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Was bringt die europäische Bezahl-App Wero der Schweiz?

9. Juli 2024 - Ralf Beyeler

Mit der neuen europäischen Bezahl-App Wero können Konsumentinnen und Konsumenten untereinander Geld schicken – so wie wir es in der Schweiz von Twint kennen. Ralf Beyeler von moneyland.ch gibt in seinem Blog eine Einschätzung ab, was das für die Schweiz bedeutet.

Am 2. Juli 2024 sind zwei deutsche sowie drei belgische Banken mit der Bezahl-App Wero gestartet. In den nächsten Monaten wollen weitere Banken aus verschiedenen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Niederlande Wero ebenfalls unterstützen.

Beim Wero-Start wurde die hierzulande bekannte App Twint zusammen mit der dänischen App Mobile Pay oft als Vorbild für Wero genannt. Das wundert mich nicht, ist Twint doch eine Erfolgsgeschichte. In der Schweiz haben sich viele längst an die App gewöhnt. Auf mehr als fünf Millionen Smartphones ist Twint hierzulande installiert. Im Jahr 2023 wurden rund 590 Millionen Twint-Transaktionen getätigt.

Ist Wero ein Twint für Europa?

Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Twint und Wero:

  • Eingegrenzter Markt: Twint gibt es nur in der Schweiz, Wero nur in EU-Ländern.
  • Keine IBAN-Nummer notwendig: Ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Twint ist, dass man keine lange Kontonummer eingeben muss. Es reicht die Handynummer der Person, der man Geld überweisen möchte. Bei Wero kann alternativ zur Handynummer auch die E-Mail-Adresse angegeben werden.
  • Echtzeittransaktionen: Innerhalb weniger Sekunden nach dem Abschicken kommt das Geld auf dem Konto an.

Dennoch gibt es abgesehen von der geografischen Abdeckung (Twint für die Schweiz, Wero für Europa) ein paar weitere wesentliche Unterschiede zwischen Wero und Twint.

  • Bankkontozwang: In der Regel wird Twint zwar mit einem Bankkonto verknüpft, aber dies ist freiwillig. Es besteht keine Verpflichtung, ein Konto einer bestimmten Bank zu nutzen. Mit der Prepaid-App kann Twint unabhängig von einem Bankkonto benutzt werden, mit der Twint-App der UBS ist lediglich eine Debitkarte oder Kreditkarte eines beliebigen Schweizer Herausgebers notwendig. Anders bei Wero: Für Wero benötigen die Nutzerinnen und Nutzer zwingend ein Konto bei einer Bank, die Wero unterstützt.
  • Funktionsumfang: Wero-Nutzerinnen und -Nutzer können lediglich untereinander Geld verschicken. Es ist aber absehbar, dass die angebotenen Funktionen in Zukunft ausgebaut werden. Twint unterstützt auch das Bezahlen in Geschäften sowie Online-Shops und bietet zahlreiche weitere Funktionen.

Wero und Twint könnten sich ergänzen

Naheliegend ist die Idee, von Twint Geld zu Wero und umgekehrt schicken und empfangen zu können. Wenn Wero auch Zahlungen in Geschäften anbietet, dann wäre es in Zukunft denkbar, dass Konsumentinnen und Konsumenten aus der Schweiz mit Twint bezahlen können. Umgekehrt könnten Nutzerinnen und Nutzer aus Europa in der Schweiz in Geschäften bezahlen, die Twint akzeptieren. Dies ist jedoch bisher nicht möglich.

Bereits seit fünf Jahren gibt es mit Empsa eine Vereinigung, die grenzüberschreitende Transaktionen mit verschiedenen europäischen Mobile-Payment-Systemen fördern möchte. Twint ist Gründungsmitglied dieser Vereinigung. Doch bisher können Kundinnen und Kunden nicht grenzüberschreitend bezahlen.

Twint teilt auf Anfrage von moneyland.ch mit, dass es durchaus sinnvoll ist, eine mögliche Zusammenarbeit zu prüfen, wenn eine hinreichende Abdeckung besteht. Bisher wurde jedoch keine Zusammenarbeit vereinbart.

Wero derzeit kaum für Schweizerinnen und Schweizer

Wero setzt ein Privatkonto bei einer Bank voraus, die Wero unterstützt. Deshalb ist es für Schweizerinnen und Schweizer kaum möglich, Wero zu nutzen. Theoretisch ist es wohl auch für Kundinnen und Kunden aus der Schweiz möglich, Wero zu nutzen, wenn sie ein Girokonto bei einer deutschen Sparkasse, Volksbank oder Raiffeisenbank oder einer anderen teilnehmenden Bank haben.

Touristinnen und Touristen aus den Nachbarländern Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Liechtenstein können Twint in der Schweiz auch ohne Bankkonto nutzen. Anders sieht es für Schweizer Touristen aus, die ihre Ferien in einem EU-Land verbringen. Ich persönlich finde dies schade.

 

Einschätzung von Ralf Beyeler

Grundsätzlich begrüsse ich eine gesamteuropäische Bezahl-App. Schade finde ich bei Wero allerdings, dass es sich um ein eher geschlossenes System handelt. Damit eine Bezahl-App erfolgreich sein kann, braucht es möglichst viele Konsumentinnen und Konsumenten wie auch Händler. Es ist zwar gut, dass man Geld zwischen Freunden herumschicken kann. Die wichtigste Funktion ist und bleibt jedoch das Bezahlen in Online-Shops und an der Ladenkasse. Gemäss Medienberichten soll das noch etwa zwei Jahre dauern, bis Wero diese wichtige Funktion ermöglicht.

Meine detaillierte Einschätzung:

  • Spät dran: Wero kommt reichlich spät. Zum Vergleich: Twint startete vor neun Jahren. In der Vergangenheit sind in europäischen Ländern einige Versuche gescheitert, verschiedene nationale Mobile-Payment-Systeme aufzubauen. Eine gesamteuropäische Mobile-Payment-Lösung aufzubauen ist sinnvoll und überfällig.
  • Unnötiger Kontozwang: Um Wero überhaupt nutzen zu können, müssen die Konsumentinnen und Konsumenten ein Konto bei einer teilnehmenden Bank haben.
  • Geschlossenes System: Derzeit planen insbesondere etablierte Banken die Teilnahme an Wero. Bei Smartphone-Banken ist dies im Moment noch kein Thema. Insbesondere jüngere digitalaffine Menschen dürften ein Konto bei einer Direktbank oder Smartphone-Bank haben. Diese können Wero nicht nutzen.
  • Starke Konkurrenz: Es gibt bereits eine starke Konkurrenz. Ein wichtiges Beispiel dafür ist Paypal. Aber auch Smartphone-Banken wie Revolut und Wise bieten ihren Kundinnen und Kunden längst die Möglichkeit, Geld an Kontakte im Smartphone zu schicken.
  • Instant Payment: Auch Instant Payment ist eine Konkurrenz für Wero. In vielen EU-Ländern ist der «SEPA Instant Credit Transfer» verbreitet. Auch Smartphone-Banken wie Revolut und Wise bieten die Echtzeitüberweisungen über SEPA an.

Ein Ziel der europäischen Banken, die hinter Wero stehen, ist es auch, die Abhängigkeit zu US-amerikanischen Zahlungsnetzwerken Mastercard und Visa zu reduzieren. Grundsätzlich begrüsse ich es, wenn der Wettbewerb mit einem weiteren System zunimmt.

Weitere Informationen:
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Twint: Fragen und Antworten

Experte Ralf Beyeler
Ralf Beyeler ist Telekom- und Geld-Experte bei moneyland.ch.
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