Viele Konsumentinnen und Konsumenten wundern sich über hohe Gebühren beim Bankkonto, hohe Kosten bei Kreditkarten und tiefe Zinsen auf ihrem Sparkonto. Trotzdem bleiben viele bei einer einzigen Bank.
Die Schweizerinnen und Schweizer sind ihrer Hausbank sehr treu. Dies bestätigt eine 2025 veröffentlichte repräsentative Umfrage von moneyland.ch: 63 Prozent der Befragten haben in den letzten zehn Jahren nie die Hausbank gewechselt. Doch was kostet diese Treue?
Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat jetzt die Angebote von neun grossen Schweizer Banken analysiert. Dabei wurden die jährlichen Gesamtkosten berechnet. Diese umfassen sowohl Kosten als auch Gutschriften durch Zinsen und Bonusprogramme.
Für die Studie wurde von folgender Nutzung ausgegangen:
- Privatkonto mit Debitkarte
- Sparkonto
- Kreditkarte
- Kartennutzung im Ausland
- Vorsorge-Wertschriftenlösung (Säule 3a)
Das sind die wichtigsten Bankdienstleistungen. Viele Kundinnen und Kunden nutzen diese von ihrer Hausbank. Damit ist die Studie für einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung relevant.
«Alles von der Hausbank» kostet zwischen 491 und 821 Franken
Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Banken sind deutlich: Am günstigsten ist die Migros Bank mit Gesamtkosten von 491 Franken im Jahr. Dahinter folgen die Zürcher Kantonalbank mit 597 Franken und die Valiant mit 607 Franken. Beim teuersten Anbieter liegen die Gesamtkosten bei fast 1000 Franken.
Mit separaten Anbietern bis zu 229 Franken sparen
Auch wenn viele Kundinnen und Kunden bei ihrer Hausbank bleiben wollen, kann es sich rechnen, einzelne Dienstleistungen bei einem anderen Anbieter zu nutzen. «Es ist problemlos möglich, einzelne Produkte bei der Hausbank zu behalten. Für bestimmte Dienstleistungen können günstigere Anbieter gewählt werden», sagt Geld-Experte Ralf Beyeler von moneyland.ch.
Für diese Studie hat moneyland.ch deshalb zusätzlich auch berechnet, wie viel die günstigsten separaten Anbieter für die einzelnen Dienstleistungen verlangen. Wenn Kundinnen und Kunden für einzelne Dienstleistungen jeweils einen günstigen Anbieter wählen, sinken die Gesamtkosten deutlich.
Die Berechnungen von moneyland.ch zeigen, dass Kundinnen und Kunden im berechneten Beispiel sogar 229 Franken im Jahr erhalten, wenn sie sich für den jeweils günstigsten Anbieter entscheiden. Die Erträge aus Zinsen und Bonusprogrammen sind grösser als die Kosten für die genutzten Dienstleistungen.
Grosse Unterschiede je nach Bankdienstleistung
Je nach Bankdienstleistung sind die Unterschiede kleiner oder grösser. Das Privatkonto mit Debitkarte und Zahlungsverkehr gibt es bei zahlreichen Banken als Gratis-Konto ohne Grundgebühren. Solange keine kostenpflichtigen Dienstleistungen wie Bargeldbezüge oder Auslandsüberweisungen genutzt werden, betragen die Kosten 0 Franken. «Damit gibt es beim Privatkonto für viele Kundinnen und Kunden kein Sparpotenzial», sagt Ralf Beyeler von moneyland.ch.
Bei anderen Bankdienstleistungen ist das Sparpotenzial deutlich grösser. Im berechneten Beispiel betragen die maximalen jährlichen Einsparungen für die Kartennutzung im Ausland 101 Franken, beim Sparkonto 180 Franken und für die Kreditkarte 216 Franken. Am meisten können Kundinnen und Kunden bei der Säule 3a sparen: Mit einem Wechsel von der Hausbank zum günstigsten Anbieter liegt die Einsparung im Beispiel zwischen 395 Franken und 740 Franken pro Jahr.
