Viele Menschen sehen sich im Berufsalltag in einem Hamsterrad gefangen, dem sie lieber jetzt als gleich entkommen möchten. Um dieses Ziel zu erreichen, schliessen sie sich Fire an – einer Bewegung, die dank Konsumverzicht und hoher Sparquoten eine frühe finanzielle Unabhängigkeit anstrebt. Dieser Ratgeber von moneyland.ch fasst Ihnen die wichtigsten Informationen zur Fire-Bewegung zusammen.
Was bedeutet Fire?
Das Akronym «Fire» steht für «Financial independence, retire early», was auf Deutsch mit «Finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand» übersetzt werden kann. Anhängerinnen und Anhänger der Fire-Bewegung streben also also an, möglichst frühzeitig finanziell unabhängig zu sein, um sich entweder frühzeitig beruflich zur Ruhe setzen zu können – oder aber die Freiheit zu haben, sich unabhängig von finanziellen Erwägungen für Tätigkeiten entscheiden zu können.
Die Bewegung fand ihren Ursprung in den USA in den 1990er-Jahren. Im deutschsprachigen Raum sind Anhängerinnen und Anhänger von Fire auch als «Frugalistinnen» und «Frugalisten» bekannt, unter Bezugnahme auf ihren sparsamen, frugalen Alltag.
Weshalb schliessen sich Menschen der Bewegung an?
Die Erwerbstätigkeit so früh wie möglich aufgeben zu können, ist für viele Anhängerinnen und Anhänger der Fire-Bewegung das primäre Motiv. Viele Menschen nehmen sich einen Ruhestand mit 50, 45 oder gar 40 Jahren vor – also deutlich vor dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters.
Für andere steht nicht unbedingt eine frühestmögliche Pensionierung im Vordergrund, sondern vielmehr die Gewissheit, finanziell nicht von ihrer Arbeitsstelle abhängig zu sein – und jederzeit aufhören zu können. Viele Fire-Anhängerinnen und -Anhänger zielen auf die Freiheit ab, sich bewusst für Aktivitäten und Tätigkeiten entscheiden zu können.
Welche Arten von Fire gibt es?
Die Bewegung wird je nach Beweggrund und Herangehensweise in verschiedene Kategorien eingeteilt. Was alle Formen eint, ist eine – mindestens zeitweise – hohe Sparquote. Zu den Arten gehören:
- «Lean Fire»: Ziel ist ein frühestmöglicher Ruhestand bei gleichzeitig minimalistischem Lebensstil. Bei dieser Art von Fire steht die Reduktion der Ausgaben im Vordergrund.
- »Fat Fire»: Ziel ist ein früherer Ruhestand bei gleichzeitig hohem Lebensstandard. Diese Art erfordert in der Regel sehr hohe Sparraten, weshalb sie in erster Linie für Personen mit hohem Lohn geeignet ist.
- «Coast Fire»: Hier geht es darum, in jungen Jahren möglichst viel Geld auf die Seite zu legen, sodass das Kapital durch den Zinseszinseffekt bis zum Ruhestand bis zum gewünschten Betrag anwächst. Ein früherer Ruhestand wird nicht unbedingt angestrebt.
- «Barista Fire»: Ziel ist kein früher Ruhestand, sondern entweder eine entspanntere Tätigkeit oder aber ein Teilzeitjob. Optimalerweise genügt der Lohn, um laufende Rechnungen zu zahlen, für den Rest kommen die Ersparnisse auf.
Wie viel Geld muss ich für einen vorzeitigen Ruhestand gespart haben?
Um herauszufinden, wie viel Geld Sie für den Ruhestand benötigen, kann Ihnen die sogenannte 4-Prozent-Regel als Orientierungshilfe dienen. Diese Regel besagt, dass Sie jährlich bis zu 4 Prozent Ihres Vermögens entnehmen können, ohne Ihre Ersparnisse zu verzehren.
Voraussetzung dafür ist – neben einer ausreichenden Rendite – ein Vermögen in Höhe von 25 Jahresausgaben. Belaufen sich Ihre jährlichen Ausgaben auf 70’000 Franken, müssten Sie für einen vorzeitigen Ruhestand 1.75 Millionen Franken ansparen. Viele Anhängerinnen und Anhänger der Fire-Bewegung planen allerdings konservativer und rechnen mit Entnahmen von weniger als 4 Prozent. Der Ratgeber zum Thema 4-Prozent-Regel gibt Ihnen detaillierte Informationen zu diesem Thema.
Wie sollte ich das Geld anlegen?
Um eine ausreichende Rendite auf Ihre Ersparnisse zu erzielen, sollten Sie Ihr Geld bevorzugt in ertragreiche Anlagemöglichkeiten investieren. Dazu gehören in erster Linie diversifizierte Aktienportfolios, zum Beispiel über Exchange Traded Funds (ETF) auf Welt-Indizes. Wertschriften wie Aktien kommen zwar grundsätzlich nicht ohne Risiken aus, haben aber über einen langen Zeitraum ein weitaus höheres Renditepotenzial als Sparkonten und Kassenobligationen.
