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Gratis-Trading: Das müssen Sie wissen

22. Juli 2022 - Benjamin Manz

Seit einigen Jahren gibt es Broker, die kostenloses Trading anbieten. Was ist vom Trend zu halten? Ist kostenloses Trading auch in der Schweiz möglich? Die Moneyland-Redaktion hat für Sie recherchiert.

Im internationalen Wertschriftenhandel geraten die Preise zunehmend unter Druck. Dafür sind auch einige Fintech-Startups verantwortlich, die den Markt mit kostenlosen Trades neu aufmischen.

Was sind Gratis-Broker?

Es handelt sich um Plattformen beziehungsweise Mobile-Apps, auf welchen Sie kostenlos (oder sehr günstig) Aktien und andere Wertpapiere kaufen und verkaufen können. Man spricht auch von Gratis-Brokern, Neo-Brokern, Smartphone-Brokern oder Billig-Brokern.

Der amerikanische Broker Robinhood war einer der ersten, der Aktienkauf zum Nulltarif über eine App angeboten hat. In der Folge gab es weltweit viele Startups und auch bereits etablierte Broker, die diesem Trend gefolgt sind. 

Welche Gratis-Trading-Apps gibt es?

  • BUX (Niederlande)
  • eToro (Israel)
  • Firstrade (USA)
  • Freetrade (Grossbritannien)
  • finanzen.net zero (ehemals Gratisbroker, Deutschland)
  • Justtrade (Deutschland)
  • Revolut (Grossbritannien)
  • Robinhood (USA)
  • Scalable Capital (Deutschland)
  • Smartbroker (Deutschland)
  • Trade Republic (Deutschland)
  • ...und diverse weitere.

Sind Gratis-Broker wirklich kostenlos?

Bei manchen der Billig-Broker sind der Kauf und Verkauf von Aktien tatsächlich kostenlos, das heisst es fallen keine Transaktionsgebühren (Courtagen) an. Allerdings kann es je nach Broker und Modell Konto-, Depot- oder Verwaltungsgebühren geben. Börsengebühren werden in der Regel ebenfalls weiter verrechnet, diese sind allerdings meistens sehr gering.

Der wichtigste Punkt betrifft allerdings die angewendeten Kurse: Zwischen den Brokern kann es grosse Unterschiede geben. Wenn zu schlechte Kurse verrechnet werden, kann das schnell einmal ins Geld gehen. Ausserdem kann es sein, dass Limit Orders nicht oder verspätet ausgelöst werden. Wichtig ist also, dass es sich um einen vertrauenswürdigen Anbieter handelt.

Sind die Gratis-Trading-Apps auch mit Schweizer Wohnsitz nutzbar?

Die meisten der Gratis-Trading-Apps sind noch nicht in der Schweiz nutzbar. Zumindest ist das bei den grossen bekannten internationalen Gratis-Brokern so. 

Eine Ausnahme ist eToro, die aber vor allem als Social-Trading-App bekannt ist. Aber auch bei eToro gelten Einschränkungen: So gehören die gekauften Aktien nicht Ihnen und können nur auf eToro wieder verkauft werden (Eigentümer der Aktien ist eToro: so genannte Sammelverwahrung). Ausserdem gibt es bei eToro nach einer Handelsinaktivität von 12 Monaten eine Gebühr von 10 US-Dollar pro Monat.

Beim deutschen Anbieter Smartbroker ist eine Kontoeröffnung für Schweizer Trader ebenfalls möglich, aufgrund der nötigen Formulare (zum Beispiel bezüglich FATCA) allerdings umständlich. Auch kann die Nutzerfreundlichkeit nicht mit den führenden Apps mithalten.

Sind Gratis-Trading-Apps seriös?

Bis jetzt gibt es ausschliesslich ausländische Broker, welche Gratis-Trades anbieten. Leider gibt es bei Brokern, die im Ausland nur ungenügend reguliert sind, viele schwarze Schafe. Auch können die Kundendienste von ausländischen Anbietern meistens nicht mit Schweizer Banken mithalten.

Deshalb sollten prinzipiell nur erfahrene Anleger im Ausland Geld anlegen. Bekannte Billig-Broker wie Robinhood oder Trade Republic gelten grundsätzlich als seriös. Allerdings wird das Geschäftsmodell immer wieder kritisiert, da es die Kunden benachteiligen kann.

