8.6 Millionen Kreditkarten stecken in Schweizer Portemonnaies. Und sie werden rege genutzt: Im Monat werden rund 70 Millionen Einkäufe und Dienstleistungen mit Schweizer Kreditkarten bezahlt. Diese Zahlen der Schweizerischen Nationalbank zeigen, dass Kreditkarten bei Schweizerinnen und Schweizern sehr beliebt sind.
Obwohl fast alle eine Kreditkarte haben, wissen nur wenige, wie gross die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kreditkarten tatsächlich sind. Wer seine Karten bewusst sorgfältig auswählt und bewusst einsetzt, kann Jahr für Jahr viel Geld sparen. Dieser Ratgeber von moneyland.ch zeigt die wichtigsten Tipps – und erklärt, wann statt der Kreditkarte die Debitkarte besser geeignet ist.
Was sind überhaupt Kreditkarten?
Viele Konsumentinnen und Konsumenten kennen den Unterschied zwischen den verschiedenen Kartenarten nicht.
Bei einer Kreditkarte fasst der Kartenherausgeber alle Belastungen des Monats in einer einzigen Abrechnung zusammen. Diese Monatsrechnung müssen Sie anschliessend bezahlen. Häufig wird diese Monatsrechnung automatisch dem Privatkonto belastet. Die Karte heisst Kreditkarte, weil die Kundinnen und Kunden bis zur Bezahlung einen kurzen Kredit erhalten. Viele Kreditkarten bieten zudem die Möglichkeit, den offenen Betrag in Raten abzubezahlen.
Bei Debitkarten – gelegentlich noch unter dem uralten Namen «EC-Karte» bekannt – hingegen wird jede Transaktion jeweils sofort dem Privatkonto belastet.
Tipp 1: Kreditkarten vergleichen und viel Geld sparen
Experten empfehlen, mindestens einmal pro Jahr die Konditionen von Kreditkarten zu vergleichen. Der interaktive Kreditkarten-Vergleich von moneyland.ch zeigt Ihnen bequem, welche Karte zu Ihrem Nutzungsverhalten passt.
Beim Profil «Vielnutzer» fallen bei den günstigsten Standardkarten Kosten von rund 160 Franken pro Jahr an, bei den teuersten sind es über 400 Franken. Diese Werte beziehen sich ausschliesslich auf Standardkarten – also ohne Gold- und Platinumkarten.
Tipp 2: Karte mit günstigen Konditionen fürs Ausland nutzen
Bei Kreditkarten-Transaktionen im Ausland fallen hohe Kosten an. Diese zwei Kostenfaktoren sind relevant:
- Bearbeitungszuschläge: Fast alle Schweizer Kreditkarten verrechnen für Transaktionen im Ausland einen Bearbeitungszuschlag von typischerweise 1.2 bis 2.5 Prozent. Keinen Bearbeitungszuschlag verrechnen hingegen die Cumulus-Kreditkarte der Migros Bank und die «Swisscard Kreditkarte».
- Wechselkurs-Aufpreis: Sehr relevant sind auch die vom Kreditkarten-Herausgeber verwendeten Wechselkurse. Erhebungen von moneyland.ch zeigen, dass für Transaktionen in Euro typischerweise ein Wechselkurs-Aufpreis von 1.3 bis 3 Prozent anfällt. Bei anderen Währungen fällt der Aufpreis oft noch höher aus.
Besonders günstig sind für den Einsatz im Ausland bestimmte Debitkarten: Bei der Bank Wir beträgt der Wechselkurs-Aufpreis nur etwa 0.1 Prozent, und es fallen keine Bearbeitungsgebühren an. Auch Wise und Alpian bieten für Zahlungen im Ausland vergleichsweise niedrige Kosten.
Wie stark sich die Unterschiede auswirken, zeigt ein Beispiel. Bei jährlichen Ausgaben im Ausland – zum Beispiel für Hotels, Restaurants, Transport und Einkäufe – zahlen Kundinnen und Kunden mit teuren Karten rund 250 Franken an Kosten. Mit günstigen Karten sind es hingegen nur etwa fünf Franken.
Weitere Informationen mit ausführlichen Angaben zu den verschiedenen Anbietern erhalten Sie im Ratgeber-Artikel zum Thema Zahlen und Geld abheben im Ausland.
Debitkarten sind eine Alternative zur Kreditkarte
Schweizerinnen und Schweizer nutzen Debitkarten häufiger als Kreditkarten. Mit modernen Debitkarten (Debit Mastercard, Visa Debit) lassen sich auch Online-Einkäufe bezahlen. Viele Banken ermöglichen zudem die Hinterlegung in Mobile-Payment-Systemen wie Apple Pay oder Google Pay.
Für Bargeldbezüge sind Debitkarten deutlich günstiger. Bei Zahlungen im Ausland verlangen viele Banken jedoch eine Grundgebühr pro Transaktion, was solche Zahlungen vergleichsweise teuer macht. Einige Banken verzichten allerdings auf diese Gebühr.