Wer Wertschwankungen nur schwerlich erträgt, kann auch auf risikoärmere Produkte wie Sparkonten setzen. Die generell geringe Rendite hat allerdings zur Folge, dass Sie in der Regel viel mehr Geld zurücklegen müssen, als wenn Sie breit gestreut in Aktien investieren. Hinzu kommt, dass auch die 4-Prozent-Regel hinfällig ist, denn die Zinserträge genügen bei Weitem nicht, um den Vermögensverzehr auszugleichen.
Vergleichen Sie die Anbieter
Bevor Sie mit dem Investieren in Wertschriften beginnen, ist es ratsam, die verschiedenen Broker zu vergleichen. Die Transaktions- und Depotgebühren variieren je nach Anbieter stark, und hohe Gebühren wirken sich negativ auf Ihre Rendite aus.
Tipp: Sofern Ihnen eine eingeschränkte Wertschriftenauswahl genügt, kann es sich lohnen, anstatt einer traditionellen Bank oder eines klassischen Online-Brokers auch Smartphone-Banken wie Neon und Yuh zu prüfen. Diese zeichnen sich für kleine Anlagebeträge durch relativ niedrige Gebühren aus. Ausführliche Informationen erhalten Sie im Ratgeber zum Thema Anlegen mit Smartphone-Banken.
Wie sinnvoll ist Fire?
Das Konzept von Fire ist eine Lebenseinstellung, die mit zahlreichen Einschränkungen einhergeht. Folgende Aspekte sind zu beachten:
- Verzicht: Anhänger und Anhängerinnen der Fire-Bewegung streben möglichst geringe Ausgaben an und eine höchstmögliche Sparquote an. Dieser Lebensstil geht in aller Regel mit einem erheblichen Konsumverzicht einher.
- Soziale Konflikte: Ein frugaler Lebensstil kann Konflikte mit Ihrer Familie und Freundinnen, Freunden zur Folge haben – wenn Sie beispielsweise auf Restaurantbesuche und gemeinsame Ferien gänzlich verzichten.
- Geringe Rente: Je früher Sie in den Ruhestand gehen, desto weniger Pensionskassenbeiträge zahlen Sie. Dies hat eine deutlich geringere Altersrente der zweiten Säule zur Folge. Sofern Sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, können Sie auch nicht in die Säule 3a einzahlen – mit damit auch nicht in den Genuss der steuerlichen Vorteile kommen. Umso wichtiger ist eine saubere Finanzplanung, sodass Ihnen im Alter nicht das Geld ausgeht.
- Hohes Einkommen nötig: Um genügend Geld anzusparen, ist in aller Regel ein relativ hohes Einkommen – vonnöten, im besten Fall in Kombination mit geringen finanziellen Verpflichtungen. Menschen mit einem geringen Lohn müssten auch an Grundbedürfnissen sparen, um einen hohen Betrag auf die Seite legen zu können.
- Planung erforderlich: Wenn Sie einen frühzeitigen Ruhestand anstreben, sollten Sie im besten Fall einen Plan haben, was Sie mit Ihrer neugewonnenen Freiheit und Freizeit anfangen möchten. Das Ziel, nur nicht mehr arbeiten zu müssen, genügt meist nicht zur langfristigen Erfüllung.
Viele Anhängerinnen und Anhänger der Bewegung sehen in den oben genannten Einschränkungen ein notwendiges Übel, also einen angemessenen Preis für eine frühe finanzielle Unabhängigkeit. Andere verspüren gar keine Beeinträchtigung ihrer gewohnten Lebensweise – weil sie ohnehin einen sparsamen Alltag pflegen. Ob Ihnen ein vorzeitiger Ruhestand derartige Einschränkungen wert ist, hängt von Ihren persönlichen Ansichten, Wertvorstellungen und Lebenseinstellungen ab.
In jedem Fall kann es sinnvoll sein, verschiedene Prinzipien der Fire-Bewegung zu verinnerlichen: Um glücklich zu sein, sind nicht immer hohe Konsumausgaben nötig, und eine hohe Sparquote ist finanziell grundsätzlich ratsam. Sie können auch Schritte in Richtung finanzieller Unabhängigkeit machen, ohne den radikalen Weg zu beschreiten. Wenn Sie sich aus Spareifer all Ihre Herzenswünsche verwehren, tun Sie sich in vielen Fällen keinen Gefallen. Der Ratgeber von moneyland.ch sagt Ihnen, woran Sie besser nicht sparen sollten.
AHV und Fire
Wenn Sie in der Schweiz wohnhaft sind und kein Erwerbseinkommen mehr erzielen, werden Ihre AHV-Beiträge auf Ihrem Vermögen erhoben. Der AHV-Mindestbeitrag beläuft sich auf 530 Franken pro Jahr und gilt bis zu einem Vermögen von 350’000 Franken. Der Maximalbeitrag in Höhe von 26’500 Franken pro Jahr wird ab einem Vermögen von 8.95 Millionen Franken fällig. Bei einem Vermögen von einer Million Franken liegt der jährliche Beitrag bei 2014 Franken, was 167.80 Franken pro Monat entspricht (Stand: 2026).
Mehr zu diesem Thema:
Das müssen Sie über die 4-Prozent-Regel wissen
Das müssen Sie über die 50-30-20-Regel wissen
Rechner «finanzielle Unabhängigkeit»
Millionärsrechner