Auch viele Menschen, die über ein beträchtliches Vermögen in Wertschriften verfügen, greifen auf Privatkredite zurück – um etwa ein Auto zu kaufen oder Liquiditätslücken zu überbrücken. Dabei kann ein Lombardkredit im Vergleich zu Privatkrediten wesentlich günstiger sein.
Was ist ein Lombardkredit?
Ein Lombardkredit, auch Wertpapierkredit genannt, ist eine Art besicherter Kredit, der von vielen Schweizer Banken und Brokern angeboten wird. Lombardkredite werden durch Aktien, Obligationen, ETF, Devisen, Edelmetalle und bestimmte andere Wertschriften besichert, die Sie der Bank als Sicherheit verpfänden. Jede Bank hat ihre eigenen Regeln, welche Vermögenswerte sie als Sicherheit akzeptiert. Sehr liquide Aktien, Obligationen und ETF werden in der Regel aber akzeptiert.
Um einen Lombardkredit zu erhalten, benötigen Sie ein Wertschriftendepot bei derselben Bank.
Wann kann ein Lombardkredit sinnvoll sein?
Wenn Sie Wertschriften und andere Vermögenswerte besitzen, kann ein Lombardkredit eine günstigere Alternative zu einem unbesicherten Privatkredit sein.
Lombardkredite, die Ihnen einen Kreditrahmen einräumen, haben einen zusätzlichen Vorteil: Sie können jederzeit nach Belieben Geld aufnehmen und zurückzahlen. Sie müssen die zweiwöchige Wartezeit, die bei Privatkrediten gilt, nicht beachten. Ausserdem sind Sie flexibler, da es keinen festen Zeitplan für die Rückzahlung des Kredits gibt.
Lombardkredite für gehebelte Investitionen nutzen
Viele Banken bewerben Lombardkredite als Möglichkeit, um Investitionen zu finanzieren, die Sie sich mit Ihrem eigenen Geld nicht leisten könnten. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um gehebelte Investitionen. Diese sind für unerfahrene Anleger aufgrund des erhöhten Verlustrisikos nicht ratsam.
Welche Arten von Lombardkrediten gibt es?
Lombardkredite lassen sich grundsätzlich in zwei verschiedene Kategorien einteilen. Es ist möglich, dass Banken nur eine Art oder aber beide Arten von Lombardkrediten anbieten. In beiden Fällen wird der Kredit Ihrem Bankkonto oder Ihrem Wertschriftendepot gutgeschrieben. Sie können das Geld dann nach Bedarf abheben oder überweisen.
- Flexible Kreditlinie: Sie erhalten eine flexible Kreditlinie, die durch den Wert Ihrer Investitionen besichert ist. Sie müssen nur einmal einen Antrag stellen. Nachdem Ihre Kreditlinie genehmigt wurde, können Sie jederzeit einen Kredit aufnehmen. Es gibt keinen Mindestkreditbetrag. Sie können frei über die Laufzeit entscheiden und Sie können jederzeit einen beliebigen Teil des Kredits zurückzahlen. Die Bank berechnet Ihnen nur Zinsen für den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag und die Laufzeit des Kredits. Der Zinssatz ist nicht wie bei Privatkrediten fest, sondern kann sich jederzeit ändern.
- Festkredit: Die Bank gewährt Ihnen einen Kredit in fester Höhe mit einer festen Laufzeit. Die verfügbaren Laufzeiten variieren je nach Bank. Der Kredit ist durch den Wert Ihrer Anlagen besichert. In der Regel gibt es einen Mindestkreditbetrag, der relativ hoch sein kann (beispielsweise 100’000 Franken). In der Regel ist der Zinssatz für die gesamte Laufzeit festgeschrieben.
Wie viel kosten Lombardkredite?
Die für Lombardkredite geltenden Jahreszinssätze sind in der Regel deutlich niedriger als die für Privatkredite. Das liegt daran, dass ein Lombardkredit durch Vermögenswerte besichert ist, welche die Bank zur Rückzahlung des Kredits pfänden kann. Ein Privatkredit wird hingegen in der Regel allein auf der Grundlage Ihrer Bonität gewährt.
Im Gegensatz zu Privatkrediten, bei denen alle Gebühren in den Zinssätzen enthalten sein müssen, können Lombardkredite je nach Bank mit Verwaltungsgebühren verbunden sein. Viele Schweizer Banken erheben für Lombardkredite mit Kreditlinien laufende Verwaltungsgebühren (zum Beispiel 0.25 Prozent des durchschnittlichen Kreditbetrags). Einige Banken erheben einmalige Gebühren, wenn Sie den Kredit zum ersten Mal in Anspruch nehmen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die jährlichen Zinssätze und Verwaltungsgebühren für Lombardkredite einer Auswahl von Schweizer Banken. Viele andere Schweizer Banken legen ihre Zinssätze von Fall zu Fall fest, abhängig von Ihren Wertschriften, Ihrer Bonität und Ihrem Verhältnis zwischen Kredit und Sicherheiten.