Wie verdienen Gratis-Trading-Apps wie Robinhood Geld, wenn die Transaktionen mehrheitlich kostenlos sind?

In erster Linie ist Gratis-Trading ein Marketing-Instrument, um möglichst viele Kunden anzulocken (die berühmte «Magie des Kostenlosen»). Auch im Silicon Valley ist das ein verbreitetes Marketing-Instrument: Investoren-Gelder werden dazu genutzt, um mit dem Gratis-Argument möglichst viele Kunden anzulocken. 

Gratis- und Billig-Broker haben verschiedene Geschäftsmodelle. Die wichtigsten sind hier aufgeführt, wobei verschiedene Broker mehrere dieser Modelle anwenden. Einige davon werden auch als «Freemium-Modelle» bezeichnet: Gewisse Basisleistungen sind kostenlos, während andere «Premium»-Leistungen kostenpflichtig sind.

  1. Manche Anbieter bieten nur bestimmte Wertpapiere gratis zum Traden an, während andere Titel (zum Beispiel Aktien in bestimmten Märkten) oder Wertschriften-Typen (zum Beispiel Edelmetalle oder Kryptowährungen) kostenpflichtig sind. 
  2. Manche Gratis-Broker bietet zusätzliche kostenpflichtige App-Features, Research- und Beratungsdienstleistungen an («Cross-Selling und Up-Selling»).
  3. Konto-, Verwaltungs- oder Depotgebühren: Manche Anbieter verlangen zwar für den Kauf und Verkauf von Wertschriften nichts, dafür aber eine fixe Fee pro Monat oder Jahr.
  4. Inaktivitätsgebühren: Manche Anbieter verlangen nach einer bestimmten Zeit ohne Trading-Aktivitäten eine Gebühr.
  5. Traden auf Kredit: So genannte Margin Accounts ermöglichen es, gehebelte Positionen einzugehen. Für die dafür benötigte Finanzierung können jedoch Kreditzinsen sowie weitere Kosten anfallen.
  6. Kursdifferenzen («Spreads»): Broker können an den Kursdifferenzen mitverdienen – auf Kosten der Kunden.
  7. Gebühren für Bargeld auf dem Trading-Konto – zum Beispiel in der Form von Negativzinsen.
  8. «Payment for Order Flow»: Weiterleiten der Kundenaufträge an Drittparteien wie Hedge Funds und andere «Market Makers» gegen eine Provision.
  9. Reichweite: Internationale Apps haben im Vergleich zu Schweizer Trading-Plattformen oft eine riesige Reichweite. Das ermöglicht eine optimale Skalierung des Geschäftsmodells. Sprich: Auch wenn die Apps an einem einzigen Kunden nur wenig verdienen, können die Umsätze bei Millionen von Kunden trotzdem hoch sein.
  10. Zukünftige Preiserhöhungen: Erfahrungen aus anderen Branchen zeigen, dass die Preise wieder ansteigen können, sobald ein Anbieter genügend neue Kunden dazugewonnen hat. 

Was ist unter «Payment for Order Flow» zu verstehen?

Manche Gratis-Broker setzen auf ein besonders umstrittenes Geschäftsmodell: Sie leiten die Aufträge (Orders) ihrer User weiter an Drittfirmen. Dazu gehört zum Beispiel der Gratis-Broker Robinhood aus den USA, welche seine Kundenaufträge an Market Makers weiterleitet und von diesen dafür Provisionen erhält. Im Traderjargon spricht man von «Payment for Oder Flow».

Diese Market Makers stellen die Kurse, welche die Robinhood-Kunden erhalten. Zu den Market Makers von Robinhood gehören auch Hedge Funds und High-Frequency-Traders. Diese agieren in einem weitgehend intransparenten Umfeld – man spricht auch von Dark Pools.

