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Börsengewinne: steuerpflichtig oder nicht?

Wann sind Börsengewinne steuerfrei? Die Moneyland-Redaktion klärt auf.

An der Börse geht’s mal auf, mal ab. Umso mehr freut sich der geneigte Börsianer, wenn er von einer Dividenden-Ausschüttung profitiert oder seine Aktien erfolgreich verkauft und einen Gewinn eingefahren hat. Doch die Schäfchen sind noch nicht unbedingt im Trockenen.

Steuerpflichtige Dividenden

Im Fall der Dividenden ist der Fall klar: Schweizer Anleger müssen Dividenden als Einkommen versteuern. Dabei wird zum steuerbaren Einkommen die so genannte Brutto-Dividende addiert – also die Dividende vor Abzug der Verrechnungssteuer.

Beispiel: Sie sind im Besitz von 300 Schweizer Aktien, pro Aktie wird eine Dividende von 3 Franken ausgeschüttet. Insgesamt erhalten Sie so eine Brutto-Dividende von 900 Franken, die zu Steuerzwecken zu Ihrem Einkommen hinzugezählt wird. Die Verrechnungssteuer in der Höhe von 35%, also 315 Franken, erhalten Sie vom Steueramt wieder zurück.

Schweizer Kapitalgewinne

Beim Wertschriften-Verkauf mit Gewinn ist der Sachverhalt etwas komplizierter. Hier ist entscheidend, ob es sich nach der Einschätzung des Steueramts um einen privaten oder einen gewerbsmässigen Wertschriftenhandel handelt.

Private Wertschriften-Gewinne – also Kapitalgewinne aus der Veräusserung von privaten Vermögen – sind von den Steuern befreit. Im Fall von gewerbsmässigem Börsenhandel sind die Gewinne allerdings als Einkünfte steuerpflichtig.

Private vs. gewerbsmässige Wertschriftenhändler

Die Krux: auch private Trader können unter Umständen von den Steuerbehörden als «gewerbsmässige» Wertschriftenhändler eingestuft werden. Dann werden die Verkaufsgewinne zum steuerbaren Einkommen addiert.

Die entscheidende Frage lautet also, ob Sie als Anleger als gewerbsmässiger oder privater Trader eingeschätzt werden.

Die 5 Kriterien der Steuerverwaltung

Die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV hat dafür in einem «Kreisschreiben» fünf Kriterien festgelegt. Wollen Sie zweifelsfrei sicher sein, dass Sie keine Kapitalgewinnsteuer bezahlen, müssen alle folgenden Kriterien erfüllt sein:

  1. Sie haben die verkauften Wertschriften während mindestens 6 Monate (vor dem Verkauf) gehalten.
     
  2. Ihr Transaktionsvolumen, also das Summentotal der Kauf- und Verkaufspreise aller ihrer Wertschriften, beträgt in einem Kalenderjahr höchstens das Fünffache des Wertschriften- und Guthabenbestands zu Beginn der Steuerperiode.
     
  3. Ihre Kapitalgewinne aus dem Wertschriftenhandel sind nicht nötig, um fehlende Einkünfte für Ihren Lebensunterhalt zu ersetzen. Faustregel: Die Kapitalgewinne pro Steuerperiode sollten weniger als 50 Prozent Ihres Reineinkommens ausmachen.
     
  4. Ihre Wertschriftenkäufe sind nicht mit fremden Mitteln finanziert. Oder: die steuerbaren Erträge wie Zinsen und Dividenden sind grösser als entsprechende Schuldzinsen.
     
  5. Falls Sie mit Derivaten und insbesondere Optionen handeln, dürfen Sie diese nur zur Absicherung der eigenen Wertschriften verwenden.

Im Rahmen dieser fünf Kriterien haben die Steuerämter eine Reihe von Ermessensspielräumen. Es kann also gut sein, dass Sie trotz einzelnen nicht-erfüllten Kriterien nicht als gewerbsmässiger Händler gelten und keine zusätzlichen Steuern zahlen müssen.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich am besten an einen spezialisierten Treuhänder. Alternativ kann Ihnen auch die Steuerbehörde im Voraus über eine verbindliche Voranfrage eine Beurteilung zustellen.

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