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News: Banken

Twint statt Lastschriftverfahren?

19. August 2026 - Ralf Beyeler

Twint wird ab 2027 eine Alternative zum Lastschriftverfahren anbieten. Ralf Beyeler von moneyland.ch zeigt auf, was das für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet.

Die Bezahl-App Twint hat sich im Alltag fest etabliert. Mehr als sechs Millionen Schweizerinnen und Schweizer nutzen Twint. Ab 2027 will Twint den Konsumentinnen und Konsumenten das Bezahlen von wiederkehrenden Rechnungen ermöglichen.

Die Pläne von Twint für eine Alternative zum Lastschriftverfahren sind bereits seit Längerem bekannt. Jetzt hat Twint weitere Details veröffentlicht. Ab 2027 wird die «Twint Direktlastschrift» verfügbar sein. Zu den Gebühren hat Twint bisher keine Angaben gemacht.

Kundinnen und Kunden können einmalig in der Twint-App die Erlaubnis für wiederkehrende Rechnungen erteilen. Anschliessend werden alle Rechnungen dieses Rechnungsstellers automatisch mit Twint bezahlt. Bei falschen Abbuchungen können Kundinnen und Kunden Widerspruch einlegen.

Twint informiert frühzeitig

Twint informiert bereits jetzt über die neue Lösung: Rechnungssteller, Banken und Abrechnungsplattformen benötigen genügend Zeit, um die Direktlastschrift in ihre Systeme zu integrieren.

Konsumentinnen und Konsumenten können die Direktlastschrift derzeit noch nicht nutzen.

Wie bisher können Kundinnen und Kunden bei einigen Anbietern Twint als Zahlungsmittel hinterlegen. So können Billetkäufe mit der SBB-App, Netflix-Abos und Handy-Rechnungen von Salt bereits heute automatisch mit Twint bezahlt werden. Dabei handelt es sich um automatische Online-Zahlungen und nicht um eine Direktlastschrift.

Twint oder SIX: Wer wird das Rennen machen?

Twint prescht nicht ohne Grund bereits jetzt vor: In rund zwei Jahren stellen die Schweizer Banken ihr Lastschriftverfahren LSV+ ein. Twint will sich als Nachfolgelösung für LSV+ positionieren. Auch andere Anbieter wie SIX mit eBill Debit Direct bringen ihre Nachfolgelösungen auf den Markt.

Noch ist offen, welche Systeme Konsumentinnen und Konsumenten künftig nutzen können. Das hängt davon ab, welche Lösungen die einzelnen Rechnungssteller und die verschiedenen Banken anbieten.

Nicht alle Banken schalten das Lastschriftverfahren ab: Postfinance wird ihr eigenes Lastschriftverfahren weiterführen. UBS will das bisherige Lastschriftverfahren für ihre Kundinnen und Kunden weiter anbieten, sofern die Rechnungssteller eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen haben.

Einschätzung von Ralf Beyeler

Bisher ist Twint dafür bekannt, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten Geld zuschicken können. In der Schweiz wird Twint zudem oft für das Bezahlen an der Ladenkasse und in Online-Shops benutzt.

Doch Twint hat sich bisher nicht als Plattform zum Bezahlen von klassischen Rechnungen etablieren können. Bereits vor sechs Jahren kündigte Twint an, dass QR-Rechnungen auch über Twint bezahlt werden können. Doch Twint konnte sich nicht breit durchsetzen.

Aus meiner Sicht liegt der Unterschied im Einsatzgebiet: Twint ist im Payment-Segment stark, nicht jedoch im Segment der klassischen Rechnungen.

Es ist fraglich, wie viele Kundinnen und Kunden ihre Krankenkassen- oder Steuerrechnung künftig mit Twint bezahlen wollen. Solche Rechnungen werden heute meist über das E-Banking bezahlt.

Rechnungssteller zu finden, dürfte für Twint eine Herausforderung werden. Der wichtigste Grund dafür sind die deutlich höheren Gebühren im Payment-Segment. Ich gehe davon aus, dass Twint für das Bezahlen von Rechnungen gleich hohe Gebühren verlangen wird wie bei Transaktionen an der Kasse. Rund 1.3 Prozent dürften realistisch sein.

Experte Ralf Beyeler
Ralf Beyeler ist Telekom- und Geld-Experte bei moneyland.ch.