Die Sparkonto-Zinsen in der Schweiz geraten weiter unter Druck. Während die meisten Schweizer Banken immerhin noch mickrige Zinsen auf Sparkonten zahlen, gibt es inzwischen auch Institute, die auf manchen Sparkonten gar keinen Zins mehr gutschreiben.
Eine aktuelle Auswertung des unabhängigen Vergleichsdienstes moneyland.ch zeigt: Anfang September 2025 sind neun Schweizer Anbieter betroffen – darunter Postfinance, Yuh und die Zürcher Kantonalbank mit ihrem Umweltsparkonto.
Konkret betrifft es folgende neun Banken:
- Bank Avera
- Bernerland Bank
- Hypo Vorarlberg Bank
- Jurassische Kantonalbank
- Liechtensteinische Landesbank
- Postfinance
- Walliser Kantonalbank auf dem Sparkonto und Sparkonto Plus
- Yuh
- Zürcher Kantonalbank auf dem Umweltsparkonto (auf dem normalen Sparkonto gibt es hingegen Zins)
Ein Blick in die Niedrigzinsphase zeigt: Im Januar 2021 gab es in der Schweiz zahlreiche Sparkonten, auf denen überhaupt keine Zinsen gutgeschrieben wurden. Dies war zum Beispiel bei den Sparkonten der UBS, der Waadtländischen Kantonalbank, der Zuger Kantonalbank und der Zürcher Kantonalbank der Fall.
Nun wiederholt sich diese Entwicklung: Erste Banken zahlen auf Sparkonten wieder 0.00 Prozent.
Früher weniger Zins
Die Limiten, ab denen auf Guthaben kein Zins mehr bezahlt wird, liegen inzwischen bei einigen Banken deutlich tiefer. Auf manchen Sparkonten setzen Banken die Grenze bereits bei 25’000 Franken oder bei 50’000 Franken an.
Die folgende Übersicht zeigt, bei welchen Banken die Verzinsung schon bei vergleichsweise tiefen Guthaben endet.
In der letzten Niedrigzinsphase sah das noch anders aus: Im Januar 2021 zahlten Banken Zins bis mindestens 100’000 Franken – sofern überhaupt Zinsen gutgeschrieben wurden. «Damit fallen heute die Zinsen schon bei deutlich tieferen Beträgen weg als noch vor wenigen Jahren», sagt Ralf Beyeler von moneyland.ch.
Wie in der Niedrigzinsphase zahlen viele Banken auf Sparkonten derzeit nur noch 0.01 Prozent Zins. Das bedeutet: Wer 10’000 Franken während eines Jahres auf dem Sparkonto deponiert, erhält gerade einmal 1 Franken Zins. So gering dieser Betrag auch ist – er unterscheidet sich dennoch von einem Nullzins. Denn aus Sicht vieler Kundinnen und Kunden wirkt es schlimmer, wenn gar kein Zins mehr gutgeschrieben wird.
Kommen die Negativzinsen wieder?
Während der ersten Niedrigzinsphase waren Negativzinsen immer wieder ein Thema. Statt Zinsen auf dem Sparkonto zu erhalten, mussten Kundinnen und Kunden eine Gebühr bezahlen.
Nur sehr wenige Banken verrechneten Kleinsparerinnen und Kleinsparern Negativzinsen. Je nach Bank wurden jedoch bereits ab Guthaben von rund 50’000 Franken sogenannte Guthabengebühren belastet.
Derzeit sind grössere Firmen und Pensionskassen gemäss NZZ am Sonntag wieder mit Negativzinsen konfrontiert. Für Privatkundinnen und Privatkunden gibt es offiziell noch keine Negativzinsen.
Vergleich lohnt sich
Kundinnen und Kunden haben es selbst in der Hand: Bei zahlreichen Banken gibt es Sparkonten mit höheren Zinsen. Ein Sparkonto-Vergleich auf moneyland.ch zeigt bequem, welche Sparkonten aktuell die besten Zinsen bieten. Auch wer die Hausbank nicht wechseln will, kann zusätzlich bei einer anderen Bank ein Sparkonto mit mehr Zins eröffnen.
Sparkonto ist sehr sicher, aber wenig rentabel
Ein Sparkonto eignet sich weiterhin vor allem für den Notgroschen – also für Geld, das jederzeit verfügbar sein muss. Sparkonten bieten eine hohe Sicherheit. Zudem müssen Anlegerinnen und Anleger mit keinen Wertschwankungen rechnen. Allerdings haben Sparkonten den Nachteil einer sehr niedrigen Verzinsung.
Mit breit diversifizierten Anlagen in Aktien und anderen Wertschriften ist langfristig eine deutlich höhere Rendite als mit Sparkonten zu erzielen. Insbesondere kurzfristig können jedoch starke Wertschwankungen auftreten. Es besteht das Risiko, dass die Kurse gerade in dem Moment einbrechen, wenn Kundinnen und Kunden auf ihr Geld zugreifen möchten. Im schlimmsten Fall müssen Anlegerinnen und Anleger ihre Wertschriften mit Verlust verkaufen.
Hinzu kommt: Nicht alle Anlegerinnen und Anleger können mit Kursverlusten entspannt umgehen. Anstatt eine Erholung abzuwarten, verkaufen einige ihre Wertschriften in Panik. Deshalb ist es wichtig, vor einer Anlage in Wertschriften auch die eigenen Emotionen einzuschätzen. «Wer bei fallenden Börsenkursen unruhig schläft, sollte besser die Finger von Aktien lassen und ein Sparkonto vorziehen», rät Ralf Beyeler.
Fazit von Ralf Beyeler, Geld-Experte von moneyland.ch
Es ist bedauerlich, dass einige Banken inzwischen gar keinen Zins mehr auf dem Sparkonto bezahlen. Auch die Senkung der Verzinsungslimite trifft viele Kleinsparerinnen und Kleinsparer. Dass sich die Zinsen nach unten bewegen, ist nach der Senkung des Leitzinses auf 0 Prozent durch die Schweizerische Nationalbank naheliegend. Immerhin ist ein Negativzins aktuell noch kein Thema für Privatkundinnen und Privatkunden.
Für Kundinnen und Kunden ergibt ein Zins von 0 Prozent auf dem Sparkonto keinen Sinn. Sparkonten haben Einschränkungen, insbesondere bei den Rückzugsbestimmungen. Daher ist es oft besser, das Geld direkt auf dem Privatkonto zu belassen. Wer mehr Zins erhalten möchte, sollte prüfen, ob sich zusätzliche Sparkonten bei anderen Banken lohnen.
Weitere Informationen:
Vergleich von Schweizer Sparkonten
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Wo erhalte ich am meisten Zins auf dem Sparkonto?
Methodik
Für diese Analyse hat moneyland.ch rund 150 Sparkonten von 86 Schweizer Banken ausgewertet. Zeitpunkt der Erhebung war Anfang September 2025. Berücksichtigt wurden Standard-Sparkonten für Erwachsene, ohne Jugend-, Vorsorge- oder Bonus-Sparkonten. Die Datenbasis umfasst alle für Privatkundinnen und -kunden wichtigen grossen Schweizer Banken sowie zahlreiche kleinere Banken und Regionalbanken.
In der Aufzählung sind alle Banken genannt, die auf dem Sparkonto 0 Prozent Zins verrechnen. In Tabelle 1 sind alle Schweizer Banken enthalten, die auf dem Sparkonto nur bis zu einer geringen Limite Zinsen bezahlen. Berücksichtigt wurden Sparkonten, bei denen diese Limite unter 100’000 Franken liegt.