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Angst vor Inflation? So schützen Sie Ihr Geld

22. März 2024 - Raphael Knecht

Klassisches Sparen lohnt sich schon lange nicht mehr: Wer Geld hat und eine steigende Inflation befürchtet, muss sich nach Anlage-Alternativen umsehen. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt und was sie taugen.

Steigt die Teuerung, wird das Sparen unattraktiv: Wer 100’000 Franken bei einer jährlichen Inflationsrate von 2 Prozent zu Hause im Tresor aufbewahrt, verliert in nur fünf Jahren mit rund 9400 Franken fast 10 Prozent der Kaufkraft.

Sparer und Anleger, die mit einer wachsenden Inflation rechnen, suchen darum nach Möglichkeiten, ihr Vermögen davor zu schützen. Dies geschieht insbesondere durch die Investition in sogenannte Sachwerte. Die Idee dahinter: Ein Sachwert hat einen realen Gegenwert, der von der Inflation nicht betroffen sein sollte. Oft ist es allerdings nicht ganz so einfach. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Anlagen sich in Zeiten mit hoher Inflationserwartung behaupten können – und welche nicht.

Aktien

Aktien gelten als Sachwerte, mit denen Sie sich bis zu einem gewissen Grad gegen die Teuerung absichern können. In den vergangenen 30 Jahren erzielten Schweizer Aktien im Schnitt eine inflationsbereinigte Rendite von 8 Prozent. Die jährliche Inflationsrate war in diesem Zeitraum mit rund 1 Prozent allerdings verhältnismässig niedrig. Aber auch von 1960 bis 1990, als die Teuerung jährlich fast 4 Prozent betrug, warfen Schweizer Aktien immer noch eine inflationsbereinigte Rendite von knapp 3 Prozent ab.

Wenn Sie sich mit Aktien gegen die Inflation absichern möchten, kommt es darauf an, in welche Art von Firmen Sie investieren. In der Vergangenheit schnitten sogenannte zyklische Sektoren in Zeiten mit hoher Inflationserwartung im Vergleich zum Rest des Markts besser ab. Dazu gehören etwa die Halbleiterproduktion und die Autoindustrie. Weniger gut lief es hingegen bei nicht-zyklischen Firmen, beispielsweise im Lebensmittelhandel.

Abgesehen von der Branche gilt es auch zu prüfen, wie gut die Unternehmen mit Inflation umgehen können. Firmen, die eine grosse Marktmacht und einen niedrigen Investitionsbedarf haben, haben in der Regel im Inflationsszenario bessere Chancen als Unternehmen, bei denen das nicht der Fall ist. Aktien von etablierten Firmen kommen also weniger unter Druck als Titel von aufstrebenden Unternehmen.

Wer sich mit Aktien gegen die Inflation schützen möchte, muss sich des damit verbundenen Risikos bewusst sein. Da Aktienkurse enorm schwanken können, sollten Sie nur den Teil Ihres Vermögens an der Börse investieren, den Sie nicht spontan benötigen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass Sie Wertschriften zu einem ungünstigen Zeitpunkt liquidieren müssen. Um das mit Aktienhandel verbundene Risiko weiter abzufedern, ist eine breite Diversifikation, beispielsweise mit ETF, zu empfehlen. Tipps für den Handel mit Aktien finden Sie hier.

Falls Sie im Rahmen einer Vorsorgelösung (Säule 3a) ihr Geld anlegen möchten, sollten Sie ebenfalls auf einen grossen Aktienanteil achten, falls Sie mit steigender Inflation rechnen.

Edelmetalle

Edelmetalle, allen voran Gold, werden als klassische Absicherung gegen die Inflation gehandelt. Als Sachwerte steigt in der Regel ihr Preis, wenn eine Währung an Zahlungskraft verliert – das ist zumindest langfristig der Fall. Gold konnte in den vergangenen 50 Jahren nicht nur die Teuerung abfedern, sondern das Edelmetall bescherte Schweizer Investorinnen und Investoren sogar noch eine beträchtliche Rendite.

Anleger können via ETF an der Börse in Edelmetalle investieren – oder gleich den Rohstoff selbst einkaufen. Wenn Sie ein physisches Edelmetall kaufen wollen, dürfte vor allem Gold interessant sein, da es im Gegensatz zu anderen Rohstoffen in der Schweiz von der Mehrwertsteuer befreit ist.

