telmed schweiz vergleich

Telmed-Modelle im Schweizer Vergleich

Alles, was Sie rund um telemedizinische Modelle in der schweizerischen Krankenkassen-Grundversicherung wissen müssen.

Das telemedizinische Modell ist nach dem Standard- und Hausarzt- das populärste Versicherungsmodell.

Das Prinzip ist einfach erklärt: vor einem Arzt-, Apotheken- oder Spitalbesuch müssen Sie jeweils eine vereinbarte Beratungsstelle telefonisch kontaktieren. Dafür steht eine medizinische Hotline zur Verfügung, die rund um die Uhr das ganze Jahr erreichbar ist. Das vorgängige Telefonat ist verpflichtend.

Nicht verpflichtend ist ein Anruf ins Callcenter in der Regel im Fall von gynäkologischen Vorsorge-Untersuchungen, bei Abklärungen im Rahmen einer Mutterschaft, bei Impfungen, zahnärztlichen Behandlungen und im Fall von Behandlungen von Kindern bis zu einem Alter von 6 Jahren.

Im Notfall kann es sein, dass Sie das entsprechende Telefonat gar nicht durchführen können. Das verstehen auch die Krankenkassen. Sie haben aber eine Frist vorgesehen, die Sie nach einem Notfall einhalten müssen. Diese ist je nach Krankenkasse unterschiedlich lang. Bei Compact One (Sanitas-Gruppe) beträgt sie beispielsweise 10 Tage, bei Atupri 20 Tage, bei Sanacall von Sanagate nur 5 Tage.

Spätestens vor einer Nachbehandlung müssen Sie sich bei der Krankenkasse melden. Ansonsten können Sie in die teure Standardprämie zurückgestuft werden oder müssen sogar je nach Krankenkasse die Behandlung selbst bezahlen.

Telmed-Modell bei Schweizern beliebt

Telemedizin-Modelle in der Grundversicherung gibt es nun schon seit rund zehn Jahren. Inzwischen haben sich die Telmed-Modelle von Schweizer Krankenkassen weiter entwickelt und erfreuen sich weiterhin wachsender Beliebtheit.

Mehr als 1.25 Millionen Versicherte haben sich bereits für ein Telmed-Modell entschieden. In der Altersgruppe junge Erwachsene (19 bis 25 Jahre) wählen etwas mehr als 20 Prozent, in der Altersgruppe Erwachsene (ab 26 Jahren) rund 20 Prozent der Versicherten ein telemedizinisches Modell. Auch rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen (bis 18 Jahre) sind auf diese Weise versichert.

Krankenkassen mit Telmed-Modell

31 der insgesamt 52 Krankenversicherer bieten 2018 ein Telmed-Modell an. Zum Vergleich: Das Hausarzt-Modell wird von 44 und das HMO-Modell von 18 Schweizer Krankenkassen angeboten.

Im Gegensatz zum HMO-Modell können Sie unabhängig von Ihrem Wohnort aus einem breiten Angebot von Telmed-Versicherungen wählen. Je nach Wohnort finden Sie zwischen 25 und 30 Krankenkassen, die Telmed anbieten. Es gibt jedoch auch grosse Versicherer, die das Telmed-Modell nicht im Sortiment haben.

Es locken günstige Prämien

Die grosse Beliebtheit des Telmed-Modells hat vor allem einen Grund: die tiefen Prämien.

Krankenkassen rechnen damit, dass die Versicherungskosten durch das obligatorische telefonische Beratungsgespräch markant sinken. Vor allem «harmlose Bagatellfälle» können so günstiger abgewickelt werden. Entsprechend hoch sind die Prämienrabatte mit bis zu maximal 27 Prozent gegenüber den Standardprämien. Der gewichtete Durchschnittsrabatt gegenüber dem Standard-Modell beträgt 14 Prozent.

Eine Auswertung von moneyland.ch zeigt, dass das Telmed-Modell in rund einem Drittel aller Prämienvarianten das günstigste Modell der Schweizer Krankenkassen ist.

Einschränkungen als Pferdefuss

Zwischen den Telmed-Modellen gibt es unterschiedliche Einschränkungen, die vielen Versicherten beim Vertragsabschluss noch nicht richtig bewusst sind.

Die Einschränkungen sind für gesunde Versicherte, die praktisch nie zum Arzt müssen, in der Regel kein Problem. Für weniger Glückliche hat sich die Wahl eines Telmed-Modells aber schon mal als Variante mit Pferdefuss herausgestellt.

Eine mögliche Einschränkung betrifft die Arztwahl. So gibt es Telmed-Modelle mit eingeschränkter Arztwahl, während andere Varianten keine Restriktionen vorsehen. Modelle mit freier Arztwahl sind teurer.

