Strukturierte Produkte sind ein weites Feld, das zahlreiche Anlageprodukte umfasst. In diesem Ratgeber beantwortet moneyland.ch die wichtigsten Fragen und verschafft Ihnen einen Überblick über strukturierte Produkte.
Was sind strukturierte Produkte?
Strukturierte Produkte – in der Schweiz auch als «Strukis» bekannt – stehen als Oberbegriff für Anlageprodukte, die einen Basiswert wie Aktien oder Obligationen mit einem Derivat verknüpfen. Derivate sind Finanzprodukte, deren Kurs an einen anderen Vermögenswert gebunden ist.
Mit solchen Produkten lässt sich eine Vielzahl individuell zugeschnittener Anlageinstrumente für unterschiedliche Risikoprofile und Marktszenarien herstellen. Mit bestimmten strukturierten Produkten können Sie auch in seitwärts oder abwärts tendierenden Märkten eine Rendite erzielen, also wenn Kurse stagnieren oder sinken.
Welche Arten von strukturierten Produkten gibt es?
Strukturierte Produkte lassen sich je nach Rendite-Risiko-Verhältnis und Markterwartungen grob in vier verschiedene Kategorien einteilen.
Viele – aber nicht alle – strukturierte Produkte enthalten ein Fälligkeitsdatum. An diesem Tag wird das Produkt aufgelöst, und Sie erhalten als Anleger oder Anlegerin den Wert Ihrer Anlage gemäss Vereinbarung ausgezahlt.
Wie beliebt sind strukturierte Produkte?
In der Schweiz nehmen strukturierte Produkte eine bedeutende Rolle ein. Die Schweiz ist gemäss dem Branchenverband Swiss Structured Products Association (SSPA) der weltweit grösste Markt für strukturierte Produkte – das Anlagevolumen liegt bei über 200 Milliarden Franken.
Welche Gebühren fallen an?
Aufgrund des sehr mannigfaltigen Angebots an strukturierten Produkten, ist eine allgemeine Aussage über die Höhe der Gebühren kaum möglich. Die Kosten variieren zum einen je nach Produkt, zum anderen aber auch je nach dem Broker, über den Sie in strukturierte Produkte investieren.
Die laufenden Produktgebühren werden in der Regel als Total Expense Ratio (TER) angegeben. Die laufenden Kosten fallen häufig deutlich höher aus als bei passiven Anlagefonds wie Indexfonds und den meisten ETF: Jährliche Produktkosten von über 1 Prozent sind keine Seltenheit.
Broker erheben für Käufe und Verkäufe von strukturierten Produkten Transaktionsgebühren, die auch als Courtagen bekannt sind. Diese können bei einigen Anbietern höher ausfallen als bei anderen Wertschriften wie Aktien, Obligationen oder Exchange Traded Funds (ETF). Die meisten Broker verrechnen überdies Depotgebühren. Tipp: Sie können sich im Trading-Vergleich von moneyland.ch einen Überblick über alle Gebühren der Anbieter verschaffen. Wählen Sie dazu unter «Spezialisierte Tradingklassen» die Option «Derivate und strukturierte Produkte» aus.
Welche Risiken und Nachteile sind zu beachten?
Da sich die genauen Risiken und Nachteile je nach Produkt deutlich unterscheiden können, ist eine allgemeingültige Aussage nur bedingt möglich. Die Risiken hängen grundsätzlich von der Produktstruktur sowie dem unterlegten Basiswert ab. Allerdings finden sich einige Nachteile in vielen bis allen strukturierten Produkten wieder:
- Komplexität: Viele strukturierte Produkte weisen komplexe Funktionsweisen auf, die sich unerfahrenen Anlegerinnen und Anleger nur schwerlich erschliessen. Dies ist ein Warnsignal: Tun Sie sich schwer, das Produkt zu verstehen, sollten Sie eher die Finger davon lassen, da Sie auch die Risiken nicht vollends einschätzen können.
