billigkassen schweiz

Billigkassen in der Schweiz

Im folgenden Moneyland-Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über Schweizer Billigkassen.

Aus Sicht des Prämiensparers ist der Fall klar: Je günstiger die Krankenkassen-Prämie, desto besser. Schliesslich wird in der Schweizer Grundversicherung per Gesetz von jeder Krankenkasse dieselbe Leistung verlangt.

Da die Prämien in der Grundversicherung jedes Jahr im Herbst ändern, die Versicherungsleistung aber unabhängig vom Anbieter dieselbe sein müsste, ist die Wechselquote für Schweizer Verhältnisse hoch. Der Preis ist heiss: Besonders häufig wechseln Schweizerinnen und Schweizer zu den jeweils günstigsten Krankenkassen im betreffenden Jahr.

Tatsächlich empfiehlt auch moneyland.ch einen jährlichen Krankenkassen-Vergleich. Schliesslich geht es um viel Geld. Da die Versicherten im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung im Gegensatz zu den freiwilligen Zusatzversicherungen nicht auf das Leistungsspektrum achten, ist das Vergleichen eine einfache Angelegenheit.

Prämien können dabei je nach Franchise, Sparmodell, Unfalldeckung, Alter und Wohnort variieren. Je nach persönlichem Profil und gewählten Kriterien offerieren unterschiedliche Krankenkassen das günstigste Angebot. Umfassende und unabhängige Rechner wie derjenige von moneyland.ch berücksichtigen alle Varianten.

Vorteil von Billigkassen

Von «Billigkassen» spricht man in der Regel dann, wenn die Kassen für diverse Kundenprofile und Kriterien in den meisten Kantonen günstige Prämien anbieten. Die Kostenersparnis – die gegenüber den teuersten Kassen rasch einmal mehr als 1'000 Franken pro Person und Jahr ausmachen kann – ist denn auch der Hauptvorteil solcher Anbieter.

Nachteile von Billigkassen

Ärzte, Politiker und Konsumentenschützer sprechen absichtlich von «billig» – und nicht etwa von «günstig» –, um auf die Nachteile von Kassen mit günstigen Prämien hinzuweisen.

Dabei werden die folgenden Nachteile von Billigkassen besonders häufig erwähnt:

  • Zahlungsverzögerungen: Im Standard-Abrechnungsverfahren, dem so genannten «Tiers garant», kommt es immer wieder zu Zahlungsverzögerungen durch Krankenversicherungen. Besonders Billigkassen sind für ihre schlechte Zahlungsmoral bekannt. Das kann zu Zahlungsschwierigkeiten bei Patienten führen: Manchmal müssen die Versicherten monatelang auf die Kostenrückzahlungen durch die Krankenkasse warten, obwohl sie die Arztrechnung bereits bezahlt haben.
     
  • Leistungsdifferenzen: Die Leistung in der obligatorischen Grundversicherung ist für alle Schweizerinnen und Schweizer unabhängig vom Anbieter dieselbe. So will es das Gesetz. Doch wie in jedem Gesetz gibt es auch im Krankenversicherungsgesetz (KVG) Graubereiche. Diese werden von Versicherungen immer wieder zuungunsten der Patienten ausgelegt. Das zeigt sich etwa im Fall von nicht offiziell zugelassenen Off-Label-Medikamenten, zum Beispiel bei teuren Krebsmedikamenten. Diese werden von manchen Versicherungen übernommen, während Billigkassen eine Zahlung zu Beginn häufig verweigern. Erst wenn sich die Ärzte mit einigem Mehraufwand für die Patienten einsetzen, lenken manche Kassen ein.
  • Mehraufwand für Ärzte: Die Klagen seitens der Ärzte über die wachsende Versicherungsbürokratie häufen sich. Das betrifft besonders Billigkassen. Manche Medikamente bedingen eine Kostengutsprache der Krankenkasse. Bei einer Kostengutsprache sollte es sich im Regelfall um eine rein formale Angelegenheit handeln. Trotzdem verkomplizieren gerade Billigkassen die Prozesse und stellen dem Arzt immer wieder dieselben Rückfragen.
  • Ungenügender Kundendienst: Obwohl der Kundendienst immer auch vom entsprechenden Sachbearbeiter oder Kundenberater abhängig ist, gibt es doch auch kulturelle Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherungen. Reine Billigkassen müssen oft auch beim Kundendienst sparen.
  • Jagd nach «guten Risiken»: Billigkassen wird oft vorgeworfen, dass sie gesunde und junge Patienten regelrecht «jagen» und entsprechend bewerben. Diese «guten Risiken» sind den Krankenkassen besonders lieb, da sie naturgemäss weniger Kosten verursachen als ältere oder kranke «schlechte Risiken». Beispielsweise bewerben verschiedene Krankenkassen via Online-Marketing vor allem jüngere und solche Personen, die eine hohe Franchise wünschen. Die Überlegung dahinter: Personen mit einer hohen Franchise sind im Durchschnitt gesünder als solche, welche eine tiefe Franchise wählen.
     
  • Zurückweisung von «schlechten Risiken»: Billigkassen müssen sich häufiger als andere Anbieter den Vorwurf gefallen lassen, dass sie ältere und kranke Personen absichtlich nicht versichern. Jede Krankenkasse hat zwar per Gesetz die Pflicht, alle Patienten in die obligatorische Grundversicherung aufzunehmen. Immer wieder hört man aber von Verzögerungstaktiken und Abwimmelungsversuchen «von schlechten Risiken».

Billigkasse – ja oder nein?

Unter einem rein monetären Gesichtspunkt kann sich die Jagd nach günstigen Prämien für die Konsumenten lohnen. Wer sich mit einem spezifischen Krankheitsbild konfrontiert sieht, tut hingegen gut daran, die Zahlungspolitik der Krankenkasse vor der Vertragsunterzeichnung kurz zu überprüfen.

Am günstigsten war im Schweizer Durchschnitt in den letzten Jahren die Billigkasse Assura - trotz Prämienerhöhungen gilt das auch noch für das Prämienjahr 2016. Assura wird allerdings auch am häufigsten von Ärzten als Negativbeispiel einer schweizerischen Billigkasse erwähnt.

Interessanterweise gehören zu einigen grossen Schweizer Krankenversicherungen wie Sanitas oder CSS auch Tochtergesellschaften mit günstigeren Prämien. Zur CSS gehört die Krankenkasse Arcosana, zur Sanitas die Kasse Compact. Viele Vorwürfe gegen «reine» Billigkassen treffen hier nicht zu.

Der Kundendienst beispielsweise unterscheidet sich nicht vom Mutterhaus. Auch die Rechnung erhält man vom gleichen Anbieter. Sogar das Logo stimmt überein.

Wer also mit der bestehenden Krankenkasse zufrieden ist und weiterhin von der Leistung profitieren möchte, kann immerhin einen Wechsel innerhalb des Konzerns zu einer günstigeren Tochterversicherung in Betracht ziehen. Auch allfällige Rabatte in Kombination mit einer Zusatzversicherung bleiben so erhalten.

Umgekehrt gilt auch: Wer zu einer billigen Krankenkassen wechseln möchte, kann kurz überprüfen, ob ein leistungsfähiges Mutterhaus hinter der Billigkasse steht.

Ihre Moneyland-Redaktion

Weiterführende Informationen:
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