Libor (London Interbank Offered Rate)

Der Begriff Libor (manchmal auch gross geschrieben: LIBOR) steht für «London Interbank Offered Rate». Er wird auch Interbanken-Zinssatz genannt.

Der Libor bezeichnet den durchschnittlichen Zinssatz, zu dem sich international wichtige Banken gegenseitig Geld ausleihen, also Kredite gewähren. Dafür melden die involvierten Banken jeden Werktag um 11.00 Uhr (Londoner, das heisst westeuropäische Zeit) die entsprechenden Zinssätze für unbesicherte Geldmarkt-Kredite der Agentur Thomson Reuters.

Die Berechnung erfolgt anschliessend nach Kriterien von Thomson Reuters anhand der kommunizierten Zinssätze von 8, 12 oder 16 Banken. Die involvierten Banken werden auch Panel-Banken genannt und können je nach Währung variieren. Aufgrund der strengen Auswahl-Kriterien für Panel-Banken kann davon ausgegangen werden, dass die entsprechenden Zinssätze zu den niedrigsten Interbank-Zinssätzen in London gehören.

Für die Berechnung werden aber nur die mittleren 50 Prozent der Zinssätze berücksichtigt – die höchsten und tiefsten 25 Prozent der Zinssätze werden nicht in die Rechnung mit einbezogen. Die von den Banken mitgeteilten Zinssätze entsprechen dabei den erwarteten Zinssätzen für die entsprechende Laufzeit zum Zeitpunkt der Erhebung – also nicht etwa tatsächlichen Erhebungen.

Der Libor kann auch negativ sein. In diesem Fall zahlt die Bank, die den «Kredit» vergibt, eine Gebühr an die Bank, die den «Kredit» nimmt.

Der Libor wird für 7 verschiedene Laufzeiten berechnet, darunter 1 Tag («Overnight»), 1 Woche, 1 Monat, 2 Monate, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate.

Die 5 Libor-Hauptwährungen sind der Euro (EUR), US-Dollar (USD), der Schweizer Franken (CHF), der japanische Yen (JPY) sowie das britische Pfund Sterling (GBP).

Die Verkündung des Zinssatzes erfolgt danach jeden Arbeitstag um 11.45 (westeuropäische Zeit). Die Zinssätze werden durch Partner der ICE Benchmark Administration (IBA) wie Global Rates zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich kommuniziert.

Da der Libor als Basiszinssatz für diverse Produkte verwendet wird, hat er auch auf Produkte für Privatkunden wie Hypotheken und Sparkonten einen unmittelbaren Einfluss.

Wichtig: Der Libor ist in der Vergangenheit verschiedentlich manipuliert und kritisiert worden. Deshalb soll er gemäss der britischen Finanzmarktaufsicht FCA bis und mit 2021 abgeschafft werden. An die Stelle des heutigen Libor wird in Zukunft eine neue Kennzahl treten. Welcher Zinssatz das sein wird, ist noch unklar. In der Schweiz ist der Saron als Libor-Ersatz ein heiss gehandelter Kandidat.

Weitere Informationen:
Was ist eine Libor-Hypothek?

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