- Keine Dividenden: Bei strukturierten Produkten, die auf Aktien basieren, erhalten Sie in aller Regel keine Dividenden – im Gegensatz zu Investitionen in die Aktien selbst oder in ETF.
- Hohe laufende Kosten: Die laufenden Kosten von strukturierten Produkten können relativ hoch ausfallen: Gebühren über 1 Prozent pro Jahr sind möglich. Dies kann für den Erfolg Ihres Investments stark ins Gewicht fallen.
- Emittentenrisiko: Strukturierte Produkte sind, anders als Aktien, Obligationen oder ETF-Anteile, blosse Schuldverschreibungen. Dies hat zur Folge, dass Sie als Anlegerin oder Anleger ein Emittentenrisiko (Kontrahentenrisiko) tragen – im Konkursfall des Anbieters kann im schlimmsten Fall ein Totalverlust resultieren.
- Hohes Verlustrisiko: Bei vielen strukturierten Produkten ist ein hohes Verlustrisiko zu beachten. Dies gilt vor allem bei gehebelten Produkten, die zwar potenziell mit einer sehenswerten Rendite, aber ebenso mit beträchtlichen Verlusten aufwarten können.
Für wen sind strukturierte Produkte geeignet?
Strukturierte Produkte beschreiben kein konkretes Anlageprodukt, sondern sind lediglich der Oberbegriff für eine umfassende Produktfamilie. Eine pauschale Beantwortung der Frage ist generell nicht möglich – die Zielgruppe hängt vom konkreten Produkt ab.
Unabdingbar ist mindestens ein grundlegendes Verständnis des Anlageprodukts und seiner Risiken. Viele strukturierte Produkte weisen eine komplexe Funktionsweise auf, die für unerfahrene Anlegerinnen und Anleger nur schwer verständlich sein kann.
Strukturierte Produkte bedienen häufig ganz spezifische Kundenbedürfnisse und Markterwartungen. Diese können für Sie also infrage kommen, wenn Sie spezielle Bedürfnisse haben, denen andere Anlageformen gar nicht oder nur unzureichend gerecht werden. Ein Beispiel: Hebel-ETF sind maximal mit zweifachem Hebel erhältlich, während in Hebel-Zertifikaten ein stärkerer Hebel verbaut sein. Beachten Sie aber, dass stark gehebelte Produkte für unerfahrene Anfängerinnen und Anfänger aufgrund des erhöhten Verlustrisikos nicht zu empfehlen sind.
Sie können viele strukturierte Produkte auch durch andere Anlageprodukte wie ETF ersetzen. Dies betrifft beispielsweise Tracker-Zertifikate auf eine Auswahl verschiedener Aktien. ETF sind etwas sicherer als Tracker-Zertifikate, da es sich im Konkursfall des Emittenten um Sondervermögen handelt und den Anlegerinnen und Anlegern das Kontrahentenrisiko in der Regel erspart bleibt
Wie gut rentieren strukturierte Produkte?
Grundsätzlich: Wie gut strukturierte Produkte rentieren, lässt sich nicht allgemein sagen. Dies liegt zum einen daran, dass die künftige Rendite bis auf wenige Ausnahmen nie voraussagen lässt. Zum anderen hängt die Performance von den enthaltenen Basiswerten ab, deren Wertentwicklung stark unterschiedlich sein kann.
Als Indikator kann zumindest der SSPA MBRC Global Index dienen, der von der SSPA für strukturierte Produkte in den Währungen Schweizer Franken, Euro und US-Dollar herausgegeben wird. Der Index setzt sich aus sogenannten Worst-of-Barrier-Reverse-Convertibles, also einer Form der Aktienanleihe, zusammen. Dessen Kurs ist in Franken seit dem Beginn der Datenerhebung am 31. Juli 2024 um gut 6 Prozent gestiegen (Stand: 8. Oktober 2025).
Hinweis: Der Artikel ist keine Anlageberatung und dient lediglich der Information. Angaben ohne Gewähr.
Weitere Informationen:
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