Welche Risiken bestehen bei Lombardkrediten?
Bevor Sie einen Lombardkredit in Betracht ziehen, sollten Sie sich über die Risiken im Klaren sein. Der Wert von Aktien, ETF und anderen Vermögenswerten kann im Laufe der Zeit starken Schwankungen unterliegen. Wenn der Wert Ihrer Vermögenswerte so stark sinkt, dass er die erforderliche Sicherheit nicht mehr deckt, erhalten Sie einen sogenannten Margin Call von der Bank. In diesem Fall haben Sie zwei Möglichkeiten:
- Überweisen Sie zusätzliches Geld oder andere Vermögenswerte auf Ihr Konto, um das Defizit an Sicherheiten auszugleichen. Dies ist nicht immer möglich, da einige Banken die Einrichtung einer Stop-Loss-Order voraussetzen, um Ihnen einen Lombardkredit zu gewähren. Die Stop-Loss-Order löst eine Market-Order aus, sobald die Sicherheiten nicht mehr ausreichen. Dies bedeutet, dass Ihre Vermögenswerte ganz oder teilweise automatisch verkauft werden, um den ausstehenden Kredit zurückzuzahlen.
- Zahlen Sie einen Teil des Kredits zurück, damit die verbleibende Schuld vollständig besichert ist.
Um das Risiko eines Margin Calls zu minimieren, sehen viele Schweizer Banken konservative Beleihungsgrenzen für Lombardkredite vor. Jede Bank hat ihre eigenen Quoten. Das Verhältnis zwischen Kredit und Sicherheiten kann auch je nach den von Ihnen gehaltenen Anlagen variieren. Beispielsweise kann dieselbe Bank Ihnen einen Betrag in Höhe von bis zu 80 Prozent des Wertes Ihrer Obligationen leihen, aber nur 60 Prozent des Wertes Ihrer Aktien und Edelmetalle.
Wichtig: Es ist nicht möglich, künftige Entwicklungen an den Märkten vorherzusagen. Es besteht immer die Möglichkeit, dass der Wert Ihrer Vermögenswerte so stark sinkt, dass Ihr Kredit nicht mehr vollständig besichert ist (zum Beispiel im Falle eines Börsencrashs). Sie können das Risiko verringern, indem Sie die folgenden zwei Richtlinien befolgen:
- Idealerweise sollten die Vermögenswerte und Wertschriften, die Sie als Sicherheit für Lombardkredite verpfänden, stark diversifiziert sein, da dies das Risiko extremer Schwankungen verringert. Beispiele hierfür sind Aktien-ETF, die globale Aktienindizes nachbilden, und diversifizierte Obligationen-ETF.
- Vermeiden Sie es, einen Betrag aufzunehmen, der mehr als 20 Prozent des Wertes Ihrer Vermögenswerte beträgt. So können Sie das Risiko einer Nachschussforderung erheblich reduzieren.
Sind variable Zinssätze ein Risiko?
Bei Lombardkrediten, die als flexible Kreditlinie gewährt werden, besteht ein zusätzliches Risiko, da die Zinssätze nicht fest sind. Die meisten Schweizer Banken legen ihre variablen Zinssätze auf der Grundlage eines Geldmarktindex fest, zu dem die Bank einen Aufschlag hinzufügt. Eine unerwartete Änderung des zugrunde liegenden Index kann die Kosten Ihres Kredits erheblich erhöhen.
Aus diesem Grund kann es vorteilhaft sein, die Kosten für Kredite mit einem höheren Zinssatz zu berechnen und entsprechend zu budgetieren. Wenn Sie das überschüssige Geld für Zinszahlungen nicht benötigen, können Sie es anderweitig verwenden oder investieren.
In welchen Währungen werden Lombardkredite angeboten?
Neben Schweizer Franken bieten viele Banken in der Schweiz Lombardkredite auch in Euro und US-Dollar an. Einige Banken bieten Lombardkredite auch in weiteren Währungen an. Die Zinssätze für Lombardkredite in anderen Währungen können von denen für Lombardkredite in Schweizer Franken abweichen.
Werden Lombardkredite nur von Banken angeboten?
Neben Banken bieten auch einige andere Dienstleister durch Vermögenswerte besicherte Kredite an. Beispielsweise bieten einige Edelmetallhändler Darlehen an, die durch Ihr hinterlegtes Gold oder andere Edelmetalle besichert sind. Es gibt auch Kryptowährungsdienstleister, die Darlehen anbieten, die durch Guthaben in Kryptowährungen besichert sind.
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