Zwischen der reinen Inflationsrate und dem Goldpreis gibt es allerdings keinen zuverlässigen Zusammenhang. Der Goldpreis steigt vor allem bei negativen Realzinsen – also wenn die Inflation die Zinsen der Banken komplett wegfrisst. Am ehesten schützt Sie Gold gegen die rasante Steigerung der Geldentwertung, die Hyperinflation genannt wird.

Bei einer leichten Inflation haben sich Aktien in der Vergangenheit als bessere Anlage erwiesen. Im Gegensatz zu Wertpapieren gelten Edelmetalle allerdings trotz ihrer Volatilität als weniger riskant – dafür gibts aber auch keine Zinsen oder Dividenden auf Rohstoffe. Falls Sie in Gold investieren möchten, sollten Sie diese Tipps berücksichtigen.

Rohstoffe

Nicht nur Edelmetalle, sondern auch andere Rohstoffe können als Inflationsabsicherung genutzt werden. Dazu müssen Sie nicht etwa Waren im Keller lagern, sondern Sie können auch in Rohstoff-Indizes investieren.

Solche Indizes verhalten sich bei Inflation ähnlich wie der Goldpreis. Das liegt wohl auch daran, dass das Metall einen erheblichen Anteil vieler solcher Indizes ausmacht – so ist Gold beispielsweise im Bloomberg Commodity Index mit rund 15 Prozent der mit Abstand grösste Einzelposten.

Ein weiteres typisches Beispiel für einen Rohstoff, der in solchen Indizes stark gewichtet wird, ist Erdöl. In der Vergangenheit konnte der Rohölpreis mit der Inflation mithalten. Im Index von Bloomberg sind gleich sechs verschiedene Ölprodukte enthalten, die zusammen fast ein Drittel des gesamten Index ausmachen.

Wegen des Trends zu klimaneutraler Energieproduktion erwarten manche Analysten allerdings, dass die Rolle von Erdöl als Inflations-Absicherung über längere Zeit abnehmen wird. Metalle dürften hingegen auch langfristig weiterhin als Schutz vor Teuerung gelten.

Immobilien

Immobilien werden auch als «Betongold» bezeichnet, da ihnen eine ähnliche Inflationssicherheit nachgesagt wird wie dem gelben Edelmetall. Steigt die Teuerung, treibt das in der Regel langfristig auch die Immobilienpreise in die Höhe.

Wer eine Festhypothek besitzt, profitiert zudem von der nominalen Entwertung: Sie zahlen während der Laufzeit immer den gleichen Zinsbetrag, auch wenn dessen realer Wert wegen der Inflation sinkt. Bedenken Sie allerdings, dass die festgelegten Zinsen unter anderem auf den Inflationserwartungen der Bank basieren, die Ihnen die Hypothek ausstellt.

Wer seine Immobilien vermietet, kann bei steigender Inflation auch höhere Mieten verlangen. In diesem Fall tragen Ihre Mieter die Teuerung. Wer hingegen in der eigenen Immobilie wohnt, zahlt bei Inflation wegen des Eigenmietwerts höhere Steuern.

Unabhängig von der Teuerung beeinflusst aber auch die Nachfrage den Preis einer Immobilie. Je nach Art und Lage eines Objekts ist ein Wertverlust also nicht ausgeschlossen. Was Sie beim Kauf einer Immobilie beachten müssen, erfahren Sie hier.

Vor allem für Anleger mit eher niedrigem Vermögen wird die Investition in Einzelobjekte nicht empfohlen. Für viele Privatanleger sind Immobilien zu teuer – und wer sich nur eine einzelne Wohnung leisten kann und einen Grossteil seines Vermögens in sie steckt, geht ein Klumpenrisiko ein. Solche Anleger sind mit Immobilienfonds oder Immobilienaktien in der Regel besser bedient: Diese Fonds bieten eine wesentlich kleinere Stückelung und eine breitere Diversifikation innerhalb des Markts.

Exotische Sachwerte

Exotische Sachwerte wie Kunst, Schmuck, Uhren und Oldtimer werden manchmal ebenfalls als Absicherung gegen Inflation angeführt. Ob solche alternativen Wertanlagen wirklich gegen die Entwertung des Geldes schützen, ist aber schwierig einzuschätzen. Zwar handelt es sich hier wörtlich um Sachwerte, und es ist zu erwarten, dass deren Preis bei wachsender Inflation ebenfalls steigt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagen fehlt allerdings meist ein klarer Preisindex – Sie können also den Wert des Objekts nicht kontinuierlich verfolgen und prüfen, welchen Einfluss die Inflation hat.

