petko bahovski
Tipps zur Suche nach der richtigen Privatbank. Interview mit dem Private-Banking-Experten Petko Bahovski.

Petko Bahovski ist ein unabhängiger Berater in Zürich und Autor des Ratgeberbuchs «How to Choose a Private Bank». Zuvor arbeitete Bahovski bei verschiedenen Privatbanken, unter anderem Credit Suisse, JP Morgan und Coutts für Asien, Lateinamerika sowie Zentral- und Osteuropa.

Moneyland-Redaktion: Wer braucht heutzutage noch eine Privatbank?

Petko Bahovski: Die Mehrheit der Personen mit einem Anlagevermögen von mehr als 1 Million Franken braucht eine Privatbank. Dies nicht unbedingt für eine reine Investment-Beratung, sondern vor allem für eine ganzheitliche Vermögens-, Steuer- und Nachfolgeberatung.

Ein guter Private Banker optimiert in der Regel die gesamte Finanz- und Vermögenssituation seiner Kunden, das heisst sowohl die liquiden als auch die illiquiden Vermögensbestandteile wie Immobilien, Beteiligungen, Hypotheken, Kredite oder Rechtsansprüche.

Auch die zukünftigen Einnahmen und Ausgaben sollten im Rahmen einer ganzheitlichen Vermögenberatung und Vermögensverwaltung berücksichtigt werden.

Welches sind die wichtigsten Kriterien für die Wahl der richtigen Privatbank?

Die Kriterien sind individuell je nach Kundenbedürfnissen verschieden. Sie entscheiden als Kunde selbst, welche Faktoren Ihnen am wichtigsten sind.

Dazu können Serviceumfang und Servicequalität, Spezialisierung auf bestimmte Kundengruppen, Örtlichkeit, Marke, Informationstechnologien oder Gebühren der Privatbank gehören. Für erfahrenere Anleger können weitere Kriterien wie die Qualität der Investment-Expertise, Anlagefonds und Trading-Möglichkeiten entscheidend sein.

Privatbanken unterscheiden sich bezüglich ihrer Kundenstruktur. Einige Banken sind auf die Bedürfnisse von Unternehmern spezialisiert, andere auf Senioren, Berufssportler oder Russen. Je nachdem, welchem Kundentyp Sie angehören, kann die eine oder andere Bank für Sie die richtige Wahl sein.

Sehr reiche Kunden legen häufig Wert darauf, dass mindestens eine ihrer Privatbanken eine globale Plattform für spezielle Services offeriert. Zu den geforderten Dienstleistungen können Flugzeug- und Yacht-Finanzierungen, Private-Equity-, IPO-, Hedging- oder Investment-Banking-Services gehören.

Wie wichtig ist die Marke einer Privatbank?

Die Marke einer Bank – ihr «Brand» – spielt häufig eine wichtige Rolle bei der Auswahl der ersten Privatbank. Wenn sich ausländische Vermögende in der Schweiz nach einer Privatbank umschauen, suchen Sie in der Regel einen der drei Schweizer Top-Brands auf.

Für einige Kunden ist der Name ihrer Privatbank sogar eine Art Status-Symbol. Sie geniessen es, von der Bank auf exklusive Anlässe eingeladen und dort gesehen zu werden oder eine prestigeträchtige Kreditkarte zu nutzen.

Achten Sie aber darauf, dass ein starker Brand keine falschen Erwartungen bei Ihnen weckt. Wenn Sie etwa von einem unerfahrenen Private Banker betreut werden, der Ihnen die falschen Produkte verkauft, nützt Ihnen die gute Markenreputation Ihrer Bank herzlich wenig. Im Gegenteil zahlen Sie dann für den klingenden Banknamen einen teuren Preis.

Häufig ändert sich die Fokussierung auf klingende Namen mit der Eröffnung einer zweiten Bankbeziehung: mit zunehmender Private-Banking-Erfahrung der Kunden wird die Marke weniger wichtig.

Welche Qualitäten sollte ein Private Banker haben?

Ihr Private Banker sollte absolut vertrauenswürdig sein, Ihre persönlichen Bedürfnisse verstehen und sich sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten um Sie kümmern. Er sollte kompetent und erfahren sein, schnell auf Ihre Fragen und Wünsche eingehen und wertvolle Ratschläge liefern können.

Ihr Private Banker sollte tragfähige Lösungen für Sie erarbeiten, anstatt Ihnen Produkte zu verkaufen. Er sollte nicht nur Ihre aktuellen Bedürfnisse verstehen, sondern auch Ihre zukünftige Situation mit einbeziehen.

Eine gute Beziehung zu Ihrem Banker ist natürlich ebenfalls entscheidend. Wenn das Vertrauen nicht mehr da ist oder ganz einfach «die Chemie fehlt», sollten Sie ihn auswechseln.

Wie teuer ist ein Private-Banking-Mandat?

Üblicherweise verlangen Privatbanken 90 Basispunkte für ein Vermögensverwaltungs-Mandat, das sind 0.9 Prozent des Anlagevermögens pro Jahr. Sie müssen also mit ungefähr 9’000 Schweizer Franken pro Jahr für jede Million an Anlagevermögen rechnen.

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Gebührenarten. Die höchsten Gebühren werden üblicherweise für Vermögensverwaltungs-Mandate, Anlagefonds, Hedge Funds und Private-Equity-Funds verlangt.

