Risiken sind ein Teil der Geldanlage – oder doch nicht? Das sogenannte Kakerlaken-Portfolio richtet sich an all jene, die Krisen fürchten und eine hohe Volatilität nur schwer ertragen können. In diesem Ratgeber beantwortet moneyland.ch die wichtigsten Fragen zur Strategie.
Was ist das Kakerlaken-Portfolio?
Das Kakerlaken-Portfolio (englisch «cockroach portfolio») ist ein Modell für ein Anlageportfolio, das sich in allen denkbaren Umständen als widerstandsfähig erweisen soll. Es soll eine gewisse Rendite – höher als jene auf Sparkonten – mit einer hohen Stabilität verbinden. Geprägt wurde das Modell vom britischen Finanzexperten Dylan Grice.
Woraus besteht das Portfolio?
Zwar bestehen für das Kakerlaken-Portfolio verschiedene Interpretationen und Modelle. In besteht in seiner klassischen Form besteht es allerdings aus vier gleich grossen Teilen:
- 25 Prozent Aktien: Der Aktien-Teil wird optimalerweise breit gestreut, zum Beispiel über Exchange Traded Funds (ETF) auf Welt-Indizes.
- 25 Prozent Staatsobligationen: Dies betrifft langlaufende Staatsobligationen (Staatsanleihen) aus Ländern mit sehr hoher Bonität, zum Beispiel der Schweiz oder Deutschland. Auch diesen Teil sollten Sie im Bestfall breit streuen – Obligationen-ETF sind ein probates Mittel.
- 25 Prozent Gold: Sie können das Edelmetall Gold entweder physisch oder auch über ETF halten.
- 25 Prozent Bargeld/Liquidität: Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entweder deponieren Sie das Geld auf einem Privat- oder Sparkonto, investieren es in sehr risikoarme Geldmarktfonds oder halten es tatsächlich in bar. Bei Sparkonten ist es ratsam, neben dem Zinssatz auch auf die Rückzugsbedingungen zu achten.
Die enthaltenen Portfoliobestandteile sollen sich gegenseitig ausbalancieren. Während Aktien höhere Renditechancen mit einem – zumindest kurzfristig – erhöhten Risiko verbinden, sind Staatsobligationen eine eher auf Stabilität ausgelegte Anlageklasse. Gold gilt als bewährter «sicherer Hafen» in Krisen, und der Cash-Anteil garantiert Ihnen Liquidität. Ein Notgroschen ist freilich weiterhin empfehlenswert.
Gibt es ETF auf das Kakerlaken-Portfolio?
Einen einzigen spezialisierten ETF, mit dem Sie das Kakerlaken-Portfolio nachbilden können, gibt es bis anhin nicht (Stand: April 2026). Sie können das Portfolio aber über verschiedene ETF problemlos reproduzieren, namentlich über diversifizierte Aktien- und Staatsobligationen-ETF sowie über Gold- und Geldmarkt-ETF.
Was sind die Vorteile des Portfolios?
Der zentrale Vorteil des Kakerlaken-Portfolios liegt in seiner hohen Diversifikation, die sich über verschiedene Anlageklassen erstreckt. Da keiner der vier Teile einen überproportionalen Anteil einnimmt, setzen Sie sich auch keinen nennenswerten Klumpenrisiken aus.
Das Portfolio balanciert Sicherheit und Renditechancen aus. Es ist in Krisen tendenziell robuster als ausschliesslich aktienbasierte Portfolios. Denn dass alle vier Teile gleichzeitig an Wert verlieren, ist – vor allem aufgrund des Cash-Anteils – geradezu ausgeschlossen. Die Kurse von Gold, Aktien und Obligationen verlaufen teilweise gegenläufig, wofür aber keine Garantie besteht.
Welche Risiken und Nachteile sollte ich beachten?
Bargeld kommt in der Zusammensetzung ein vergleichsweise grosser Anteil zu. Was der Sicherheit zuträglich sein mag, ist den Renditechancen eher abträglich: Der Cash-Teil kann Ihre Performance vor allem auf lange Sicht negativ beeinflussen. Denn Bargeld, Guthaben auf Privat- oder Sparkonten sowie Geldmarktfonds werfen keine oder nur eine sehr geringe Rendite ab. Auch Obligationen haben in jüngerer Vergangenheit gegenüber Aktien schlecht abgeschnitten, was sich zumindest theoretisch aber künftig ändern kann.
Um die Portfolio-Anteile in ihrer Gewichtung beizubehalten, kann ein häufiges Rebalancing notwendig sein. Dies ist mit einem gewissen Aufwand und in der Regel auch mit Transaktionsgebühren verbunden.
Wählen Sie einen günstigen Anbieter
Erfolg und Misserfolg einer Anlagestrategie hängen nicht nur von den Portfoliobestandteilen ab, sondern auch von der Wahl Ihres Trading-Anbieters. Hohe Transaktions- und Depotgebühren beeinflussen Ihre Rendite negativ. Es lohnt sich deshalb, die verschiedenen Broker und traditionellen Banken auf moneyland.ch zu vergleichen.
Tipp: Wenn Sie sich mit einer eingeschränkten Titelauswahl zufriedengeben, könnten Smartphone-Banken eine lohnenswerte Alternative für Sie darstellen. Vor allem bei geringen Anlagebeträgen gehören Smartphone-Banken zu den günstigsten Anbietern.
Für den Cash-Anteil empfiehlt es sich ausserdem, die verschiedenen Privatkonten respektive Sparkonten miteinander zu vergleichen. Auch vermeintlich geringe Zinsunterschiede können langfristig erheblich ins Gewicht fallen.
Wie gut rentiert das Kakerlaken-Portfolio?
Welche Rendite Sie mit dem Kakerlaken-Portfolio erzielen können, lässt sich nicht pauschal sagen. Dies ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass die Wertentwicklung von vielen verschiedenen Variablen abhängt, etwa der genauen Zusammensetzung des Portfolios sowie den bei der Geldanlage anfallenden Gebühren. Zum anderen lässt sich die zukünftige Performance von Wertschriften nie voraussagen – auch die vergangene Kursentwicklung stellt keinen verlässlichen Indikator dar.
In einem beispielhaften Vergleich über fünf Jahre setzt sich das Kakerlaken-Portfolio sowohl gegen das 60-40-Portfolio als auch gegen ein reines Aktienportfolio (auf Basis eines Welt-Index) durch. Über zehn Jahre hingegen haben die beiden anderen Portfolios die Nase vorn.
Hinweis: Der Artikel ist keine Anlageberatung und dient lediglich der Information. Angaben ohne Gewähr.
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