Die grösste Schweizer Supermarktkette Migros überarbeitet ihre Handy-Abos. Die wesentliche Neuerung: Neu setzt der orange Riese auf die Marke Migros Mobile. Damit ist nach fast genau 20 Jahren Schluss mit Handy-Angeboten unter der grünen Kultmarke M-Budget Mobile.
So begründet Migros den Markenwechsel
Auf Anfrage von moneyland.ch erklärte die Migros, mit Migros Mobile wolle man sich modern und klar positionieren und die Markenstruktur vereinfachen. Die Migros stehe für beste Preis-Leistung. Migros Mobile vereine die Netzqualität von Swisscom mit dem Preismodell der Migros.
Tiefpreise auch beim Handy-Abo?
In der Kommunikation für Migros Mobile spielt der Begriff «Tiefpreis» eine zentrale Rolle. Seit zehn Monaten setzt die Migros in ihren Supermärkten auf eine Tiefpreis-Strategie. So werden die Handy-Abos selbstbewusst mit «Das Handy-Abo zum Tiefpreis» beworben. Ausserdem streicht die Supermarktkette heraus, dass es bei Migros Mobile «keine versteckten Kosten» und «keinen Tarifdschungel» geben solle.
Die neuen Handy-Abos der Migros im Überblick
Die Migros bietet vier neue Handy-Abos an. Die monatliche Grundgebühr liegt zwischen 13.95 und 29.95 Franken. Die beiden teureren Abos beinhalten jeweils eine Daten-Flatrate mit unlimitiertem Internet, während bei den beiden günstigeren Abos die Datenmenge auf 5 GB oder 10 GB limitiert ist. Alle Abos beinhalten unlimitierte Anrufe und SMS innerhalb der Schweiz. Bei Migros Mobile gibt es einen Familienrabatt von bis zu vier Franken pro Monat und Abo. Voraussetzung ist ein gemeinsamer Haushalt.
Obwohl die Handy-Abos unter der Marke der bekannten Supermarktkette Migros vertrieben werden, ist der Vertragspartner die Swisscom und nicht die Migros. Damit ist auch klar, dass Kundinnen und Kunden das Mobilfunknetz von Swisscom nutzen. Neu steht auch das 5G-Netz allen Kundinnen und Kunden zur Verfügung.
Wie heute bei vielen Handy-Abos in der Schweiz üblich, enthalten drei der vier Abos auch 1 GB oder 10 GB Inklusiv-Datenroaming in der EU.
Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die neuen Abos:
Was hat sich gegenüber den bisherigen Abos geändert?
Die monatliche Grundgebühr der neuen Migros-Mobile-Abos ist deutlich niedriger als bei den bisherigen M-Budget-Abos. Gleichzeitig erhalten Kundinnen und Kunden erheblich mehr Datenvolumen für die Internetnutzung innerhalb der Schweiz.
Das günstigste Abo der Migros kostete bisher 19 Franken im Monat und umfasste 2 GB Datenvolumen. Neu kostet das günstigste Abo 13.95 Franken, dafür gibt es nun 5 GB. Das günstigste Abo mit einer Flatrate für unlimitierte Gespräche und unlimitiertes Internet in der Schweiz kostete bisher 59 Franken, neu kostet es 25.95 Franken.
Bestehende Kundinnen und Kunden behalten ihre bisherigen Abos, erhalten aber automatisch ab dem 10. September mehr Datenvolumen zum gleichen Preis. Sie können aber anschliessend jederzeit auf die neuen Migros-Mobile-Abos wechseln. Da die neuen Abos massiv günstiger sind, ist ein Wechsel auf ein neues Handy-Abo empfehlenswert. Auch ein Wechsel zur Konkurrenz sollte geprüft werden.
Preisvergleich mit anderen Handy-Abos
Der Vergleich mit der Konkurrenz zeigt, dass Migros Mobile massiv teurer als zahlreiche andere Schweizer Anbieter ist. In Tabelle 2 sind Abos aufgeführt, die günstiger sind und mindestens die gleiche Datenmenge enthalten wie das jeweilige Migros-Mobile-Abo. Berücksichtigt sind nur Handy-Abos, die wie bei Migros eine Flatrate für Anrufe innerhalb der Schweiz enthalten.
Neuer Name auch für Prepaid, Internet und TV
Prepaid-Produkte werden neu ebenfalls unter der Marke Migros Mobile angeboten, ansonsten gibt es keine Änderungen. Bei Internet und TV hingegen gibt es Änderungen: Neu kostet ein langsames Internet-Abo 34.95 Franken pro Monat, ein schnelles Internet-Abo 49.95 Franken. Die TV-Option mit 250 Sendern und Replay ist für 9.95 Franken erhältlich.
Fazit von Telekom-Experte Ralf Beyeler von moneyland.ch
Nach fast genau 20 Jahren ist Schluss: Die ersten Mobilfunkangebote unter dem Markennamen M-Budget Mobile wurden am 12. September 2005 lanciert. Sie waren zu teuer und boten zu wenig im Vergleich zur Konkurrenz.
Trotzdem ist es erstaunlich, dass Migros die Handy-Abos der Kultmarke M-Budget vom Markt nimmt. Die Argumentation der Migros überzeugt mich nicht. Für mich steht die Marke Migros nicht für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Das sind Eigenschaften, die ich eher mit M-Budget verknüpfe.
Die neuen Handy-Abos unter der Marke Migros Mobile sind zwar bedeutend günstiger als bisher, doch das Tiefpreis-Versprechen kann die Migros nicht halten. Bei jedem der vier Handy-Abos ist Migros Mobile mindestens 44 Prozent und maximal 81 Prozent teurer als das günstigste Handy-Abo auf dem Schweizer Markt. Zudem bietet die Konkurrenz zum niedrigeren Preis teilweise sogar mehr Datenvolumen. Für drei der vier Handy-Abos gibt es jeweils eine Handvoll Anbieter, die günstiger sind als Migros Mobile.
Auch die Aussage, dass es bei Migros Mobile keinen Tarifdschungel geben soll, trifft nicht zu. Die meisten Zweit- und Drittmarken im Schweizer Markt haben drei bis fünf verschiedene Varianten, so auch das neue Angebot der Migros.
Letztlich: Migros Mobile ist zwar günstiger als früher, im Konkurrenzvergleich bleibt vom Tiefpreis-Versprechen aber wenig übrig.