Einige Banken haben begonnen, ein pauschales Gebührenmodell einzuführen. Eine solche Pauschalgebühr kann alle Verwaltungs-, Transaktions- und Verwaltungskosten umfassen und zum Beispiel 1 Prozent des Anlagevermögens betragen. Allerdings kann es auch im Fall von Pauschalgebühren immer noch versteckte Gebühren geben.

Hunderte von Seiten an Bankdokumenten zu lesen, um die genauen Gebühren zu eruieren, kann unabhängig von Ihrem Wissensstand äusserst anspruchsvoll sein. Ihr Banker sollte deshalb in der Lage sein, Ihnen alle Gebühren im Detail zu erklären.

Passive Anlagemethoden via ETF sind kostengünstiger und performen durchschnittlich besser als aktive Portfolio-Strategien. Zudem kommen vermehrt Online-Vermögensverwalter auf den Markt, die passive Anlagemöglichkeiten für Jedermann anbieten. Ist der traditionelle Private Banker überhaupt noch nötig?

Ein guter Punkt. Wie zuvor angesprochen liegt der wahre Zusatznutzen Ihres Privatbankiers in einer ganzheitlichen Finanzplanung.

Wenn Sie aber ein erfahrener Anlageprofi sind und die Finanzmärkte genau verfolgen, können Sie mit ETF Gebühren sparen oder direkt über Online-Broker handeln.

Für den Laien ist es aber sehr schwierig, den richtigen Moment für den Kauf oder Verkauf einer Aktie oder eines Fonds zu erwischen. Falls Sie nur ein bisschen zu früh oder zu spät sind, können Sie rasch einmal 5 bis 10 Prozent Ihres Gelds verlieren. In diesem Fall kann es sich lohnen, der Bank 1 bis 2 Prozent zu zahlen.

Die Private-Banking-Industrie ist im Wandel begriffen – welches sind die wichtigsten Trends im Moment?

Die aktuellen Veränderungen im Private Banking werden vor allem von den Regulatoren und den Kunden vorangetrieben. Einerseits versuchen die Regulatoren, die Kunden mit neuen Produktvorschriften und Gebührentransparenz zu schützen. Denn seien wir realistisch: ein stark gehebeltes strukturiertes Produkt für den asiatischen Aktienmarkt ist wohl nicht das angemessene Diversifikationsprodukt für einen Schweizer Bauer oder eine 82-jährige Witwe.

Andererseits nehmen die Bankkunden nach der Finanzkrise von 2008 ihre Geldgeschäfte vermehrt selbst in die Hand und sind anspruchsvoller geworden. Kunden möchten Transparenz und Resultate sehen.

Kunden sehen ihren Private Banker nicht mehr nur als Kontakt-, sondern vielmehr als Vertrauensperson, der ihre stetig wechselnden Bedürfnisse kennt. Er hilft ihnen mit ihrem Geschäft, ihrer Finanz-, Pensionierungs- und Nachfolgeplanung.

Was haben Schweizer Banken nach der Redefinition des Schweizer Bankkundengeheimnisses noch anzubieten? Sind Sie nach wie vor besser als andere Banken?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist seit einiger Zeit Geschichte. Es mag Abflüsse von amerikanischen und europäischen Kundengeldern geben. Allerdings werden diese wettgemacht durch Neugelder aus dem Mittleren Osten, Russland und anderen GUS-Ländern. Reiche Personen aus politisch und ökonomisch instabilen Regionen werden weiterhin Teile ihres Vermögens in die Schweiz bringen.

Schweizer Banken werden also weiterhin von der politischen und ökonomischen Stabilität der Schweiz profitieren. Ausländische Kunden werden hier weiterhin Immobilien kaufen, Firmen gründen und ihre Kinder auf Schweizer Schulen schicken.

Wie sieht die Zukunft des Private Banking in 5 bis 10 Jahren aus – in der Schweiz und weltweit?

Der «Global Private Banking and Wealth Management Survey 2013» von McKinsey prognostiziert, dass 2016 rund 16 Millionen Millionäre ungefähr 80 Billionen Dollar an Anlagevermögen besitzen werden.

Es wird erwartet, dass das Vermögen der Millionäre in den «Emerging Markets» um rund 13 Prozent pro Jahr wachsen wird, in Industrieländern hingegen nur um rund 4.5 Prozent pro Jahr. Dieser Trend verstärkt die Gewichtsverlagerung weg von den Industrieländern hin zu den Schwellenländern. Banken in der Schweiz heuern zunehmend Fachkräfte an, welche die Kultur der Schwellenländer und die Bedürfnisse ihrer Einwohner kennen sowie ihre Sprachen sprechen.

Private Banking ist eine attraktive Wachstumsindustrie, mit Eigenkapital-Renditen, die höher sind als in allen anderen Finanzbranchen. Das ist auch der Grund, warum die Banken weiterhin in der Vermögensverwaltung tätig sein möchten und gegeneinander in einem harten Wettbewerb um Marktanteile kämpfen.

Die grösste Herausforderung allerdings dürften in Zukunft neue branchenfremde Wettbewerber sein, die in die Vermögensverwaltung eindringen könnten. Denken Sie etwa an Facebook, Google oder Apple.

Zum Schweizer Vergleich für Private Banking

Moneyland-Redaktion, 22. Mai 2014

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