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Erfahren Sie im folgenden Beitrag von moneyland.ch alles, was Sie rund um digitale Vermögensverwalter in der Schweiz wissen müssen.

Digitale Vermögensverwalter sind in der Schweiz relativ neu am Markt. Die als Online-Vermögensverwalter konzipierte Nettobank wurde mit dem Aus der Mutterbank Wegelin 2012 wieder eingestellt. Am Markt sind aber die folgenden Anbieter: Die Online-Bank Swissquote mit ihrer e-Private Banking-Lösung, die Glarner Kantonalbank mit ihrem Online-Angebot Investomat, der Online-Anbieter TrueWealth, das Angebot SaxoSelect der Saxo Bank, der Online-Anbieter Descartes Finance, das VZ Vermögenszentrum mit einem digitalen Angebot sowie die erst 2017 lancierten Anbieter Selma Finance und Simplewealth. Eine ausführlichere Übersicht über Schweizer Robo Advisor können Sie sich als PDF zustellen lassen (vgl. unten).

Robo Advisor sind im Trend

Bei den so genannten Robo Advisor handelt es sich nicht um eigentliche Roboter, wie der missverständliche Name suggeriert. Auch wird in der Regel keine Beratung angeboten. Es handelt sich vielmehr um digitale Vermögensverwalter, die mehr oder weniger automatisiert Geld für Anleger investieren.

Zu den grössten Robo-Advisor-Anbietern der Schweiz zählen TrueWealth mit mehr als 50 Millionen Franken an verwalteten Vermögen und ePrivate Banking von Swissquote mit rund 170 Millionen Franken (Stand August 2017). Bereits mehr als 2 Milliarden Franken verwaltet das VZ Vermögenszentrum «digital» (wenn es sich auch nicht um einen typischen Robo Advisor handelt). Insgesamt sind die verwalteten Vermögen allerdings noch deutlich zu klein und die meisten Robo-Advisor-Angebote damit noch nicht rentabel.

Die deutlich höheren Kosten in der klassischen Vermögensverwaltung werden aber auch in der Schweiz immer stärker unter Druck kommen. Mit der zunehmenden Digitalisierung des Alltags wird auch in der Vermögensverwaltung eine Verschiebung von klassischen hin zu digitalen und hybriden Modellen stattfinden.

Unterschiede zur klassischen Vermögensverwaltung

Im Unterschied zur klassischen Vermögensverwaltung, die häufig erst ab hohen Anlagebeträgen erhältlich ist, gibt es digitale Angebote schon ab 500 Franken (VZ), 5000 Franken (Investomat, Simplewealth, Selma Finance), 8500 Franken (TrueWealth), 10'000 Franken (Swissquote) oder 20'000 Franken (SaxoSelect, Descartes Finance).

Im Fall von Robo-Advisor-Angeboten wird mehrheitlich automatisiert in passive Produkte wie Exchange Traded Funds (ETF) investiert. Die Risikofähigkeit und Risikotoleranz der Anleger wird digital erfragt – entsprechend wird das Geld dann in unterschiedliche ETF angelegt. Während in der klassischen Vermögensverwaltung eine Beratung angeboten wird, fehlt diese in der Regel bei digitalen Angeboten. Ausnahmen sind hybride Modelle, welche den Online-Ansatz mit Beratungselementen verknüpfen. Der Mehrwert von Anlageberatern ist allerdings umstritten.

Klar ist, dass Schweizer Robo Advisor deutlich günstiger sind als klassische Private-Banking-Mandate. Je nach Betrag und Profil können die günstigsten Robo Advisor bis zehnmal so günstig sein wie die teuersten Private-Banking-Angebote. Noch günstiger ist es natürlich, die gewünschten ETF selbst bei einem kostengünstigen Online-Broker zu kaufen.

Pauschalgebühren im Vergleich

Kontoeröffnungen und Kontoschliessungen sind bei allen Schweizer Robo-Advisor-Angeboten kostenfrei. Retrozessionen gibt es keine – im Fall des VZ Vermögenszentrums werden allfällige Retrozessionen dem Kunden weitervergütet.

