Postfinance Vorsorgefonds teurer 2022
News: Banken

Jetzt werden die Vorsorgefonds der Postfinance teurer

16. Mai 2022 - Felix Oeschger

Die Postfinance hat ihre vier 3a-Vorsorgefonds überarbeitet. Die wichtigste Neuerung für Kundinnen und Kunden: Die Anlageprodukte sind jetzt wesentlich teurer als zuvor.

Vorsorgevermögen von insgesamt rund 1.8 Milliarden Franken werden in neue Anlageprodukte umgeschichtet: Die Postfinance wandelt am 16. Mai ihre vier 3a-Vorsorgefonds «Postfinance Pension» in aktiv verwaltete und wesentlich teurere Produkte um. Im gleichen Zug erhalten die Fonds jeweils einen neuen Namen: «PF Pension – ESG». Wer seine Anteile an diesen Fonds nicht verkauft hat, erhält nun automatisch Anteile an den neuen.

Die Total Expense Ratio (TER) ist bei den neuen Vorsorgefonds jeweils rund ein Viertel höher als bei den bisherigen Produkten (Tabelle). Besonders stark betrifft es den «Postfinance Pension 45», bei dem im Gegensatz zu den anderen Produkten auch der Aktienanteil leicht von 45 auf 50 Prozent erhöht wird – er kostet künftig fast ein Drittel mehr. Grundsätzlich gilt weiterhin: Je höher der Aktienanteil, umso höher die Kosten.

Tabelle: Anpassung der Postfinance-Vorsorgefonds

Alter Name Neuer Name Alte TER Neue TER*
Postfinance Pension 25 PF Pension – ESG 25 Fund 0.88% 1.12%
Postfinance Pension 45 PF Pension – ESG 50 Fund 0.92% 1.19%
Postfinance Pension 75 PF Pension – ESG 75 Fund 0.98% 1.24%
Postfinance Pension 100 PF Pension – ESG 100 Fund 1.01% 1.27%

*Prognose der Postfinance

Zum Vergleich: Bei anderen Anbietern erhalten Kundinnen und Kunden auch 3a-Vorsorgefonds, deren jährliche Kosten unter 0.5 Prozent liegen. Auch die durchschnittlichen Kosten für Vorsorgefonds sind in der Schweiz mit 1.08 Prozent etwas niedriger als bei den neuen Produkten der Postfinance. «Wer sein Vorsorgevermögen bei der Postfinance hält, zahlt also drauf», sagt Analyst Felix Oeschger von moneyland.ch.

Noch weitere Zusatzkosten möglich

Bei den Kosten für die neuen Fonds gilt es zu bedenken: Die TER wird jeweils anhand der effektiven Kosten in der Vergangenheit berechnet. Darum handelt es sich bei der zukünftigen TER für die angepassten Postfinance-Fonds um eine Prognose der Bank. «Diese Prognose dürfte ungefähr der TER entsprechen, die Kundinnen und Kunden im kommenden Jahr effektiv zahlen müssen», sagt Oeschger von moneyland.ch.

Der Analyst geht zudem davon aus, dass die Umstrukturierung für die Kundinnen und Kunden der Postfinance noch weitere, versteckte Kosten verursachen wird. Denn die Bank will bei den 3a-Vorsorgefonds künftig Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. «Es können wegen der Umschichtung zeitweise zusätzliche interne Transaktionskosten entstehen», so der Analyst von moneyland.ch. Wie hoch diese einmalig anfallenden Kosten sind, hängt davon ab, wie viel des Fondsvermögens umgeschichtet wird.

Diese Kosten sind normalerweise nicht in der TER enthalten – sie können sich stattdessen in der Performance des Fonds niederschlagen. Die Bank schreibt auf Anfrage von moneyland.ch, man versuche, die Transaktionskosten so niedrig wie möglich zu halten. Welcher Anteil des Fondsvermögens im Rahmen der Umstrukturierung effektiv umgeschichtet werden muss, beantwortete die Bank jedoch nicht.

Aufschlag für aktive Verwaltung

Als Grund für die höheren Kosten gibt Postfinance an, dass alle vier Produkte neu aktiv verwaltet werden – bisher handelte es sich um passive Fonds. «Aktiv verwaltete Produkte sind praktisch immer teurer als passive», erklärt Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch.

Die Postfinance schreibt auf Anfrage von moneyland.ch, man hoffe, dass die aktiv verwalteten Fonds eine bessere Performance aufweisen können als der Markt. Gemäss Analysen von moneyland.ch fährt man allerdings mit aktiv verwalteten Fonds tendenziell schlechter als mit passiven. «Für die Kundschaft dürfte der Wechsel zu einem aktiv verwalteten Produkt also eher ein Nachteil sein», gibt Oeschger zu bedenken. «Ob die Fondsmanager überhaupt in der Lage sein werden, den Markt zu schlagen, ist fraglich – die höheren Kosten müssen Kundinnen und Kunden hingegen so oder so tragen.»

Teure Nachhaltigkeit?

Dass die Postfinance mit den Vorsorgeprodukten im Namen der Nachhaltigkeit künftig stärker auf sogenannte ESG-Kriterien eingehen will, ist laut der Bank ein weiterer Grund, warum die Fonds neuerdings aktiv verwaltet sind.

«Für nachhaltige Anlageprodukte ist eine aktive Verwaltung aber gar nicht erforderlich», findet Oeschger von moneyland.ch. Schliesslich gebe es auch in der Schweiz passiv verwaltete Nachhaltigkeitsfonds, die wesentlich niedrigere TER aufweisen. Bei den nachhaltigen Vorsorgelösungen sind passiv verwaltete Produkte hingegen noch knapp.

Verkauf bei Pensionierung nicht mehr Pflicht

Kundinnen und Kunden der Postfinance müssen ihre Vorsorgefonds nach der Pensionierung neuerdings nicht mehr verkaufen. Stattdessen kann das Guthaben in ein anderes Wertschriftendepot verschoben werden. «Das ist von Vorteil für Kundinnen und Kunden, die während einer Rezession oder dergleichen pensioniert werden», erklärt Benjamin Manz von moneyland.ch. Bisher waren sie bei der Pensionierung gezwungen zu verkaufen, selbst wenn sie wegen niedriger Kurse auf diese Weise Verluste hinnehmen mussten.

Der Transfer des 3a-Vorsorgefonds-Vermögens in ein anderes Wertschriftendepot erfolgt bei der Postfinance kostenlos. Allerdings fallen danach für das neue Depot jährliche Gebühren an. Bei der Anlagelösung «Fondsberatung Basis» sind es 0.25 Prozent plus Mehrwertsteuer. Falls Kundinnen und Kunden die Fonds im Selfservice kaufen, sind es 0.15 Prozent plus Mehrwertsteuer. 

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Felix Oeschger ist Analyst und Experte bei moneyland.ch.