Viele deutsche Banken weisen die Flüchtlinge aber ab. Als Gründe werden unter anderem fehlende Ausweise oder Sprachbarrieren genannt, da aufgrund fehlender Deutsch- oder Englischkenntnisse manchmal Dolmetscher nötig sind.

Neuerdings erkennt die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin die «Duldungspapiere» der Migrationsämter als Ersatzausweise für Kontoeröffnungen an. Banken halten dagegen, dass internationale Gesetze gegen Geldwäscherei prioritär zu behandeln seien. Anfang 2016 will die deutsche Bundesregierung aber ein Gesetz erlassen, dass auch Flüchtlingen und Obdachlosen ein Recht auf ein Konto zuspricht.

Konto für Ausländer: Wie sieht die Lage in der Schweiz aus?

Die kurze Antwort lautet: Je nach Bank gibt es grosse Unterschiede, ob ausländische Staatsbürger in der Schweiz ein Konto erhalten. Da sich die Personen in der Schweiz aufhalten, müssen sie zwar nicht wie Personen mit Wohnsitz im Ausland zusätzliche Gebühren zahlen. Trotzdem bleibt ihnen bei vielen Banken je nach Art der Aufenthaltsbewilligung eine Kontoeröffnung verwehrt.

PostFinance mit Grundversorgungsauftrag

Uneingeschränkt ist nur bei wenigen Schweizer Banken eine Kontoeröffnung möglich.

Dazu gehört neben der Aargauischen Kantonalbank und der Credit Suisse auch die PostFinance, die einen gesetzlich festgelegten Grundversorgungsauftrag hat. Die PostFinance hat also gar keine Wahl: Alle Privatpersonen mit Ausweispapieren können bei der «Postbank» ein Konto eröffnen, und zwar unabhängig davon, wie lange sie sich in der Schweiz aufhalten.

Auch die Schaffhauser Kantonalbank akzeptiert prinzipiell alle Ausweistypen, sofern die Kunden zusätzlich heimatliche Ausweisdokumente oder eine gültige Arbeitsbestätigung vorweisen können.

Kontoeröffnung mit Ausweisen B und C

Mit einer Aufenthaltsbewilligung B oder einer Niederlassungsbewilligung C können ausländische Staatsangehörige bei den meisten Banken ohne Schwierigkeiten ein Konto eröffnen. Das gilt auch für Diplomaten, die wohl als genügend vertrauenswürdig gelten. Die Waadtländer Kantonalbank BCV nimmt prinzipiell alle Personen als Kunden auf, sofern sie über eine Schweizer Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligung von mindestens 6 Monaten verfügen.

Kontoeröffnung je nach Nationalität und Kundenprofil

Andere Banken machen eine Kontoeröffnung vom Kunden- und Personenprofil abhängig. So prüft die UBS gemäss eigenen Angaben «jeden Antrag zur Eröffnung einer Kundenbeziehung vorab individuell». Ein Kriterium einer Kontoeröffnung kann auch die Nationalität der Kunden sein. Auch bei der Zürcher Kantonalbank ist das «Gesamtbild der Kundensituation» entscheidend.

Die Thurgauer Kantonalbank ist hier noch etwas restriktiver. Mit ausländischen Kunden ohne festen Wohnsitz in der Schweiz eröffnet die TKB in der Regel gar keine Geschäftsbeziehung. «Wir spüren hier auch keine Nachfrage», so die Bank.

Einschränkungen für Flüchtlinge und Asylsuchende

Ausländische Staatsangehörige mit den Ausweisen F (vorläufig Aufgenommene), N (Asylsuchende) und S (Schutzbedürftige) sind bei vielen Schweizer Banken nicht oder nur eingeschränkt willkommen.

Dazu gehören etwa die Berner Kantonalbank und St. Galler Kantonalbank, die nur die Ausweise B und C akzeptieren. Auch bei Raiffeisen sind die Ausweise F, N und S prinzipiell nicht hinreichend, da sie gemäss Raiffeisen kein «Nachweis der Identität» darstellen. Bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank ist für Personen mit dem Ausweis F zusätzlich eine Wohnsitzbestätigung der Gemeinde nötig.

Bei der Obwaldner Kantonalbank sind Kontoeröffnungen nur in Ausnahmefällen möglich – allgemein sind die Eröffnungsdokumente ausschliesslich in deutscher Sprache vorhanden.

Bei der Migros Bank, UBS und Zürcher Kantonalbank hängt eine Kontoeröffnung von einer «individuellen Prüfung» ab und ist je nach Kundenprofil nur eingeschränkt möglich.

Bei der Luzerner Kantonalbank können vorläufig Aufgenommene ein Konto eröffnen, Asylsuchende und Schutzbedürftige mit Einschränkungen. Bei der Neuen Aargauer Bank (NAB) ist als eine weitere Bedingung eine Arbeitsbestätigung nötig.

Möglich ist eine Kontoeröffnung für Flüchtlinge und Asylsuchende bei der Bank Coop, der Basler Kantonalbank, der Credit Suisse und der PostFinance mit ihrem Grundversorgungsauftrag.

Bei Valiant und der Graubündner Kantonalbank ist die Kontoeröffnung für vorläufig Aufgenommene und Asylsuchende möglich, nur der Ausweis S genügt nicht als Identifikationspapier. Bei Valiant wird zudem in «seltenen Fällen» eine Wohnsitzbescheinigung verlangt.

Ohne amtlichen Ausweis kein Konto

Prinzipiell betonen alle Schweizer Banken, dass sie die geltende Regulationen und Sorgfaltspflichten einhalten müssen. Dazu gehört die «Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken» (VSB). Diese verlangt eine ausreichende Identifizierung des Kunden. Dafür ist ein «amtlich zugelassener» Ausweis nötig.

Ohne Identifikationspapiere ist denn auch bei allen Banken keine Kontoeröffnung möglich. Die PostFinance gibt an, dass sie bei Personen ohne Papiere im Einzelfall entscheidet und weitere Abklärungen trifft. 

Ihre Moneyland-Redaktion

Stand: Oktober 2015

Weiterführende Informationen:
Bankgebühren mit Wohnsitz im Ausland
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