Finanzexperten raten Anlegern darum meistens, nur in exotische Sachwerte zu investieren, für die sie sich sowieso schon interessieren. Idealerweise kennen Sie sich in diesem Fall bereits etwas mit dem Markt aus und verstehen, welchen Wert eine Anlage hat und wie er sich entwickeln könnte.

Sie sollten bedenken, dass der Markt für exotische Sachwerte wesentlich weniger liquid ist als beispielsweise der Aktienmarkt. Wenn Sie plötzlich Geld brauchen, bringen Ihnen Anlagen, für die Sie erst mal einen Käufer finden müssen, wenig. Schlimmstenfalls müssen Sie sich mit einem niedrigen Preis begnügen, wenn Sie unter Verkaufsdruck kommen. Dann machen Sie womöglich Verlust, obwohl Sie die Inflation ausgleichen konnten. Sein ganzes Geld in einen Picasso oder eine Uhrensammlung zu stecken, ist also unabhängig vom Inflationsniveau sehr riskant und nicht empfohlen.

Kryptowährungen

Vom Konzept her müssten Kryptowährungen die perfekte Absicherung gegen Inflation sein: Das digitale Geld ist nicht an Notenbanken gebunden, kann in der Regel nur bis zu einem vordefinierten Limit hergestellt werden und behält seinen Wert somit ungeachtet der Inflation in anderen Währungen. Was die Absicherung gegen Inflation betrifft, erwarten manche Analysten, dass der Bitcoin künftig eine ähnliche Rolle spielen wird wie Gold.

Viele Marktbeobachter sind sich jedoch einig, dass hinter dem Preis der Kryptowährung vor allem spekulative Interessen stecken. Er ist in erster Linie davon abhängig, wie gross die Nachfrage ist beziehungsweise wie viele Anleger bereit sind, ihr Bitcoin-Vermögen zu halten. Welche Rolle die Inflation spielt und ob Kryptowährungen eine gute Absicherung sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gut beurteilen. Im Gegensatz zu Gold fehlen beim Blockchain-Geld die historischen Daten.

Weil der Bitcoin sehr volatil ist, wäre sogar denkbar, dass eine erhöhte Inflation den Kurs der Kryptowährung einbrechen lässt. Wenn die Geldentwertung eine Rezession einläutet, könnte das Grossinvestoren dazu veranlassen, riskante Anlagen zu meiden. Hat sich der Bitcoin bis dann nicht stabilisiert, würde diese Entscheidung den Kurs der Kryptowährung möglicherweise nach unten drücken.

Zudem sollten Sie bedenken, dass Kryptowährungen aus technischer Sicht schnell überholt sein können – Konkurrenzprodukte könnten beispielsweise den Bitcoin plötzlich als Branchenprimus ablösen. Wegen dieses theoretischen Ablaufdatums ist es auch bei Kryptowährungen empfohlen, auf eine gewisse Diversifikation zu achten. Wo Sie in der Schweiz Bitcoin kaufen können, erfahren Sie hier.

Obligationen

Mit herkömmlichen Obligationen können Sie sich nicht gut gegen die Teuerung schützen. Da es sich um eine festverzinsliche Anlage handelt, bleibt der nominal bezahlte Betrag für eine Obligation gleich, egal wie stark die Inflation anzieht. Sie verlieren also real Rendite, wenn die Währung der Anleihe an Wert verliert.

Dasselbe gilt bei der Rückzahlung am Ende der Laufzeit einer Obligation: Sofern der Herausgeber zahlungsfähig ist, erhalten Anleger zwar den Nennwert zurück – aber eben ohne Berücksichtigung der Teuerung. Somit sind Anleihen auch hier anfällig auf Inflation.

Es gibt allerdings auch inflationsgeschützte Anleihen. Bei diesen Obligationen sind Rückzahlung und Verzinsung an einen Inflationsindex gekoppelt. Diese Finanzprodukte werden auch «Linker» genannt. Sie machen es Anlegern möglich, sich besser gegen die Inflation zu schützen.

Von der Schweizer Eidgenossenschaft gibt es jedoch keine inflationsgeschützten Staatsanleihen. Zudem lohnen sich Linker im Vergleich zu herkömmlichen Obligationen in der Regel nur, wenn die Inflation stärker ansteigt als zum Ausgabezeitpunkt erwartet.

Weitere Informationen:
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Redaktor Raphael Knecht
Raphael Knecht war bis Ende Februar 2023 Analyst und Fachredaktor bei moneyland.ch. Seither unterstützt er die Redaktion gelegentlich als Freelancer.
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