Das Geschäftsmodell birgt Interessenkonflikte in sich. So besteht die Gefahr, dass Robinhood-Kunden, die mittels Market Orders («zum Bestpreis») kaufen oder verkaufen, schlechtere Kurse erhalten, als dies der Fall wäre, wenn die Market Orders direkt an eine Börse weitergeleitet würde. Ausserdem kann dies bei Limit Orders dazu führen, dass die Orders nicht oder zu spät ausgeführt werden. Grund: Die Market Makers, welche die Kurse für die Kunden stellen, verdienen an den Spreads, also den Kursunterschieden. Sind diese zu klein, ist es möglich, dass ein Kauf oder Verkauf nicht ausgeführt wird, obwohl an der Börse zum georderten Kurs eine Nachfrage bestünde.

Ausserdem sind die Hedge Funds bei einigen Geschäften selbst Partei, wie der Fall Gamestop gezeigt hat. Das ist umso problematischer, als einige wenige Hedge Funds für einen markanten Anteil am Umsatz von Robinhood verantwortlich sind. 

Was sind «Fractional Shares»?

Bei vielen Gratis-Trading-Apps wie Robinhood, Trade Republic und Revolut können Sie auch Fractional Shares kaufen. Das heisst Sie müssen nicht eine ganze Aktie kaufen, sondern können auch nur einen Bruchteil einer Aktie erwerben. Das hat den Vorteil, dass Sie sich auch mit wenig Geld an Aktien mit hohen Stückpreisen beteiligen können. Beispiele sind Amazon oder Alphabet (Google).

Nachteil: Die Aktie gehört nicht Ihnen – Sie können Sie auch nicht transferieren. Ein weiterer Nachteil: Es kann sein, dass wie bei Robinhood nur Market Orders, aber keine Limit Orders für Fractional Shares möglich sind. Damit sind Sie der Willkür der Market Makers ausgesetzt, die Ihnen einen beliebigen Kurs verrechnen können. 

Welches sind mögliche Vorteile von Gratis-Brokern?

  • Hauptvorteil sind natürlich die geringen Kosten: Im besten Fall punkten Gratis-Plattformen mit günstigen oder gar keinen Gebühren.
  • Nutzerfreundliche App: Viele neue Gratis-Broker sind in erster Linie als App verfügbar und besonders nutzerfreundlich designt worden. In der Regel ist es sehr einfach, Aktien und andere Wertpapiere zu kaufen.

Welches sind mögliche Nachteile von Gratis-Brokern?

  • Manche Gratis-Broker (wie Robinhood) leiten die Aufträge an Drittfirmen weiter. Ein intransparentes und problematisches Geschäftsmodell.
  • Einige Gratis-Broker verrechnen auf Kosten der Kunden schlechtere Kurse. Viele Kunden merken davon nichts und lassen sich durch vermeintliche Gratis-Trades blenden.
  • Bei manchen ausländischen Anbietern gibt es höhere Steuern auf Dividenden von Aktien als bei Schweizer Brokern. Oder die Rückerstattung der Steuern ist nur schwer oder gar nicht möglich.
  • Viele Gratis-Broker haben noch ein begrenztes Angebot an Börsen und Wertpapieren, die man handeln kann.
  • Viele Gratis-Broker haben im Vergleich zu etablierten Trading-Plattformen noch einen beschränkten Funktionsumfang und sind so für erfahrene Trader unbrauchbar. Auch Börsenaufträge (Orders) sind häufig auf eine Basisangebot limitiert.
  • Die populärsten Gratis-Trading-Apps sind für Kunden mit Schweizer Wohnsitz noch nicht nutzbar.
  • Ein möglicher Nachteil bei einigen Apps ist auch der oft ungenügende Kundendienst.
  • Von Konsumentenschützern wird ausserdem kritisiert, dass Kleinanleger mit wenig Geld mit einfach bedienbaren Apps zu riskanten Investments verleitet werden. Die geringen Gebühren verleiten zum «Zocken».

Welches ist die bekannteste Gratis-Trading-App?

Robinhood ist die zurzeit bekannteste Gratis-App aus Amerika. Für Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz ist die App allerdings noch nicht nutzbar. Es sind bislang ausschliesslich in der USA gelistete Aktien, ETFs und Optionen kostenlos handelbar. Börsen- und staatliche Abgaben fallen auch bei Robinhood an.

Robinhood ist 2013 gegründet worden und hat mittlerweile schon mehr als 22 Millionen Nutzer. Damit ist Robinhood die wohl erfolgreichste Gratis-Trading-App der Welt.