Die wichtigsten Gebühren der Schweizer Digitalanbieter sind so genannte Pauschalgebühren. Praktisch alle Schweizer Robo Advisor haben ein Pauschalgebühren-Modell, das zugleich auch die Transaktions- und Depotgebühren umfasst. Allerdings kommen staatliche Umsatzabgaben und Mehrwertsteuern – sowie bei den meisten Anbietern Produktgebühren – zusätzlich hinzu.

Pauschalgebühren können je nach Anbieter erheblich variieren. TrueWealth stellt mit 0.5% pro Jahr die niedrigsten Gebühren in Rechnung, beim Investomat der Glarner Kantonalbank sind es 0.6%, bei Selma Finance 0.72%, bei SaxoSelect 0.85% pro Jahr. Beim VZ Finanzportal kostet die digitale Vermögensverwaltung je nach Dienstleistung 0.55% bis 1.25%, beim ePrivate Banking von Swissquote 0.5% plus eine volumenabhängige Administrationsgebühr zwischen 0.45% und 0.75% (dafür sind die Produktgebühren bereits enthalten).

Produktkosten im Vergleich

Produktkosten werden bei praktischen allen digitalen Vermögensverwaltern zusätzlich zu den Pauschalgebühren verrechnet. Meistens handelt es sich dabei um die so genannte Total Expense Ratio (TER) der gewählten ETF. Bei TrueWealth sind es im Durchschnitt 0.18% bis 0.28% pro Jahr, beim VZ und Selma Finance durchschnittliche 0.2%, bei SaxoSelect 0.25% bis 0.29%. Eine Ausnahme ist das ePrivate Banking von Swissquote, wo auch die Produktkosten in den Pauschalgebühren enthalten sind. Im Rahmen von klassischen Private-Banking-Angeboten werden übrigens die Produktkosten in aller Regel ebenfalls separat verrechnet – im Fall von aktiv gemanagten Fonds sind diese noch deutlich teurer als bei ETF.

Robo-Advisor-Anlagen im Vergleich

In der Regel werden die Gelder im Rahmen der digitalen Vermögensverwaltung in passiv gemanagte Fonds – so genannte Exchange Traded Funds (ETF) – investiert. Schweizer Robo Advisor nutzen dabei in der Regel replizierende ETF der grossen ETF-Anbieter wie iShares, manchmal auch synthetische. Seltener werden auch Exchange-Traded Commodities (ETC) für Rohstoff-Anlagen eingesetzt. Bei einzelnen Anbietern wie Descartes Finance und VZ Vermögensentrum ist auch der Kauf von einzelnen Titeln wie Aktien möglich.

Sicherheit von digitalen Anbietern unter der Lupe

Wenn ein Robo Advisor Konkurs ginge, wäre das Geld der Anleger trotzdem geschützt, da dieses auf einer Depotbank liegt. Im Fall von TrueWealth und Selma Finance werden die Anlagen auf der Saxo Bank (Schweiz), bei Descartes Finance auf der UBS oder Vontobel deponiert. Bei den bankeigenen Angeboten wie beim ePrivate Banking von Swissquote, beim Investomat der Glarner Kantonalbank, bei SaxoSelect der Saxo Bank und beim VZ Finanzportal fungiert das eigene Haus als Depotbank.

Im Fall eines Konkurses der Depotbank hinwiederum würden Wertschriften wie ETF nicht in die Konkursmasse fallen, sondern nur der Bargeld-Bestand. Für das Bargeld gilt die schweizerische Einlagensicherung bis 100'000 Franken. Im Fall des Anbieters Simplewealth sind die Anlagen bei Interactive Brokers in den USA deponiert.

Übrigens: Wenn Sie eine tabellarische Übersicht (als PDF) über Schweizer Robo Advisor wünschen, können Sie sich diese hier kostenlos zuschicken lassen.

Weiterführende Informationen:
Robo Advisor: digitale Vermögensverwalter
Schweizer Online-Broker im Vergleich
Private Banking: Schweizer Vermögensverwaltung im Vergleich

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