Bei Groupe Mutuel PrimaTel beispielsweise wird das Telmed- mit einem Hausarzt-Modell kombiniert. Damit die Versicherung zahlt, muss der Versicherte zuerst mit der Hotline von Medi24 telefonisch Kontakt aufnehmen und nachher gegebenenfalls zum definierten Hausarzt zur weiteren Abklärung. Beim Modell SanaTel der Groupe Mutuel hingegen ist die Wahl des Arztes nicht beschränkt. Dafür sind die Prämien teurer.

Darüber hinaus gibt es Versicherungsmodelle wie Flexcare von Atupri, bei denen anstelle eines Hausarztes ein Ärztenetzwerk vorgeschrieben ist (im Fall von Atupri eine Medbase-Gruppenpraxis). Beim teureren Modell Telfirst von Atupri hingegen genügt ein Telefonat ins Medgate-Zentrum.

Verpflichtende Beratung als Einschränkung

Eine weitere Einschränkung von Telmed-Modellen betrifft den Stellenwert des telefonischen Beratungsgesprächs. Je nach Krankenkasse und Telmed-Modell ist die Empfehlung der beratenden Ärzte oder Pflegefachleute im Callcenter mehr oder weniger verpflichtend. Auch hier gilt die Faustregel: Telmed-Modelle mit verpflichtender Erstberatung sind günstiger als solche ohne.

Bei PrimaTel der Groupe Mutuel etwa gilt die Beratung als bindend, beim teureren Modell SanaTel der Groupe Mutuel hingegen haben die telefonischen Ratschläge keinen bindenden Charakter.

Auch beim Modell Compact One von Compact gilt die Beratung als bindend. Am Telefon wird der weitere Behandlungsablauf definiert. Wer zum Arzt geht, obwohl der Berater eine Selbstbehandlung vorgesehen hat, wird abgemahnt. Im wiederholten Fall einer Missachtung der festgelegten Regeln wird der Versicherte rückwirkend auf Jahresanfang in die teure Prämie des Standardmodells zurückgestuft.

Medgate, Medi24 und Sante24 im Vergleich

Schweizweit werden drei telemedizinische Zentren betrieben: Medi24, Medgate und Sante24.

Medi24 ist ein «unabhängiges» Zentrum. Berater sind im Gegensatz zu Medgate nicht Ärzte, sondern Pflegefachleute. Verschiedene Krankenkassen nutzen die Dienstleistungen von Medi24, darunter Groupe Mutuel, Helsana, KPT, Visana, Galenos, Sumiswalder.

Medgate ist wie Medi24 ebenfalls unabhängig, aber wesentlich grösser und beschäftigt rund 90 Ärzte. Verschiedene Krankenkassen nutzen die Dienstleistungen von Medgate, darunter Agrisano, Aquilana, Atupri, Birchmeier, CSS, EGK, Krankenversicherung Flaachtal, Galenos, Glarner, Helsana, Innova, Klug, Kolping, ÖKK, Rhenusana, Sanagate, Sanitas, SLKK, Sodalis, Krankenkasse Steffisburg, Swica, Sympany, Visana und KKV.

Sante24 schliesslich wird durch die Krankenkasse Swica betrieben.

Telmed: Vorteile

  • Als Hauptvorteile von Telmed-Modellen ist die Prämienersparnis zu nennen. Das Sparpotenzial kann beträchtlich sein.
     
  • Ein weiterer Vorteil ist das kostenlose telefonische Beratungsgespräch. Gerade für weniger ernste Vorkommnisse kann ein solches bereits hinreichen, ohne dass ein Gang in die Arztpraxis nötig wäre.

Telmed: Nachteile

  • Eine Ferndiagnostik ist oft schwierig. Eine Falscheinschätzung kann fatale Folgen für den Patienten haben. Zudem besteht ein möglicher Interessenkonflikt: Ökonomisch gesehen kann (gerade bei «abhängigen» Zentren) der Anreiz bestehen, die kostengünstigste Variante für eine Abklärung oder Behandlung zu empfehlen, obwohl in medizinischer Hinsicht eine teurere Variante angezeigt wäre.
     
  • Gerade bei Telmed-Modellen mit sehr günstigen Prämien ist oft die Arztwahl eingeschränkt.
     
  • Die Telmed-Beratung ist oft verpflichtend. Wenn der Versicherte eine alternative Behandlungsmethode wünscht, kann sich die Krankenkasse querstellen. Ein Telmed-Modell empfiehlt sich deshalb in erster Linie für gesunde Versicherte.

Ihre Moneyland-Redaktion

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