Auffällig ist, dass für die Kartennutzung im Ausland neben der Bank WIR insbesondere Smartphone-Banken wie Alpian und Wise sehr günstig sind. Auch bei der Säule 3a haben digitale Anbieter und Vorsorge-Apps wie True Wealth, Liberty Green, Viac, Finpension, Neon und Frankly besonders attraktive Konditionen.
Wer mehrere Anbieter nutzt, spart Geld
Die Analyse zeigt: Wer alle Bankdienstleistungen bei einer einzigen Hausbank nutzt, bezahlt oft deutlich mehr als mit einer Kombination günstiger Anbieter. Bereits mit einzelnen Wechseln lassen sich die Kosten spürbar senken. Besonders gross ist das Sparpotenzial bei der Säule 3a, bei Kreditkarten und beim Sparkonto.
Grösstes Sparpotenzial beim Online-Trading
Manche Kundinnen und Kunden nutzen das Online-Trading ihrer Hausbank, um Wertschriften wie Aktien, Fonds und ETF zu handeln und aufzubewahren. Diese können mit einem Wechsel zu einem günstigen Anbieter viel Geld sparen. Im Profil «Gelegenheitsnutzer» mit einem Depotwert von rund 45’000 Franken und jährlich zwölf Transaktionen kostet die Nutzung bei der Saxo Bank 68 Franken pro Jahr. Bei der Hausbank fallen dafür Kosten zwischen 345 und 855 Franken an.
Methodik
Für diese Studie hat moneyland.ch die Angebote von neun grossen Schweizer Banken analysiert. Berechnet wurden die Gesamtkosten für einen Kunden, der ein Privatkonto mit Debitkarte, ein Sparkonto, eine Kreditkarte sowie eine Säule-3a-Wertschriftenlösung nutzt und im Ausland mit Karte bezahlt. In einer separaten Zusatzauswertung wurde das Online-Trading berücksichtigt.
Zusätzlich wurde berechnet, wie sich die Gesamtkosten verändern, wenn für jede einzelne Bankdienstleistung jeweils der günstigste Anbieter gewählt wird. Dabei wurden die günstigsten im Markt erhältlichen Produkte gemäss Vergleichen von moneyland.ch berücksichtigt.
Annahmen:
- Privatkonto mit Debitkarte: Eine Debitkarte. Nutzung von E-Banking für den Zahlungsverkehr. Beliebig viele Einkäufe mit Debitkarte. Durchschnittliches Guthaben von 8000 Franken. Keine Papierdokumente und keine Bargeldbezüge.
- Sparkonto: Durchschnittliches Guthaben von 18’000 Franken. Es wurden nur Sparkonten mit einem kündigungsfreien Bezug von mindestens 10’000 Franken pro Jahr berücksichtigt. Keine Sparkonten mit Spezialbedingungen wie Neugeld-Boni, zeitlich begrenzte Aktionen oder Aktionärskonten.
- Kreditkarte: Kreditkartenumsatz von 12’000 Franken in der Schweiz. Gutschriften durch Bonusprogramme wurden berücksichtigt. Keine Bargeldbezüge.
- Säule 3a-Wertschriftenlösung: Anlagebetrag von 50’000 Franken in die Wertschriftenlösung mit dem höchsten Aktienanteil.
- Kartenzahlungen im Ausland: 35 Transaktionen in Euro im Gesamtbetrag von umgerechnet 3000 Franken. Keine Bargeldbezüge.
- Online-Trading (für die Zusatzauswertung): Die Angaben basieren auf dem Profil «Gelegenheitsnutzer» von moneyland.ch. Der Depotwert beträgt rund 45’000 Franken.
Bietet ein Anbieter mehrere Produkte an, wurde jeweils das günstigste verfügbare Produkt berücksichtigt.