Debitkarten können Sie in der Regel überall dort einsetzen, wo auch Kreditkarten akzeptiert sind. Probleme kann es jedoch beim Check-in im Hotel oder bei der Automiete geben, da dort häufig eine Kreditkarte verlangt wird.
Tipp 3: Im Ausland nie in Schweizer Franken bezahlen
Es wirkt bequem: Das Zahlungsterminal oder der Bancomat bietet an, den Betrag direkt in Schweizer Franken zu belasten und zeigt Ihnen den Betrag gleich in der vertrauten Währung an. Es ist ein Fehler, diese Option zu wählen.
Der Trick: Der Händler und der Bancomat-Betreiber wenden einen sehr schlechten Wechselkurs an. Es ist durchaus möglich, dass Sie 10 bis 15 Prozent zu viel bezahlen.
Tipp: Um nicht in die Kostenfalle zu tappen, gewöhnen Sie sich an, immer in der jeweiligen Lokalwährung zu bezahlen. Das gilt auch für Einkäufe in ausländischen Online-Shops.
Tipp 4: Nie Bargeld mit der Kreditkarte beziehen
Egal ob in der Schweiz oder im Ausland: Für den Bargeldbezug mit einer Kreditkarte fallen sehr hohe Gebühren an. In der Regel müssen Sie mit einer Gebühr von 10 Franken pro Bezug rechnen. Wenn Sie umgerechnet 300 Franken beziehen, verlangen die meisten Schweizer Kreditkarten sogar eine Gebühr von 12 Franken.
Zum Vergleich: Mit einer Debitkarte kostet der Bargeldbezug in der Schweiz meist rund 2 Franken, an vielen Bancomaten ist er sogar gebührenfrei. Im Ausland beträgt die Gebühr mit der Debitkarte meist etwa 5 Franken.
Tipp 5: Bonus für Neukundinnen und Neukunden sichern
Schweizer Kreditkarten-Anbieter bieten häufig einen Bonus für neue Kundinnen und Kunden. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine einmalige Gutschrift, zusätzliche Bonuspunkte, Flugmeilen oder einen Einkaufsgutschein handeln. Kreditkarten-Anbieter sind bei Neukunden-Aktionen sehr kreativ. Insbesondere bei traditionellen Schweizer Banken fällt für neue Kundinnen und Kunden im ersten Jahr oft keine Jahresgebühr an.
Lassen Sie sich jedoch nicht vom Neukunden-Bonus blenden. Massgebend sind die tatsächlichen Kosten, die in den Folgejahren – also ohne Bonus – anfallen.
Manche Schnäppchenjägerinnen und -jäger wechseln regelmässig ihre Kreditkarte, um möglichst oft einen Neukunden-Bonus zu sichern.
Tipp 6: Mit Bonusprogrammen profitieren
Zahlreiche Schweizer Kreditkarten bieten ein Bonusprogramm. So sammeln Sie zum Beispiel Cumulus-Punkte, Supercard-Punkte, Bonuspunkte oder Meilen. Manche Kreditkarten bieten auch einen sogenannten Cashback an: Dabei wird Ihnen automatisch ein kleiner Prozentsatz Ihres Kreditkartenumsatzes gutgeschrieben. Weit verbreitet ist ein anderes Bonusprogramm: Sie erhalten eine Gutschrift auf die nächste Jahresgebühr. Voraussetzung dafür ist, dass Sie einen bestimmten Jahresumsatz erreichen.
Oft tönen Bonusprogramme in der Werbung besser, als sie tatsächlich sind. Alle Anbieter kennen Ausschlüsse und berücksichtigen nicht den gesamten Kreditkartenumsatz. Je nach Anbieter müssen Sie Prämien aktiv einlösen – ansonsten verfallen sie nach einer gewissen Zeit.
Aufpassen müssen auch Kundinnen und Kunden mit einer Gratis-Kreditkarte von Migros und Coop. Wenn Sie in der Migros mit der Migros-Kreditkarte oder im Coop mit der Coop-Kreditkarte bezahlen, sammeln Sie keine zusätzlichen Cumulus- oder Supercard-Punkte. Verwenden Sie hingegen eine Kreditkarte eines anderen Anbieters, profitieren Sie auch bei Einkäufen in diesen Supermarktketten vom jeweiligen Bonusprogramm.
Weitere Informationen zu den Bonusprogrammen von Schweizer Kreditkarten erhalten Sie im Ratgeber-Artikel von moneyland.ch.
Tipp 7: Zusatzleistungen der Kreditkarte ausschöpfen
Manche Konsumentinnen und Konsumenten nutzen ihre Kreditkarte lediglich als Zahlungsmittel. Doch einige Kundinnen und Kunden möchten eine Kreditkarte, mit der sie auch von Zusatzleistungen wie Versicherungen oder dem Zugang zu Flughafenlounges profitieren.
Je nach Kreditkarte sind zum Beispiel Shopping-Versicherungen, Reiseversicherungen und Mietwagenversicherungen enthalten. Wenn Ihnen solche Zusatzleistungen wichtig sind, achten Sie darauf, ob die gewünschten Deckungen tatsächlich enthalten sind. Je nach Bedürfnis kann es günstiger sein, diese Versicherungen über die Kreditkarte abzudecken, statt unabhängig davon abzuschliessen.
