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Wertschriften: Transfergebühren im Vergleich

Die Gebühren von Schweizer Banken für Auslieferung von Wertschriften sind hoch, wie eine Analyse des unabhängigen Online-Vergleichsdiensts moneyland.ch zeigt.

Wer in der Schweiz mit Aktien, ETFs, Fonds, strukturierten Produkten, Anleihen oder anderen Wertschriften handeln möchte, muss mit hohen Gebühren rechnen. Das gilt nicht nur für die Handelskosten und die Depotgebühren. Hoch sind auch die Gebühren für die Auslieferung von Wertschriften. Diese fallen beispielsweise dann an, wenn Anleger die gekauften Wertschriften zu einer anderen Bank transferieren möchten.

Physische und elektronische Auslieferung

Schweizer Banken unterscheiden zwischen elektronischer (buchmässiger) und physischer Auslieferung von Wertschriften. Die physische Auslieferung (zum Beispiel am Schalter) ist in der Regel teurer als der elektronische Transfer. Eine weitere Unterscheidung betrifft die Herkunft der Wertschriften: Der Transfer von ausländischen Wertschriften zu einer Drittbank ist häufig teurer als derjenige von Schweizer Wertschriften. Schliesslich verlangen einige Banken einen Aufpreis für die so genannte Lieferung gegen Zahlung (LGZ) gegenüber einer Lieferung ohne Zahlung (LOZ). Bei manchen Banken ist eine Lieferung gegen Zahlung prinzipiell nicht möglich.

Hohe Transfergebühren

Die Höhe der Transfergebühren ist erstaunlich hoch, wie eine Untersuchung von moneyland.ch bei 40 Banken zeigt. Im Durchschnitt kostet eine Auslieferung von Schweizer Wertschriften 100 Franken (elektronisch) beziehungsweise 170 Franken (physisch) pro Titel. Eine Auslieferung von ausländischen Wertschriften kostet durchschnittlich 120 Franken (elektronisch) beziehungsweise 230 Franken (physisch). Weitere Kosten wie Mehrwertsteuern und Fremdspesen kommen zusätzlich hinzu. Dabei beziehen sich die Gebühren nicht auf das ganze Depot, sondern auf die Kosten pro Wertschriftentitel (auch Position, Posten oder Valor genannt).

Ein Kostenbeispiel mag die hohen Gebühren verdeutlichen: Ein Anleger hat ein Portfolio bei einer Schweizer Bank mit einem Schweizer ETF, fünf Schweizer, fünf amerikanischen sowie fünf europäischen Aktientiteln. Wenn er dieses Depot zu einer anderen Bank elektronisch transferieren möchte, muss er im Durchschnitt sage und schreibe 1800 Franken für den Anbieterwechsel zahlen. Bei den teuersten Banken kostet dieser Transfer sogar 2400 Franken. Entscheidend für die Höhe der Gebühren ist die Anzahl der Wertschriftentitel, nicht die effektive Depotgrösse.

Online-Broker am günstigsten

Online-Broker haben nicht nur die günstigsten Transaktions- und Depotgebühren. Sie verlangen in der Regel auch die geringsten Transfergebühren. So verlangen die Online-Broker Saxo Bank, Swissquote und Strateo beispielsweise «nur» 50 Franken für die elektronische Auslieferung eines Wertschriftentitels. Bei CornèrTrader gibt es gar keine Transfergebühren. Bei anderen Schweizer Banken können die Gebühren bei elektronischer Auslieferung bis zu 150 Franken und bei physischer Auslieferung bis zu 500 Franken betragen.

Abschaffung der Transfergebühren unwahrscheinlich

Die hohen Gebühren haben 2016 den Preisüberwacher und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) auf den Plan gerufen. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass die hohen Gebühren in keinem Verhältnis zu den effektiv anfallenden Kosten stehen und deshalb wettbewerbsverzerrend wirken. Es ist davon auszugehen, dass die Transfergebühren einen Anbieterwechsel erschweren sollen.

Tatsächlich möchten die Banken mehrheitlich an den aktuellen Transfergebühren festhalten, wie eine Umfrage von moneyland.ch ergeben hat. PostFinance beispielsweise erachtet diese als «fair und transparent». Insofern sei keine Anpassung vorgesehen. Eine Abschaffung gilt in der Branche als unwahrscheinlich. Möglich wäre aber eine zukünftige Senkung der Gebühren.

Tipps für den Anbieterwechsel

Um den hohen Wertschriftengebühren bei einem Anbieterwechsel zu entgehen, könnten Anleger vorgängig die eigenen Wertschriften verkaufen. Nur ist diese Lösung je nach Depot aufwändig und mit entsprechenden Transaktionskosten verbunden. Es gibt aber eine günstigere Alternative: Viele Banken übernehmen die Transfergebühren für einzelne neue Kunden nach einer individuellen Beurteilung ganz oder teilweise, wie die Umfrage von moneyland.ch ergeben hat.

In der Regel werden die Wechselkosten zwar nur für potentielle Vieltrader übernommen. Trotzdem lohnt es sich, bei der zukünftigen Bank nachzufragen. Fragen Sie bei der gewünschten Bank Ihrer Wahl an, ob diese allenfalls für die Wechselspesen aufkommen könnte.

 

Übrigens: Wenn Sie eine tabellarische Übersicht (als PDF) über die Transfergebühren wünschen, können Sie sich diese hier kostenlos zuschicken lassen.

Weiterführende Informationen:
Wertschriftenhandel: Online-Broker-Vergleich
Schweizer Depotgebühren
Aktien kaufen: Tipps

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