Geld verdient Robinhood unter anderem mit Trading auf Kredit (Margin Lending) und dem Weiterleiten der Kundenaufträge an Drittanbieter (Market Makers wie Hedge Funds).

Mehrere namhafte Silicon-Valley-Investoren sind bei Robinhood mit an Bord – darunter auch Google. Der Suchmaschinen-Gigant ist auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen schon seit längerem an der Digitalisierung der Finanzwelt interessiert.

Weshalb handeln auch Trader aus dem Ausland in der Schweiz? 

Trotz den höheren Gebühren gibt es immer mehr ausländische Kunden, die ihr Trading-Konto in der Schweiz eröffnen. Die Schweiz zieht als wirtschaftlich und politisch sicherer Finanzplatz eben immer noch.

Umgekehrt gilt auch, dass bislang nur verhältnismässig wenige Schweizer Trader bei günstigeren internationalen Brokern ihre Wertschriften handeln. Auch beim Online-Trading ist Sicherheit oberstes Gebot.

Gibt es auch schon Gratis-Broker mit einer Schweizer Lizenz?

Schweizer Trading-Plattformen gehören im internationalen Vergleich eher zu den teureren Angeboten. Das wird von Schweizer Banken mit den höheren Regulierungs- und Betriebskosten in der Schweiz begründet. Dafür haben die bekannten Schweizer Broker eine Schweizer Banklizenz.

Einzelne Schweizer Broker bieten Gratis-Accounts an – allerdings nur zu Demozwecken. Da können Sie mit Spielgeld erste Erfahrungen mit der Plattform sammeln.

Manche Schweizer Banken bieten im Rahmen von Marketing-Aktionen auch einzelne kostenlose Trades an – diese gelten dann aber meistens nur für eine kurze Zeit. Entsprechende Aktionen werden auch im Trading-Vergleich auf moneyland.ch erwähnt.

Update: Seit Mitte Juli 2022 bietet die Schweizer Flowbank kostenlose Trades von Schweizer Aktien via die Börse BX Swiss an. Das heisst es fallen keine Courtagen an, nur Stempelsteuern. Das zeigt, dass der Trend langsam auch in der Schweiz ankommt.

Werden kostenlose Trades bald auch in der Schweiz zum Standard gehören?

Davon ist kaum auszugehen. Zwar sind die Transaktionsgebühren im internationalen Vergleich in den letzten Jahren gesunken. Allerdings ist die Schweiz ein teurer und verhältnismässig kleiner Markt. 

Das hohe Preisniveau im Aktien- und Wertschriftenhandel ist in der Schweiz in den letzten Jahren nur in wenigen Einzelfällen etwas gesunken. Dafür verantwortlich waren jeweils neue Markteilnehmer, welche mit etwas tieferen Gebühren auf sich aufmerksam gemacht haben.

Es ist aber durchaus möglich, dass immer mehr internationale Billig-Broker ihre Dienstleistungen auch für Kunden in der Schweiz offerieren werden. Wenn genügend Schweizer Kunden diese Apps nutzen, könnten auch Schweizer Banken unter Druck geraten.

Wie hoch sind Depotgebühren und Courtagen von Schweizer Banken?

Einige wenige Schweizer Banken wie Cornèrtrader verlangen keine Depotgebühren. Dafür können Inaktivitätsgebühren verrechnet werden. 

Dazu kommen praktisch immer noch kostenpflichtige Transaktionsgebühren (Courtagen). Die Courtagen variieren je nach Anbieter, Wertschriftentyp, Börse, Betragshöhe und Volumen markant.

Achtung vor Lockvogelangeboten wie etwa «nur 5 Franken pro Trade». Solche Angebote beziehen sich auf die jeweils günstigste Courtagen-Variante, wobei weitere Gebühren dazukommen können. Ein individueller Trading-Vergleich, wie er auf moneyland.ch möglich ist, muss also immer alle Gebühren berücksichtigen.

Ihre Moneyland-Redaktion

Weiterführende Informationen:
Trading-Vergleich
Depotgebühren im Vergleich
Tipps für den Aktienhändler
Börsenaufträge (Orders) im Vergleich

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Benjamin Manz ist Geschäftsführer von moneyland.ch und unabhängiger Experte für Banken- und Finanzthemen.
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