Wichtig zu wissen: Viele dieser Versicherungen gelten nur, wenn Sie die entsprechenden Ausgaben mit der betreffenden Kreditkarte bezahlt haben.
Ausführliche Informationen erhalten Sie im Ratgeber über Versicherungen von Schweizer Kreditkarten, Mietwagenversicherungen und den Zugang zu Flughafen-Lounges mit Kreditkarten.
Tipp 8: Optimale Ausgabenlimite wählen
Die Ausgabenlimite wird vom Kreditkarten-Herausgeber aufgrund Ihrer finanziellen Verhältnisse festgelegt – insbesondere anhand von Einkommen, Vermögen und Bonität.
Doch aufgepasst: Eine zu hoch angesetzte Limite kann dazu verleiten, mehr auszugeben als geplant. Tipp: Setzen sie die Limite so tief an, dass sie zu Ihrem Budget passt. Sie können vom Kreditkarten-Herausgeber verlangen, dass er die Limite reduziert.
Bei vielen Kreditkarten können Sie die Limite kurzfristig erhöhen, indem Sie mehr als den offenen Betrag einzahlen. So steht Ihnen vorübergehend – etwa in den Ferien – eine höhere Limite zur Verfügung.
Tipp 9: Mehrere Karten kombinieren
Es ist häufig sinnvoll, mehrere Karten dabei zu haben. Wenn eine Karte nicht funktioniert, können die anderen Karten möglicherweise weiterhin eingesetzt werden. Achten Sie daher darauf, dass Sie Karten von verschiedenen Kartenherausgebern mitnehmen und sowohl eine Mastercard wie auch eine Visa-Karte dabeihaben.
Auch aus Kostensicht lohnt es sich, verschiedene Karten zu kombinieren. Je nach Nutzung lohnt sich Folgendes:
- Schweiz: Eine Kreditkarte, mit der Sie Bonuspunkte, Meilen oder Cashback sammeln.
- Ausland: Eine Debitkarte mit günstigen Konditionen für Zahlungen im Ausland.
- Check-in im Hotel und Mietwagen: Eine Kreditkarte mit vergleichsweise günstigen Konditionen für Zahlungen im Ausland.
Sie können auch im Ausland Bonuspunkte, Meilen und Cashback sammeln. Doch aufgrund der Mehrkosten für die Nutzung der Kreditkarte im Ausland gegenüber der Debitkarte zahlen Sie unter dem Strich mit den Bonusprogrammen drauf.
Tipp 10: Rechnung pünktlich bezahlen
Begleichen Sie die Kreditkartenrechnung immer pünktlich. Wenn Sie die Rechnung zu spät bezahlen, fallen Mahngebühren und zusätzlich Verzugszinsen an. Je nach Kreditkarten-Herausgeber wird der Verzugszins sogar ab dem Einkaufsdatum berechnet.
Tipp: Wenn Ihnen einmal eine Rechnung übersehen und Mahngebühren sowie Verzugszinsen verrechnet werden, können Sie mit dem Anbieter verhandeln. Oft zeigen sich die Anbieter kulant und erstatten die bezahlten Mahngebühren und Verzugszinsen zurück, insbesondere bei guten Kundinnen und Kunden, die normalerweise pünktlich bezahlen.
Wenn Sie die Kreditkartenrechnung direkt Ihrem Bankkonto via Lastschriftverfahren belasten lassen, vermeiden Sie Verzugszinsen und Mahngebühren.
Tipp 11: Auf Teilzahlung verzichten
Vermeiden Sie die Teilzahlung. Mit der Teilzahlung bezahlen Sie nur einen Teil der offenen Monatsrechnung. Der Restbetrag wird verzinst. Die Zinsen können bis zu 11 Prozent pro Jahr betragen. Dadurch erhöht sich der offene Betrag schnell, insbesondere wenn Sie mehrere Monate hintereinander nur einen Teil der Rechnung begleichen.
Mehr Informationen zur Kreditkarten-Teilzahlung erhalten Sie im Artikel von moneyland.ch.
Tipp 12: Gold- und Platinum-Karten prüfen
Wenn Sie Interesse an zusätzlichen Leistungen wie Versicherungen (zum Beispiel Reiseversicherungen, Einkaufsversicherungen oder Mietwagenversicherungen) oder am Zugang zu Flughafen-Lounges haben, dann werfen Sie einen Blick auf die in Gold-Kreditkarten enthaltenen Zusatzleistungen.
Bei Gold-Kreditkarten ist die Jahresgebühr deutlich höher. Je nach Ihren Bedürfnissen kann sich eine Gold-Kreditkarte trotzdem rechnen. Bei den meisten Kreditkarten-Herausgebern erhalten nur ausgewählte Kundinnen und Kunden eine Gold-Kreditkarte.
Noch exklusiver, aber auch teurer sind Platinum-Kreditkarten. Diese erhalten nur Kundinnen und Kunden, die sehr gut verdienen oder ein hohes Vermögen haben.
Weitere Informationen:
Kreditkartenvergleich der Schweiz